Zwei Entwürfe zur Auswahl
„Dufte“ durch die Bahnunterführung

Ahlen -

Knallbunte Geometrie oder entspannte Waldidylle – die Ahlener entscheiden bei der Gestaltung der Bahnunterführung am Bahndamm demnächst mit. zum „warm up“ passierten die Entwürfe den Stadtplanungs- und Bauausschuss.

Dienstag, 04.12.2018, 18:30 Uhr aktualisiert: 04.12.2018, 18:40 Uhr
Die knallbunte Variante zeigt geometrische Formen, die dem Betrachter geradezu entgegenspringen, wie Sarah Held vorwegschickt. Auf Wunsch auch mit Worten aus dem dialektischen Ruhrdeutsch angereichert. Ausgangspunkt dieser Variante ist ein farbarmer Entwurf, der sich in der Sorge um Vandalismusschäden in der Intensität in zwei Stufen steigert.
Die knallbunte Variante zeigt geometrische Formen, die dem Betrachter geradezu entgegenspringen, wie Sarah Held vorwegschickt. Auf Wunsch auch mit Worten aus dem dialektischen Ruhrdeutsch angereichert. Ausgangspunkt dieser Variante ist ein farbarmer Entwurf, der sich in der Sorge um Vandalismusschäden in der Intensität in zwei Stufen steigert. Foto: Ulrich Gösmann

Der Grünen-Ratsfrau Petra Pähler-Paul wurde es am Montagabend in der Sitzung des Stadtplanungs- und Bauausschusses zu bunt: Dafür 200 000 Euro ausgeben? Dem Farbfeuerwerk, das Designerin Sarah Held mit der Präsentation ihrer beiden Entwürfe zur Gestaltung der Bahnunterführung am Gebrüder-Kerkmann-Platz zündete, setzte Pähler-Paul die Anregung entgegen, einfach mal „einfach zu denken“. Die Wände in heller, freundlicher Farbe streichen und jedes Jahr einmal frisch darüber – das sei schlau. Denn: „Die schönste Gestaltung kann nicht vor Vandalismus schützen.“ Zudem verenge, was sie gerade gesehen habe.

Knallbunte geometrische Formen oder beruhigende Waldidylle – was darf‘s denn sein? Bevor Bürgermeinung wie zu Marktpflaster-Zeiten gefragt ist, präsentierte Sarah Held (Heider Held Design, Münster) ihre Entwürfe mit dem Segen des Gestaltungsbeirates dem Fachausschuss. Den geometrischen Formen ließ sie den Vortritt. Die sich in ihrer Entstehung – in drei Stufen – in Farbe und Wirkung steigern. Von clean bis poppig. Eine Weiterentwicklung, in der die Sorge vor Vandalismus eingearbeitet sei. „Sie haben das Gefühl, die Formen kommen Ihnen entgegen“, schickte Held in die Runde – und legte noch Worte drauf: Dialektisches Ruhrdeutsch wie „Dufte“, „Wat gibbet?“ oder „Gued goahn!“. Je nach Perspektive zu entdecken. Alle Farben des Farbkreises seien in dieser Variante aufgenommen. So laut und intensiv, dass auch die Werbung auf den flankierenden Tafeln knallig sein dürfe.

Variante II: Geometrische Formen, knallbunt.

Variante II: Geometrische Formen, knallbunt. Foto: Held Design

Erhard Richard ( CDU) stolperte über die Wortbeimischung: „Es würde ermuntern, freie Flächen zu nutzen.“ Stichwort Vandalismus.

„Warum ein geometrisches Konzept?“ wollte Martina Maury (BMA) wissen. Dazu Sarah Held: Wunsch sei ein helles, cleanes Konzept gewesen.

Variante II: Waldidylle im Tunnel.

Variante II: Waldidylle im Tunnel. Foto: Held Design

Sprung rüber zu Konzept zwei – und rein in den Wald, der das Gefühl des Eintauchens vermittle, so Held. Im Falle der Umsetzung em­pfahl sie: „Man fotografiert ein Stück Ahlener Wald“ – und lasse ihn in der Unterführung wirken. Verstärkt durch Worte wie „Durchatmen“, „Abschalten“ und „Erholen“, die sich teils hinter Bäumen versteckt halten.

Man fotografiert ein Stück Ahlener Wald.

Sarah Held

Karl-Heinz Meiwes (SPD) präferierte für sich, seine Familie und Freunde die Wald-Variant. Sie bringe größere Räumlichkeit in den Durchgang. Doch wie sicher sei er vor Vandalismus? Und: Was werde aus den „rostigen Dingern“, die links und rechts die Werbung tragen? Baudezernent Andreas Mentz verwies auf langfristige Verträge mit der Bahn. Ein komplettes Überarbeiten des Bauwerks sei nicht möglich.

„Dufte“: Wortbotschaften im kunterbunten Geometriemix.

„Dufte“: Wortbotschaften im kunterbunten Geometriemix. Foto: Ulrich Gösmann

Heinrich Artmann (FWG) rief dazu auf, auf die Schriftzüge zu verzichten. „Da, wo ich was drauf schreibe, schreibt einer was daneben.“

Andreas Mentz ging auf die Vandalismussorgen ein: Die Gestaltungsfläche sei Folie. Und die auf Aluplatten. Die Oberfläche sei geschützt und könne gereinigt werden. „Es besteht auch die Möglichkeit, Bereiche zu ersetzen.“

Weiße Tunnel hat jede Stadt.

Eric Fellmann

Auf die Eingabe von Petra Pähler-Paul, sich mit der „ganzen Angelegenheit“ nicht anfreunden zu können und lieber schlicht zu streichen, reagierte Eric Fellmann (FDP): „Ich bin froh, dass uns der Gestaltungsbeirat die Möglichkeit gegeben hat, was Modernes und Attraktives zu gestalten.“ Weiße Tunnel habe jede Stadt. Warum nicht einfach mal „was Dolles zeigen?“

Reiner Jenkel (Linke) gestand seine „Vorliebe für die geometrischen Formen.“ Matthias Harman (CDU) wären Ahlener Motive lieber. Warum nicht die Fördertürme? Ein müdes Raunen im Saal. Reiner Jenkel süffisant: „Dann nehmen wir doch gleich einen Kohleflöz. Der ist schön dunkel.“ Ulrich Westhues stand mit seinem Wunsch nach Ergänzung alleine da: Den Schriftzug „Ahlen“ oder die Skyline der Stadt noch über Wald oder Geometrie setzen.

Licht im Tunnel. So bunt könnte es werden.

Licht im Tunnel. So bunt könnte es werden. Foto: Ulrich Gösmann

Technikerherzen ließ Lichtplaner Uwe Knappscheider (Licht Raum Stadt Planung, Wuppertal) bei der Präsentation des Beleuchtungskonzepts höher schlagen. Sicheres, helles Licht – mit linearen Leuchten für Funktionalbeleuchtung und Deckenaufhellung sowie Strahlern, die auf die Wandmotive gerichtet sind. Mit einer RGB-Steuerung, die es auch mal bunt werden lassen könnte. Doch: „Die sollte aber nur an wenigen Tagen im Jahr zum Einsatz kommen. Im Wesentlichen sollten Weißtöne herausgearbeitet werden – von kühl bis warm.“

Thomas Kozler (SPD) sprach Schwingungen an, unter denen das Bauwerk stehe, wenn die Bahn darüber fahre. „Wie ist es da mit den Leuchten? Knappscheider: „Wir arbeiten mit Klemmverbindungen und Schwingungspuffern.“

Die Entwurfsplanungen passierten den Ausschuss mit der Enthaltung von BMA und Grünen.

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