Büz digitale Kneipe auf Zeit
Bestellung nur über den Warenkorb

Ahlen -

Das Bürgerzentrum Schuhfabrik wird zur „digitalen Kneipe“. Dort wird nicht nur das Essen per Smartphone bestellt, sondern auch die Musikauswahl mitbestimmt oder das digitale Kerzenlicht eingeschaltet.

Montag, 05.11.2018, 22:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 05.11.2018, 22:00 Uhr
Ohne Smartphone geht nichts im Bürgerzentrum, das zur „digitalen Kneipe“ geworden ist. Damit werden Speisen bestellt und das Kerzenlicht eingeschaltet. Christiane Busmann (v.l.), Stehan Us, Nazanin Asgari, Markus Brune und Jens Höckelmann zeigen, wie es geht.
Ohne Smartphone geht nichts im Bürgerzentrum, das zur „digitalen Kneipe“ geworden ist. Damit werden Speisen bestellt und das Kerzenlicht eingeschaltet. Christiane Busmann (v.l.), Stehan Us, Nazanin Asgari, Markus Brune und Jens Höckelmann zeigen, wie es geht. Foto: Marion Fenner

„Guten Tag, was kann ich Ihnen bringen?“ Diesen Satz hören Kunden in der Gastronomie des Bürgerzentrums Schuhfabrik in diesen Tagen nicht. Der Gast muss dort das Zepter – und damit die Bestellung – selbst in die Hand nehmen. Die Schuhfabrik ist bis Donnerstag, 8. November, ausschließlich eine „digitale Kneipe“.

Viertägiges Experiment

Das beginnt bereits beim Betreten des Bürgerzentrums, denn beim Überschreiten eines Punktes hinter dem Eingang hat der Gast den 17-seitigen auf einem Bildschirm lesbaren, Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugestimmt. An der Theke sitzt kein freundlicher Mitarbeiter, der die Bestellung aufnimmt. Die muss digital an einem Tablet oder über das eigene Handy erfolgen. „Wir machen keine Ausnahme, wir ziehen dieses viertägige Projekt konsequent durch“, versichert Christiane Busmann, Geschäftsführerin der Schuhfabrik. Es handelt sich bei der sogenannten „digitalen Kneipe“ um ein Experiment, das vom Land NRW und der Konzeptförderung der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren Nordrhein-Westfalen unterstützt wird.

  Foto: Marion Fenner

„Seit August haben wir in einer achtköpfigen Gruppe gemeinsam mit dem Künstler Stephan US diskutiert und fantasiert, wie das aussehen kann“, berichtet Christiane Busmann. „Einige Ideen waren konzeptionell nicht umsetzbar, andere aus finanziellen Gründen“, erklärt Stephan US.

Wir machen keine Ausnahme, wir ziehen dieses viertägige Projekt konsequent durch.

Christian Busmann

Was nun herausgekommen ist, davon können sich die Gäste seit dem gestrigen Montag selbst ein Bild machen. Bestellen geht nur online. Wer kein Smartphone hat, tippt seine Bestellung auf einem Tablet an der Theke ein. Wer seine Lesebrille vergessen hat, dem steht dann doch ein Mitarbeiter zur Unterstützung zur Seite.

Auf dem Tischen liegt ein Zettel, auf dem das Prozedere erklärt wird. Sechs QR-Codes können mit einer Handy-App eingescannt werden, die für eine direkte Verbindung in das Internet sorgen. Ein Link geht zu Speisekarte, Wunschgericht und Getränk wandern in den digitalen Einkaufskorb. Das Essen wird kurze Zeit später allerdings ganz analog und in bewährter Weise von einem Mitarbeiter serviert.

  Foto: Bürgerzentrum

Klappt es nicht wunschgemäß, dann gibt es den QR-Code, der zum Beschwerdemanagement führt. Wer mehr über die Schuhfabrik erfahren will, kann auf der Internetseite das Programm anschauen. Einfluss nehmen darf der Gast auch auf die Musikberieselung, wenn er sich in die Spotify-Playlist einwählt. Soll es romantisch werden, führt ein Link zum digitalen Kerzenlicht. Auf dem Mobiltelefon erscheint ein Video einer Kerze mit flackerndem Licht. Wenn sich zu guter Letzt ein dringendes Bedürfnis ankündigt, ist es möglich, per Smartphone die Wartezeit auf der Toilette zu überprüfen.

Überwachungskameras

Hängen sonst Plakate an den Wänden in der Schuhfabrik, sind es jetzt Bildschirme auf denen kleine Filmchen, Informationen oder Filmaufnahmen aus Überwachungskameras auf dem Parkplatz zu sehen sind. Apropos Kameras, die hängen gleich mehrfach an der Decke. Echt oder nicht echt, das bleibt die Frage. „Wie weit geht es mit der Digitalisierung? Auch das Thema ist Teil dieses Experiments. „Möglich ist vieles“, sagt Stephan Us. „Derzeit sind die meisten Menschen nur Nutzer der digitalen Angebote. Sie sollten sich aber die Frage stellen, inwieweit sie diese auch mitgestalten können und wollen“, betont der Künstler. „Wir bewegen uns in einem Raum zwischen der digitalen und der analogen Welt. Das wollen wir mit der ,Digitalen Kneipe‘ deutlich machen.“

Theoretisch wäre es möglich, dass das Essen per Roboter serviert und die Rechnung automatisch abgebucht wird. In der Schuhfabrik kann jetzt mit der Kreditkarte oder dem Smartphone bezahlt werden. Bargeld wird aber ebenfalls genommen.

  Foto: Marion Fenner

Ob in der Küche tatsächlich noch Menschen arbeiten . . . ? „In der Schuhfabrik schon“, versichert Christiane Busmann, die dem Experiment ein wenig kritisch gegenübersteht, es aber dennoch sehr spannend findet. „Wir verbringen meiner Ansicht nach viel zu viel Zeit mit dem Handy in der Hand“, sagt sie. Auf der anderen Seite könne die Digitalisierung aber nicht aufgehalten werden, auch nicht von einer Kneipe.

Wir bewegen uns in einem Raum zwischen der digitalen und der analogen Welt.

Stephan US

Was von diesem Experiment bleibt, steht noch nicht fest. „Wir warten die Erfahrungen ab“, sagen die Beteiligten. Die Gäste waren überwiegend begeistert, nur wenige hatten Angst, der neuen Technik nicht gewachsen zu sein.

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