Die Evakuierung
Senioren erinnern sich an dunkle Kriegsnächte

Ahlen -

Vor der Entschärfung der Fliegerbombe auf dem Areal am alten Güterbahnhof mussten Anwohner am Freitagabend im Umkreis von 300 Metern ihre Wohnungen verlassen. Anlaufpunkt: die Betreuungsstelle Paul-Gerhardt-Schule.

Samstag, 15.09.2018, 10:50 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 15.09.2018, 10:48 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 15.09.2018, 10:50 Uhr
Helmut Pöppelbaum (85) und seine Ehefrau Klara (84) werden von Ina Schlünder und Anne Dinkelmann vom DRK in der Turnhalle der Paul-Gerhardt-Schule betreut.
Helmut Pöppelbaum (85) und seine Ehefrau Klara (84) werden von Ina Schlünder und Anne Dinkelmann vom DRK in der Turnhalle der Paul-Gerhardt-Schule betreut. Foto: Christian Wolff

Bei Helmut Pöppelbaum kommen böse Erinnerungen wieder hoch. Er hat noch erlebt, wie im Zweiten Weltkrieg die Bomben über Ahlen gefallen sind. Und heute treibt ihn ein 250 Kilogramm schweres Exemplar einer amerikanischen Fliegerbombe wieder aus dem Haus.

Der 85-Jährige sitzt am Abend der Bombenentschärfung geduldig in der Turnhalle der Paul-Gerhardt-Schule. Dort betreut der Ahlener Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes ( DRK) alle, die ihr Zuhause verlassen müssen und nicht bei Bekannten oder Verwandten unterkommen. 55 an der Zahl. Helmut Pöppelbaum wohnt am Siemensweg; sein Haus fällt in den Evakuierungsradius von 300 Metern. „Was willste machen?“, sagt er und schüttelt den Kopf. „Sowas auf die alten Tage . . .“

Sowas auf die alten Tage . . .

Helmut Pöppelbaum

Noch schlimmer sei es aber für seine Ehefrau Klara (84). Sie habe damals beim Bombenangriff ihren Bruder verloren, wurde selbst schwer verletzt. „Jetzt ist sie krank. Das ist gerade nicht einfach“, weiß ihr Mann. Ina Schlünder (33) und Anne Dinkelmann (16), Ersthelferin und Rettungshelferin, betreuen an diesem Abend viele Senioren wie die Pöppelbaums.

DRK-Einsatzleiter Dieter Dolenc koordiniert derweil auf dem Schulhof, dass für alle Evakuierten genug Getränke vor Ort sind. Auch Schulleiterin Julia Beier macht sich ein Bild von der Lage, während alle gespannt warten, was passiert. „Wie lange dauert das denn?“, fragt eine Dame bei der Feuerwehr nach. „Das wissen wir auch nicht“, muss Brandoberinspektor Jens Schüsseler gestehen.

Für den Notfall sind Ärzte vor Ort. Spezialtransporter fahren mehrfach diejenigen an, die nicht mehr gut zu Fuß sind, bis gegen 20.45 Uhr auch wirklich alle betroffenen Häuser geräumt sind.

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