60-prozentiger Zuschuss möglich
Wird die Osttangente doch gebaut?

Ahlen -

Die Osttangente ist wieder im Gespräch – dank einer unerwarteten Fördermöglichkeit. Während die Grünen das Projekt ablehnen und die Linkspartei kritische Töne anschlägt, ist aus den übrigen Fraktionen eine positive Grundhaltung vernehmbar.

Dienstag, 04.12.2018, 17:45 Uhr aktualisiert: 04.12.2018, 17:50 Uhr
Plan aus der Schublade: Die vorgesehene Trassenführung im Südenstadtteil um Guissen. Über die Guissener Straße soll die Osttangente ans Zechengelände angebunden werden. Von dort aus würde sie nach alter Planung über die Alte Beckumer Straße bis zur Beckumer Straße bzw. zum Olfetal geführt, jeweils verbunden mit einem Kreisverkehr.
Plan aus der Schublade: Die vorgesehene Trassenführung im Südenstadtteil um Guissen. Über die Guissener Straße soll die Osttangente ans Zechengelände angebunden werden. Von dort aus würde sie nach alter Planung über die Alte Beckumer Straße bis zur Beckumer Straße bzw. zum Olfetal geführt, jeweils verbunden mit einem Kreisverkehr. Foto: Stadt Ahlen

Zwischen „sinnlos“ und „notwendig“ reichte das Spektrum bei der Bewertung der lange geplanten Osttangente im Stadtplanungs- und Bauausschuss. Das Projekt, das Verwaltung und Politik bereits seit vier Jahren abgeschrieben hatten, kommt durch die Möglichkeit einer 60-prozentigen Förderung unerwartet wieder aufs Tapet.

„Unser Ziel ist, die Innenstadt vom Schwerlastverkehr zu entlasten“, erläuterte Bernd Döding, Leiter der Ahlener Umweltbetriebe, am Montagabend in einem Sachstandsbericht. Nach Auskunft der Bezirksregierung sollen wieder Finanzmittel für den kommunalen Straßenbau zur Verfügung gestellt werden. Darauf aufbauend sei ein Förderantrag gestellt worden, der die damals vorgesehene Trassenführung der Osttangente übernimmt. Im Jahr 2020 könne dafür bereits Baubeginn sein. Einschließlich notwendiger Ingenieur- und Gutachterkosten müssten 9 150 000 Euro in den Wirtschaftsplan für die Jahre 2019 bis ‘22 eingebracht werden.

Petra Pähler-Paul (Grüne) machte keinen Hehl daraus, dass sie die Osttangente weiterhin ablehnt. „Dieses Straßenbauprojekt ist unsinnig“, sagte sie. Es gebe nach wie vor einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2014, wonach das Projekt nicht weiterverfolgt werden sollte. Dieser müsste erst einmal aufgehoben werden.

„Ich verstehe nicht, warum Sie das Ganze jetzt zerreden wollen“, konterte Erhard Richard (CDU). Die Osttangente beinhalte eine verkehrstechnische Entwicklung, von der ganz Ahlen profitieren werde. Martin Hegselmann schlug gegenüber Pähler-Paul einen noch schärferen Ton an: „Wir befinden uns in einem günstigen Zeitfenster. Dass die Grünen alles verbieten wollen, ist ja bekannt. Aber wir haben Gründe, warum wir das bauen wollen.“ Man könne nicht auf der einen Seite fordern, den Verkehr aus der Stadt herauszudrängen, wenn man auf der anderen Seite keine Alternativen schafft.

Die Guissener Straße. Von hier aus soll die Osttangente auch das Zechengelände anbinden.

Die Guissener Straße. Von hier aus soll die Osttangente auch das Zechengelände anbinden. Foto: Christian Wolff

Heinrich Artmann (FWG) hob die „längst überfällige Anbindung des Zechengeländes“ als Hauptaspekt hervor. „Das ist die einzige Möglichkeit, eine wirksame Entlastung der Innenstadt zu erreichen“, sagte er. Auch Karl-Heinz Meiwes (SPD) zeigte sich aufgeschlossen, dem Bau der Osttangente aufgrund der neuen Finanzsituation wieder Nachdruck zu verleihen. „Das Geld ist da, damit hätten wir vor einigen Jahren nicht mehr gerechnet.“ Auch wenn eine Restfinanzierung zu leisten ist, sei diese angesichts der positiven Folgen „als Nullsummenspiel“ hinnehmbar. Das einzige Problem, das er bei der bisherigen Trassenplanung habe, sei die Anbindung an Guissen. Jene trichterförmigen Planstraßen halte er für überdimensioniert. „Ich weiß nicht, ob das Wohngebiet so zugepflastert werden muss.“ Reiner Jenkel (Linke) zeigte sich indes noch unentschlossen. „Ich halte das Projekt nicht für komplett unsinnig, aber doch für zu teuer“, erklärte er.

Die von Petra Pähler-Paul kritisierte Verfahrensweise der Verwaltung und die erst kurzfristige Einbindung des Fachausschusses kommentierte Stadtbaurat Andreas Mentz im Verlauf der Diskussion. Er räumte ein, dass die Vorgehensweise „nicht komplett zufriedenstellend“ gelaufen sei. Es sollte keine Beschlussfassung signalisiert werden, die es noch nicht gibt. Die Straßenbaukommission habe das Thema Osttangente diskutiert und die Prüfung der Machbarkeit als Auftrag mitgenommen. „Es wurde aber erst in den letzten Wochen erkennbar, dass es gelingen kann. Selbstverständlich ist der alte Beschluss nicht aus der Welt.“ Bis jetzt sei intern mit dem alten Material gearbeitet worden. Da müssten selbstverständlich noch aktuelle Prognosen eingearbeitet werden. „Die Verkehre haben sich schließlich vermehrt, das ist überall feststellbar.“

Dieses Straßenbauprojekt ist unsinnig.

Petra Pähler-Paul (Grüne)

 

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