Vortrag zu Hexenprozessen
„Mit den Augen der damaligen Zeit sehen“

Ahlen -

Im voll besetzten Kaminzimmer des Barthelhofs informierte am Donnerstagabend Dr. Peter Arnold Heuser über die Forschung zu den Hexenprozessen im Fürstbistum Münster. Begrüßt wurde der Historiker vom Leiter der Familienbildungsstätte, Lars Koenig. Gleich anschließend kam er direkt zum Thema. Denn der Forscher schenkte seinem recht zahlreichen Publikum nichts.

Samstag, 10.11.2018, 22:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 10.11.2018, 22:00 Uhr
Dr. Peter Arnold Heuser referierte über die Forschung zu den Hexenprozessen im Fürstbistum Münster.
Dr. Peter Arnold Heuser referierte über die Forschung zu den Hexenprozessen im Fürstbistum Münster. Foto: Peter Schniederjürgen

Im ersten Schritt erläuterte der Historiker die Komplexität der Hexenforschung. Diese umfasst nach seiner Ausführung zahlreiche Wissenschaftsdisziplinen von der Psychologie über Klimakunde, und bei der Philosophie ist noch nicht Schluss. Dabei zog er den Volksglauben genauso hinzu wie die mittelalterliche Ketzerverfolgung gegen die Sekten der Katharer und Waldenser. „Wir müssen versuchen, das Problem mit den Augen der damaligen Zeit zu sehen“, forderte Dr. Heuser seine Zuhörer auf. Er benutzte handliche Beispiele wie die „Kaltwasserprobe“. Ein bereits zum Beginn der frühen Neuzeit und damit dem historischen Beginn der Hexenverfolgung nicht unumstrittene Vorgehensweise. So wurde die vermeintliche Hexen ins Wasser gestoßen. Ging sie unter, war sie unschuldig, blieb sie oben, war sie schuldig. „Wir gehen heute an so etwas experimentell heran, damals mehr hierarchisch“, folgerte Heuser. Das erklärte er mit dem Glauben. Wasser sei von Gott und stoße das Teuflische, also die Hexe, ab. Ist die Verdächtige dagegen unschuldig, nimmt das göttliche Wasser sie auf. Das gelegentliche Ertrinken war vermutlich aus damaliger Sicht ein verschmerzbarer Kollateralschaden.

Doch ging Dr. Heuser wesentlich weiter in die Tiefe. Er erläuterte die recht komplizierten Herrschaftsstrukturen in den Fürstbistümern. Hier war die Macht zwischen den Geistlichen Herren, den Bischöfen, und dem von Adeligen besetzten Kapiteln geteilt und in einem ansehnlichen Kompetenzgewirr versteckt.

Die Folge daraus waren nach Heuser die regional unterschiedlichen Umgangsweisen mit dem „Hexenproblem“. Auch betrachtete der Forscher den regionalen Wandel der Geschlechter der Verdächtigen. Waren es zunächst Frauen, kamen je nach Landstrich später vermehrt Männer in den meist schlimm endenden Verdacht. Dazu erklärte der Historiker noch den Grundunterschied zwischen Nord- und Südeuropa. Denn in Italien und Spanien blieben die Prozesse in der Regel in Kirchenhand, der Inquisition. Nördlich der Alpen dagegen lag diese Gerichtsbarkeit meist in weltlicher Hand.

Den Abschluss des wissenschaftlichen Vortrages bildete eine Frage- und Diskussionsrunde. Dabei stand Dr. Heuser den zum Teil sehr speziellen Fragen Rede und Antwort.

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