„Erzählsalon“ mit Altbürgermeistern
Jeder hatte seine eigenen Hürden

Ahlen -

Ganz weit öffneten am Montagabend die Alt-Bürgermeister Herbert Faust, Horst Jaunich, Günter Harms und Benedikt Ruhmöller die Nähkästchen ihrer Erinnerungen. Sie plauderten im „Erzählsalon“ mit Moderation Lisa Voss-Loermann und einem runden Dutzend Zuhörer im Saal des Alten Rathauses.

Dienstag, 04.12.2018, 15:00 Uhr aktualisiert: 04.12.2018, 16:24 Uhr
Erinnerten an die Amtszeiten der Altbürgermeister: Benedikt Ruhmöller, Herbert Faust, Moderatorin Lisa Voss-Loermann, Horst Jaunich, Günter Harms und Uwe Schnafel (v.l.) im Alten Rathaus.
Erinnerten an die Amtszeiten der Altbürgermeister: Benedikt Ruhmöller, Herbert Faust, Moderatorin Lisa Voss-Loermann, Horst Jaunich, Günter Harms und Uwe Schnafel (v.l.) im Alten Rathaus. Foto: Peter Schniederjürgen

Es ging vornehmlich um die herausragenden Erlebnisse ihrer Amtszeiten, die jeder mit ganz eigenen Hürden verband. Interessantes und Wissenswertes kam dabei zu Ohren. Den Anfang machte der älteste Vertreter aus dem Bürgermeisterquartett, Herbert Faust.

Natürlich drehte sich ein großer Teil seiner Erzählungen um das neue Rathaus. Am Ort, an dem der Neubau beschlossen wurde, berichtete der Ehrenbürger der Stadt von den holprigen Anfängen des „Parade-Baus“. „Das war seinerzeit nur der zweite Preis, hatte aber den entscheidenden Vorteil, sparsam mit der Grundfläche umzugehen“, erinnerte sich Bundesverdienstkreuzträger Faust. Denn Christoph Parade baute, wie bekannt, quer über die Werse. „Damit wurden vor allem Flächen genutzt, die sich ohnehin im Stadteigentum befanden.“ Der Christdemokrat erinnerte daran, wie dieses Quartier in den 1960ern aussah. Wohnbauten mischten sich dort mit Gewerbeanlagen. Sogar Viehhändler und Landwirte gab es hier noch. „Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meinem Vorgänger Heinz Lenfert“, schmunzelte der Altbürgermeister. „Wenn du wiedergewählt werden willst, lege keine Kanäle und baue kein Rathaus“, zitierte er. Und tatsächlich war dies die letzte Amtsperiode des CDU-Bürgermeisters.

„Nach meiner Wahl musste ich damals den SPD-Oberen Herbert Wehner und Willi Brandt Rede und Antwort stehen, vermutete man doch unerwünschte Absprachen mit der DKP“, erzählte Faust-Nachfolger und SPD-Bürgermeister Horst Jaunich. Wie sein Vorgänger war auch er einer der ehrenamtlichen Bürgermeister mit einem Stadtdirektor an der Seite. Sein Amtsantritt war kostenpflichtig. Denn der damals noch im Bonner Bundestag engagierte Mann traf sich mit seinem Direktor Dr. Gerd Willamowski zu später Stunde sonntags im Rathaus. Als er in den frühen Morgenstunden zurück zu seinem Auto kam, hatte er ein Knöllchen an der Scheibe. „Ich stand auf dem Behindertenparkplatz“, grinste der ebenfalls mit dem Bundesverdienstkreuz dekorierte Ex-Politiker.

Das Ende des Bergbaus und damit das Ende der Zeche Westfalen kennzeichnete die Amtszeit von Günter Harms, der wie Horst Jaunich der SPD zugehört. Er war der erste hauptamtliche Bürgermeister. „Wir mussten immer wieder Rücksicht auf das allgegenwärtige Bergrecht nehmen, was uns das Leben nicht gerade erleichterte“, fasste Harms einige Erinnerungen zusammen. In seine Ägide fiel ebenfalls die Gründung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG). „Schließlich hatten wir 2000 bis 3000 Arbeitsplätze, die sich noch in rund tausend Metern Tiefe unter uns befanden, nach oben zu verlagern“, umriss der Genosse. Eine Aufgabe, die auch seinen CDU-Nachfolger Benedikt Ruhmöller über seine Amtszeit beschäftigte.

In Ruhmöllers Zeit fielen die faktische Stilllegung und die Frage, was mit dem Gelände zu geschehen habe. „Wir haben einen guten Weg beschritten. Die Zeche ist weiter da, wenn auch gänzlich anders genutzt, und nun suchen die Freiflächen noch eine Nutzung“, fasste der langjährige Stadtchef zusammen. Einig waren sich die Altbürgermeister darin, dass die Osttangente unbedingt komme muss, um die neuen Industrie- und Gewerbeflächen sinnvoll erschließen zu können.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6234742?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Zwei Tote nach Angriff in Straßburg
Sicherheitskräfte haben den Straßburger Weihnachtsmarkt nach dem Angriff abgeriegelt.
Nachrichten-Ticker