Windpark Gemmerich
Anwohner in Sorge um ihre Lebensqualität

Ahlen / Dolberg -

Über 60 Anwohner und Interessierte kamen zur Bürgerinformation zum geplanten Windpark Gemmerich. Die Firma „Vento Ludens“ aus Jettingen-Scheppach stand Rede und Antwort.

Mittwoch, 24.10.2018, 18:30 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 24.10.2018, 18:30 Uhr
Christian Overbeck und Christian Schäble (v.r.) informierten kritische Bürger über das Windanlagenprojekt in Gemmerich.
Christian Overbeck und Christian Schäble (v.r.) informierten kritische Bürger über das Windanlagenprojekt in Gemmerich. Foto: Peter Schniederjürgen

Geschäftsführer Christian Overbeck und sein Projektleiter Christian Schäble stellten sich Dienstagabend in der Gaststätte Quante vielen Fragen und Bedenken der interessierten Betroffenen. Nicht wenige darunter – das zeigte sich im Laufe des Abends – stehen dem Projekt skeptisch gegenüber. Die Diskussion verlief jedoch im Wesentlichen recht sachlich, aber nicht weniger emotional.

Technische Sachlichkeit auf der Betreiberseite, Ängste und Sorgen um ungelöste Zukunftsfragen auf der Anwohnerseite – weit reichte deren Palette an Bedenken. Von der Standsicherheit der rund 200 Meter hohen Windmaschinen bis zum Vogelschutz gingen die Ausführungen die Anwohnersorgen. Gesundheitsgefahren durch Lärm und Stroboskopeffekte waren ebenso dabei wie die Befürchtung um den Verlust der Lebensqualität in den stadtrandnahen Häusern der Gegend.

So nahm Bernd Schöler von der „Interessengemeinschaft gegen die Windräder“ die Politik in die Pflicht. Schließlich sei es deren Aufgabe, die Interessen und gerade auch die Gesundheit der Bürger zu schützen. Er zitierte Landeswirtschaftsminister Andreas Pinkwart beim Besuch im April: Diese Anordnung sei „grob fahrlässig“.

Die Pläne des Unternehmens „Vento Ludens“ stießen auf großes Anwohnerinteresse. Gezeigt wurden dabei auch Geräuschkartierungen zur besseren Einordnung der zu erwartenden Belastungen.

Die Pläne des Unternehmens „Vento Ludens“ stießen auf großes Anwohnerinteresse. Gezeigt wurden dabei auch Geräuschkartierungen zur besseren Einordnung der zu erwartenden Belastungen. Foto: Peter Schniederjürgen

Ein weiteres Thema: Bergschäden. Einige Kritiker befürchteten mangelnde Standsicherheit der hohen Maschinen in dem vom langjährigen Ahlener Bergbau vorgeschädigten – oder besser untergrabenen – Gebiet. Hier verwies der Projektleiter auf die massive Konstruktion der Fundamente. „Über die Hälfte des Gewichts der gesamten Anlage steckt in der Gründung“, erklärte Christian Schäble.

Weiterer Kritikpunkt war der Schattenwurf. Die Projektbetreiber versicherten die Abschaltung der Anlage bei entsprechendem Sonnenstand. Hier meldeten Anwohner Zweifel an, da auch benachbarte Anlagen nicht abgeschaltet würden, obwohl dies so vorgesehen sei. Schäble verwies auf die Technik, die den Stopp automatisch umsetze und die Anlage auch wieder anfahre. Sogar die Auswirkung auf Photovoltaikanlagen klärte der Betreibervertreter.

Ein weiterer wichtiger Punkt war der Artenschutz. So sind im Gebiet mehrfach hochgeschützte Greifvögel wie Rotmilan und Rohrweihe beobachtet worden. Die Tiere seien durch die Windanlagen massiv bedroht, argumentierten die Gegner. Hier widersprachen die Betreiber energisch. Nach deren Erfahrungen siedeln sich Greifvögel gar in der Nähe der Anlagen an. Allerdings räumten sie für die Rohrweihe die Notwendigkeit von Ausgleichsbiotopen ein.

Schließlich argumentierten die Kritiker, dass der Windpark mindestens drei Anlagen haben müsse. Mit zwei Anlage sei es kein Windpark und damit unzulässig. Nach Auskunft der Stadt sei davon nie die Rede gewesen. Die Stadt habe lediglich Ausschlussflächen im Flächennutzungsplan ausgewiesen. Diese sollen rechtssicher nicht mit Windanlagen bestückt werden dürfen. Die sehr angeregte Diskussion zog sich bis in den späten Abend hin.

Über die Hälfte des Gewichts der gesamten Anlage steckt in der Gründung.

Christian Schäble

 

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