Premiere in Ahlen
Klassenzimmer auf der Kirmes

Ahlen -

Schulmobil-Premiere auf der Ahlener Herbstkirmes: Die Bezirksregierung Münster testet das rollende Klassenzimmer für Schaustellerkinder. Fährt es im Testjahr gute Noten ein, soll es Schule machen...

Donnerstag, 04.10.2018, 09:40 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 01.10.2018, 21:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 04.10.2018, 09:40 Uhr
Viel mehr Platz ist nicht, reicht aber für konzentriertes Lernen, während draußen die Kirmesmusik spielt. Für Colin, Lucy, Jacques, Rudi und Joey ist das Schulmobil gleich nach Mittag reserviert. Danach dürfen die Großen.
Viel mehr Platz ist nicht, reicht aber für konzentriertes Lernen, während draußen die Kirmesmusik spielt. Für Colin, Lucy, Jacques, Rudi und Joey ist das Schulmobil gleich nach Mittag reserviert. Danach dürfen die Großen. Foto: Ulrich Gösmann

Klar geht‘s am Montagnachmittag nach der Schule gleich zur Kirmes. Doch nichts da mit Autoscooter oder Achterbahn. Ahlens Herbstattraktion heißt für Joey und seine Freunde: Schulmobil. „Weil man hier schneller lernt“, schießt es aus dem Zwölfjährigen, der gleich wieder Fruchtspieße in Schokosoße taucht. Das rollende Klassenzimmer – ein kleines Raumwunder – hat Premiere in Ahlen und im gesamten Regierungsbezirk. Das macht‘s für die Kirmes-Kids zur Attraktion.

„Hier ist alles noch so neu“, entschuldigt sich Sita Moormann und sucht nach dem Heizungsknopf, um es am Mittag drinnen noch schnell warm zu kriegen, bevor die Ersten kommen. Eigentlich ist sie Lehrerin an der Drensteinfurter Sekundarschule, spezialisiert auf Mathe und Naturwissenschaften. Zwölf Stunden pro Woche freigestellt, klappert sie nachmittags als Allrounderin die Plätze ab, um Kirmes- und Zirkuskindern bei den Hausaufgaben zu helfen oder Eltern eine qualifizierte Ansprechpartnerin zu sein.

Einkleines Raumwunder. das Schulmobil.

Einkleines Raumwunder. das Schulmobil. Foto: Ulrich Gösmann

Bisher war es ein langer Weg, um all ihre Sprösslinge zu finden. Zwischen Karussells und Schlemmerständen endlich aufgespürt, ging‘s in die Wohnwagen. „Man drängt in die Privatsphäre. Das ist nicht so schön, wenn dort geraucht wird und der Fernseher läuft“, verdeutlicht sie.

Nach Ahlen kommt die Pädagogin diesmal mit dem Schulmobil. Eine Leihgabe der Schule für Circuskinder NRW in Hilden. Und ein Pilotprojekt, das die Bezirksregierung Münster auf ein Jahr befristet hat, um dann zu entscheiden, ob ein eigenes rollendes Klassenzimmer angeschafft wird. Unterstützt wird Sita Moormann von sieben weiteren Bereichslehrkräften aus dem Regierungsbezirk. „Allein in Nordrhein-Westfalen reisen 1000 Kinder durchs Land“, lässt sie aufhorchen. Betreut von 40 Kollegen.

Konzentriertes Lernen am Nachmittag.

Konzentriertes Lernen am Nachmittag. Foto: Ulrich Gösmann

Für Kirmeskinder beginnt der Schultag wie für jeden anderen Schüler: am Morgen. In Ahlen steuert der Schaustellernachwuchs in den meisten Fällen die nahe liegenden Barbara- und Overbergschule an, um dort in den Stunden der Hauptfächer das eigene Programm zu fahren. Das hat ihnen in den Winterquartieren ihre jeweilige Stammschule mit auf die lange Reise gegeben. In den oft wöchentlich wechselnden Stützpunktschulen sind die Bereichslehrkräfte wie Sita Moormann die zentralen Ansprechpartner. „Wir fördern dann am Nachmittag.“ Mit Erfolg, wie sie sagt: „Wenn man möchte, kann man auf der Reise gut beschult werden.“

Früh dran. Die Großen warten schon auf ihre Stunde im Schulmobil und finden‘s ziemlich cool.

Früh dran. Die Großen warten schon auf ihre Stunde im Schulmobil und finden‘s ziemlich cool. Foto: Ulrich Gösmann

Das Schulmobil, das vorne auf dem kleinen Parkplatz an der Rottmannstraße versteckt zwischen Wohnwagen steht, komme an, weiß die Gastgeberin. Eltern und Schüler seien durchweg begeistert. Drinnen zeigt das kleine Raumwunder Größe – mit sieben Arbeitsplätzen, Laptops, Drucker und all dem anderen Schulmaterial. Ein Gruppentisch ist ausklappbar, eine grüne Tafel lässt sich „Hokuspokus“ aus der Wand zaubern.

Im Schulmobil sind die Hausaufgaben am Montagnachmittag in einer Stunde gemacht. Zuerst dürfen die Kleinen, dann die Großen. Danach geht‘s zurück auf die Kirmes. Ins Kassenhäuschen oder an die Losbude. Gut möglich, dass es dann noch einmal ein Wiedersehen mit Sita Moormann gibt. Irgendwie sei auch sie ein Kirmeskind, gesteht sie. Die Runde über den Rummel gehöre zur Entspannung einfach mit dazu.

Ihr Name steht auf der Tafel: Sita Moormann betreut die Schaustellerkinder im Schulmobil:

Ihr Name steht auf der Tafel: Sita Moormann betreut die Schaustellerkinder im Schulmobil: Foto: Ulrich Gösmann

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6094031?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker