Versuchter Mord?
Prozess wird neu aufgerollt

Ahlen / Münster -

Neu aufgerollt wird jetzt am Landgericht der Prozess gegen einen 51-Jährigen aus Hamm. Er war im Februar wegen eines in Ahlen begangenen versuchten Mordes verurteilt worden, der Bundesgerichtshof hob das Urteil jedoch auf.

Montag, 26.11.2018, 21:00 Uhr aktualisiert: 26.11.2018, 21:23 Uhr
Der Angeklagte (r.) vor Verhandlungsbeginn mit seinem Verteidiger im Saal des Landgerichts Münster.
Der Angeklagte (r.) vor Verhandlungsbeginn mit seinem Verteidiger im Saal des Landgerichts Münster. Foto: klm

Im Februar dieses Jahres ist ein Mann wegen versuchten Mordes in Ahlen zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er soll versucht haben, den neuen Partner seiner Ex-Freundin an der Kreuzung Kruppstraße / Porschestraße mit ei­nem Mietwagen anzufahren, damit dieser stirbt. Diesen Schluss hatte die Schwurgerichtskammer des Landgerichts in Münster nach sieben Verhandlungstagen gezogen (die „AZ“ berichtete).

Dennoch bleibt es juristisch bisher bei Anklage und Vermutung, denn auf eine Revision des heute 51-Jährigen hin hat der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil Ende Juli aufgehoben und zur Neuverhandlung an das Landgericht zurückverwiesen. Das Urteil ist also nicht rechtskräftig geworden und der Fall muss komplett neu aufgerollt werden.

Seit Montag befindet eine andere Strafkammer über den 51-Jährigen, der in Düsseldorf geboren ist, später in Greven und zuletzt in Hamm wohnte. Wieder werden Zeugen geladen. Eine psychiatrische Gutachterin ist in die Verhandlung einbezogen, weil der Mann seit Jahren psychisch erkrankt ist. Weitere sieben Verhandlungstage sind vorgesehen.

Im Juli 2017 soll der Mann nach Auffassung der Staatsanwaltschaft an der Kreuzung mit dem gemieteten Citroën gewartet haben, bis der 37-Jährige mit seinem Rad an ihm vorbeifuhr. Dabei verzichtete er erst auf seine Vorfahrt und fuhr dem vermeintlichen Konkurrenten hinterher. Kurz nachdem der Radfahrer in die Porschestraße abgebogen war, rammte er ihn mit einer „Mindestgeschwindigkeit von 35 Stundenkilometern“, wie das Schwurgericht damals über einen Sachverständigen feststellen ließ. Der 37-Jährige wurde über die Motorhaube des Autos geschleudert und prallte auf den Asphalt. Er überlebte mit einer blutenden Wunde am rechten Ellbogen.

Die Staatsanwaltschaft ist der Überzeugung, dass der 51-Jährige zumindest versuchte, den Jüngeren umzubringen. Er habe in Kauf genommen, dass der Radfahrer ums Leben kommt. Beide Männer waren einmal Mitarbeiter einer Einrichtung für Menschen mit psychischen Einschränkungen und kannten sich von dort.

Angeklagt sind mit dem versuchten Mord erneut auch ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Fahrerflucht. Denn vom Unfallort soll sich der 51-Jährige in hohem Tempo (mit angesplitterter Windschutzscheibe) entfernt haben, ohne sich um das Opfer zu kümmern.

Der Angeklagte hatte bei der Erstverhandlung nichts zu dem Vorfall ausgesagt. Am Montag verfolgte er die selbe Strategie und ließ über seinen Verteidiger ausrichten, dass er weder zur Person noch zum Vorfall etwas darlegen wolle. Der Anwalt erklärte am Rande der Verhandlung, dass der BGH das erste Urteil deshalb aufhob, weil das Schurgericht nicht ausreichend geprüft habe, ob der 51-Jährige von einem versuchten Mord zurückgetreten sei. So könnte er gesehen haben, dass sein Opfer noch lebt, aber nicht nachgesetzt haben, sondern eben weggefahren sein.

Die Verhandlung wird am 10. Dezember fortgesetzt.

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