Autoren lesen
Ahlens unbekannte poetische Tochter

Ahlen -

Hildegard Offele-Aden beschäftigte sich in der VHS-Reihe „Autoren lesen“ mit Westfalens erster Dichterin: Katharina Schücking aus Ahlen.

Montag, 01.10.2018, 17:32 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 01.10.2018, 16:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 01.10.2018, 17:32 Uhr
Musikalisch begleitet wurde Hildegard Offele-Aden im Kunstmuseum von Tania Pentcheva.
Musikalisch begleitet wurde Hildegard Offele-Aden im Kunstmuseum von Tania Pentcheva. Foto: Martin Feldhaus

Wer war eigentlich Westfalens erste Dichterin? Auf diese Frage fällt wohl den wenigsten Ahlenern der Name Katharina Schücking (1791-1831) ein. Eigentlich schade, denn Schücking wurde am 26. Januar 1791 in Ahlen als Katharina Busch geboren und ist daher nicht nur Westfalens erste Dichterin, sondern auch Ahlens unbekannte poetische Tochter. Doch wie hat diese Tochter eigentlich gedichtet und vor allem gelebt?

Ausführliche Antworten auf diese Fragen lieferte am Sonntag im Kunstmuseum Hildegard Offele-Aden , die im Rahmen der VHS-Reihe „Autoren lesen“ Leben und Wirken der Schriftstellerin näher beleuchtete. Musikalisch begleitet wurde sie hierbei von Tania Pentcheva, die Gedichte musikalisch untermalte. „Es ist die Geschichte einer sensiblen und klugen Frau, eingezwängt in ein starres Korsett der damaligen Regeln und Vorschriften“, führte Offele-Aden zu Beginn ein.

Was folgte war gewissermaßen ein Parforceritt durch das kurze Leben Schückings, welcher mit Ausschnitten aus Briefen der Dichterin sowie den Gedichten selbst anschaulich wurde. „Sie las und las und las“, erklärte Offele-Aden, dass die Leidenschaft für die Poesie bei Schücking bereits früh erkennbar war. Augenscheinlich wird dies in dem Gedicht „Sehnsucht nach Ruhe“, das aus dem Jahr 1805 stammt. Ruhe, dies war ein Zustand, den die junge Katharina damals aufgrund einer Krankheit vermisste und daher in diesem Gedicht suchte. Ein Meilenstein im Leben Schückings war dann der Umzug von Ahlen nach Münster, wo sie ihren Lehrer und Meister Matthias Sprickmann traf. Sprickmann war ihr großes Vorbild und förderte ihre dichterische Entwicklung.

Aber auch über private Dinge tauschten sich Schücking und Sprickmann ausführlich in zahlreichen Briefen aus, von denen heute noch 107 erhalten sind. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben der Dichterin. Und das war geprägt von vielen Höhen und Tiefen, die sich auch in den Werken widerspiegeln. „Einmal himmelhochjauchzend und dann zu Tode betrübt“, erklärte Offele-Aden, dass die Gedichte Schückings die ganze Palette von Gefühlen widerspiegeln.

So widmete sie beispielsweise das Werk „Schneeglöckchen“ ihrer verstorbenen Tochter Ida und schlägt dort sehr schwere Töne an. Ganz anders ist die Stimmung hingegen in dem Gedicht „Frühlingsabend“, welches nur so vor positiven Gefühlen trotzt. Gerade diese positiven Gefühle jedoch nehmen im Laufe des Lebens Schückings eher ab. Im Jahr 1815 zog sie mit ihrem, oftmals untreuen, Ehemann aufs Land und litt zeitweise unter der Einsamkeit. „Sie hatte die Dichterin in ihr in den Ruhestand geschickt“, berichtete Offele-Aden von einer echten Schaffenskrise. Doch auch diese überwand die mittlerweile mehrfache Mutter.

Das sogar so gut, dass sie bereits zu Lebzeiten in das Lexikon „Die deutschen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts“ aufgenommen wurde. Ihre Freundin Annette von Droste-Hülshoff bezeichnete die Ahlenerin sogar als „Westphalens Dichterin“ und setzte ihr damit ein dichterisches Denkmal.

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