Protest gegen Pflegenotstand
Fußmarsch der „Pflegefänger“ von Ahlen nach Münster

Ahlen -

Mitarbeiter des Ahlener St.-Franziskus-Hospitals demonstrierten am Wochenende mit einem Fußmarsch nach Münster gegen den Pflegenotsand. Zwei Tage waren sie auf den Beinen.

Sonntag, 02.12.2018, 20:00 Uhr aktualisiert: 03.12.2018, 11:04 Uhr
Mit Kind und Kegel einschließlich Familien-und Jagdhund machte sich die Gruppe des St.-Franziskus-Hospitals am Samstagmorgen auf den Weg nach Münster, um auf den Pflegenotstand aufmerksam zu machen. Auch Bürgermeister Dr. Alexander Berger unterstützte die Aktion auf den ersten Metern.
Mit Kind und Kegel einschließlich Familien-und Jagdhund machte sich die Gruppe des St.-Franziskus-Hospitals am Samstagmorgen auf den Weg nach Münster, um auf den Pflegenotstand aufmerksam zu machen. Auch Bürgermeister Dr. Alexander Berger unterstützte die Aktion auf den ersten Metern. Foto: Ulrich Gösmann

Seinen weißen Ärztekittel hatte Dr. Frank Klammer am Samstagmorgen mit wetterfestem Anorak, bequemem Schuhwerk und Rucksack zum Wandern getauscht. Auch Winfried Mertens, Verwaltungsdirektor des St.-Franziskus-Hospitals, hatte auf den obligatorischen Anzug mit Krawatte zugunsten einer Jeans und einer praktischen Steppjacke verzichtet, um sich mit einer Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Familienangehörigen samt Hund auf den Weg nach Münster mit Zwischenstation in Albersloh zu machen.

Der Grund für den Kleidungswechsel hatte sogar den Fernsehmann vom WDR zu ungewohnt früher Samstagsvormittagszeit nach Ahlen gelockt: ein Pflegemarsch, um auf die besorgniserregende Situation in der Pflege aufmerksam zu machen. „Es ist fünf vor zwölf“, erklärte Klammer, Chefarzt für Allgemein- und Visceralchirurgie „und wir wollen mit unserem Marsch ein Zeichen setzen“. Im Franziskus-Hospital sei die Pflegesituation zwar auch sehr angespannt, aber noch nicht im roten Bereich, meinte Klammer weiter. In anderen Krankenhäusern habe man bereits ganze Stationen schließen müssen. Solidarisch zeigte sich an diesem Morgen auch Bürgermeister Dr. Alexander Berger, der den Teilnehmern des Marsches die nötige Ausdauer wünschte.

Protestmarsch gegen den Pflegenotstand

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  • Auf dem Weg nach Münster: Krankenhauspersonal aus Ahlen. Foto: Peter Schniederjürgen
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  • Auf dem Weg nach Münster: Krankenhauspersonal aus Ahlen. Foto: Peter Schniederjürgen
  • Auf dem Weg nach Münster: Krankenhauspersonal aus Ahlen. Foto: Peter Schniederjürgen
  • Auf dem Weg nach Münster: Krankenhauspersonal aus Ahlen. Foto: Peter Schniederjürgen

Keiner kennt die Situation besser als Pflegedirektor Werner Messing . Mut machen ihm die zahlreichen jungen Männer und Frauen, die im Krankenhaus ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ihrem Bundesfreiwilligendienst ableisten. Sie sind im täglichen Betrieb eine wertvolle Stütze und entlasten die hauptamtlichen Pflegekräfte. Messing nimmt die Politik und die Gesellschaft in die Pflicht. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Im Übrigen sei der Pflegenotstand nicht über Nacht gekommen, sondern habe sich aufgrund des demografischen Wandels seit Langem abgezeichnet.

Die Resonanz war gleich positiv.

Karin Hündling

Geboren wurde die Idee für den Pflegemarsch bei einer Tasse Kaffee, die Karin Hündling und Klammer in einer Pause zusammen schlürften. „Die Resonanz war gleich positiv“, berichtete die Pflegedienstleiterin auf der Station für Allgemein- und Thoraxchirurgie. Um unterwegs auch Menschen aus den Nachbarstädten Drensteinfurt und Sendenhorst zu erreichen, wurde eine Route ausgewählt, die entlang der Werse nach Drensteinfurt und dann weiter nach Rinkerode bis nach Albersloh führte, wo im Hotel-Restaurant Gerschmann der erste Tag mit einem zünftigen Essen endete. „Die erste Tour waren 34 Kilometer“, stellt Klammer im Nachhinein fest. Und damit deutlich mehr, als die ursprünglich errechnete Gesamtkilometerzahl von gut 40. Aber um den Weg vorher abzulaufen, dafür fehlte einfach die Zeit.

Am Sonntagmorgen machte sich die Truppe um 9 Uhr auf den weiteren Weg. Allerdings in etwas anderer Besetzung, denn einige aus der Gruppe mussten arbeiten. Selbst der Nieselregen, der inzwischen eingesetzt hatte, konnte den Teilnehmern die Laune nicht verderben. Nach Rast in Münster-Angelmodde ging es auf die letzte Etappe, die in Münster-Handorf mit einem Grillen endete.

Ins Netz gegangen war den „Pflegefängern“ von Ahlen unterwegs zwar niemand, aber in den sozialen Netzwerken zeigten etliche User Interesse, wie Klamme erfreut feststellte.

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