Ausstellung über „Hexenprozesse“
Parallelen zum Rassenwahn der Nazis

Ahlen -

Mit so vielen Interessierten hatten die Veranstalter nicht gerechnet. Zur Eröffnung der Ausstellung „Hexenprozesse“ im Heimatmuseum kamen am Montagabend über 60 Zuhörer. Auch die zahlreichen Fragen nach den einleitenden Vorträgen bewiesen das große Interesse der Bürger an diesem spannenden, aber weitgehenden verdrängten Thema.

Mittwoch, 07.11.2018, 12:04 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 07.11.2018, 10:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 07.11.2018, 12:04 Uhr
Mit über 60 Interessierten war die Ausstellungseröffnung im Heimatmuseum überraschend gut besucht. Pfarrer im Ruhestand Hartmut Hegeler führte in das Thema „Hexenprozesse“ ein, das auf zahlreichen Schautafeln dargestellt wird.
Mit über 60 Interessierten war die Ausstellungseröffnung im Heimatmuseum überraschend gut besucht. Pfarrer im Ruhestand Hartmut Hegeler führte in das Thema „Hexenprozesse“ ein, das auf zahlreichen Schautafeln dargestellt wird. Foto: Peter Schniederjürgen

Der Pfarrer im Ruhestand Hartmut Hegeler hat sich seit Jahren mit dem Thema der Hexenverfolgung beschäftigt. In seinem recht langen, aber durchaus fesselnden Festvortrag wartete der Theologe mit erstaunlichen Fakten auf. „Es war wohl der größte Massenmord vor dem Holocaust“, sagte er. Dabei geschah dieses schreckliche Unrecht nicht etwa nur im so oft als finster bezeichneten Mittelalter. „Es war die frühe Neuzeit, die Renaissance bis ins Barock, und noch etwas darüber hinaus“, stellte Hartmut Hegeler klar. Leider ist dieser Wahn bis heute nicht ausgestorben. So werden in Afrika und vielen Entwicklungs- und Schwellenländern weltweit noch immer Menschen als Hexen und Zauberer ausgegrenzt und verfolgt.

Es war wohl der größte Massenmord vor dem Holocaust.

Pfarrer i.R. Hartmut Hegeler

Hegeler räumte aber auch mit zahlreichen anderen Vorurteilen gegenüber der He­xen­verfolgung auf. So sprach der pensionierte Pfarrer die Kirchen, seine eigene, die evangelische, wie auch die katholische, zwar nicht frei von Schuld. Doch er schränkte ein: „Die Prozesse wurden nicht von der Kirche geführt, sie fanden im Auftrag der jeweiligen Stadt- und Landesherren statt.“ Denn schließlich hätten die Kirchen gar nicht die Macht gehabt, Todesurteile zu fällen. Hegeler erklärte auch die Vorgehensweise dieser Barbarei. So waren vor allem Randgruppen der Gesellschaft betroffen. Arme, Einsame, Fremde, eben Menschen, die wenig Schutz hatten, machten die Mehrzahl der Opfer aus. „Tatsächlich waren es nur sehr wenig Hebammen und sogenannte weise Frauen, wie es oft kolportiert wird“, hat der Referent herausgefunden.

Auch für Ahlen sind zwischen 1574 und 1652 rund 20 solcher Prozesse überliefert. Einige davon dokumentiert die Ausstellung auf mehreren Schrifttafeln. Die Opfer wurden auf Beschluss des Rates im Dezember 2017 rehabilitiert.

„Es tun sich schreckliche Parallelen zwischen diesen Prozessen und der Rassenhygiene der Nazis auf“, stellte Bürgermeister Dr. Alexander Berger in seinem Grußwort fest. Er sieht in den Hasstiraden in den sozialen Netzwerken die „digitalen Scheiterhaufen“, die jene auf den Marktplätzen abgelöst haben, und es sei erschreckend, „wie schnell sie in Brand zu setzen sind“. Für Berger ist diese Ausstellung und auch die Errichtung eines Mahnmals für die Opfer des Hexenwahns wichtig, um an ihr Leiden zu erinnern und zu Toleranz und Respekt im Hier und Jetzt auffordern.

Die Ausstellung ist bis zum 25. November sonntags von 15 bis 17 Uhr und mittwochs von 15 bis 18 Uhr im Heimatmuseum zu sehen.

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