Kriminacht im Stil der Zwanziger
Die Damen kamen durchweg züchtig

Ahlen -

Eine rauschende Kriminacht im Stil der Zwanziger Jahre beim Festival „Mord am Hellweg“ erlebten 160 Besucher im Lokschuppen.

Sonntag, 04.11.2018, 16:46 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 04.11.2018, 16:27 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 04.11.2018, 16:46 Uhr
Großes Kino bei der Kriminacht im Lokschuppen, wo sich Daniela Larcher alias Alex Beer, Kerstin Ehmer und Christof Weigold (Bild l. unten) mit ihren Romanen ein Stelldichein gaben.
Großes Kino bei der Kriminacht im Lokschuppen, wo sich Daniela Larcher alias Alex Beer, Kerstin Ehmer und Christof Weigold (Bild l. unten) mit ihren Romanen ein Stelldichein gaben. Foto: Dierk Hartleb

Der Lokschuppen im 1920er-Jahre-Rausch. Nein, die Damen waren züchtig gekleidet, blanke Haut wurde nicht gezeigt, und auch die Männer hatten Nadelstreifen, Fliege, Knickerbocker und ihre Hüte zur Großen Kriminacht der Zwanziger Jahre im Rahmen des Krimifestivals „ Mord am Hellweg “ im häuslichen Kleiderschrank gelassen.

Dennoch gelang es den Akteuren auf der Bühne, die 160 Besucher in die legendären Golden Twenties hineinzuversetzen. Daran waren die weiß befrackten Herren des Bohème Orchesters nicht unbeteiligt, die das Publikum mit Schlagern und Melodien aus der Zeit von Stummfilm, Charleston und Frauen, die 1919 zum ersten Mal wählen durften, bestens unterhielten. Allen voran Operettentenor und Conférencier Gunther Gerke.

Kriminacht im Lokschuppen

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  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb
  • „Mord am Hellweg“: Tatort der Kriminacht diesmal der Lokschuppen auf „Westfalen“. Foto: Dierk Hartleb

Dass nicht alles „gülden“ war, erfuhren die Besucher von der Österreicherin Alex Beer , die unter ihrem bürgerlichen Namen Daniela Larcher bereits auf eine vierbändige Krimireihe mit Chefinspektor Otto Morell als Protagonist zurückblicken kann, und unter ihrem Pseudonym ihren Kriminalinspektor August Emmerich in ihrem 2018 erschienenen Krimi „Die rote Frau“ in dem abstrus anmutenden Fall der Schauspielerin Rita Haidrich ermitteln lässt. Die behauptet nämlich, eine Frau habe den Film, der gerade gedreht wird, mit einem Fluch belegt. Beer alias Larcher stellte den Zuhörern ein düsteres, heruntergekommenes Wien vor, in dem die Menschen um ihr tägliches Überleben kämpfen.

Ganz anders das Berlin, das Kerstin Ehmer in ihrem Erstlingswerk „Der weiße Affe“ zuerst präsentiert hatte. Die gebürtige Hammerin, die 1985 ihren Lebensmittelpunkt an die Spree verlegte, wo sie seit 16 Jahren mit ihrem Gatten die „Victoriabar“ an der Potsdamer Straße betreibt, führte Glanz und Elend der damaligen Reichshauptstadt der Zwanziger Jahre, wie ihre Hauptfigur Ariel Spiro, der als junger Kommissar aus Wittenberge in das Haifischbecken Berlin kommt, in ausgewählten Lesepassagen vor Augen. Dazu intonierte das Orchester passend Paul Linkes „Berliner Luft“, das zu einer Hymne wurde.

Von Wien und dem „Weißen Flieder“, der so gar nicht zu dem düsteren Wien-Bild Beers passte, ging es über den großen Teich nach Hollywood, wo Christof Weigold seinen Helden, den deutschen Privatdetektiv Hardy Engel, gleich in die Abgründe des damals entstehenden Filmbetriebs eintauchen lässt, um im Auftrag der hinreißenden Pepper Murphy deren Freundin Virgina Rappe zu suchen, die in die Fänge des seinerzeit beliebtesten Komikers Fatty Arbuckle geraten ist. Der wird beschuldigt, sie vergewaltigt und misshandelt zu haben. Dem bislang als Drehbuchautor und Schauspieler erfolgreichen Autor bescheinigt nicht nur die Fachwelt ein bemerkenswertes Debüt.

Dritter Joker eines kurzweiligen wie informativen Abends war WDR-Moderator Stefan Keim, der die Autoren dem Publikum sehr nahe brachte. Bravo!

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