„AZ“-Multivisionsreihe
Ausbrechen aus dem „Hamsterrad“

Ahlen -

Gelungener Einstand in Ahlen: Mario Goldstein fesselte mit seinen Bildern und Geschichten aus der Wildnis Kanadas und Alaskas das Publikum in der Stadthalle.

Mittwoch, 05.12.2018, 09:00 Uhr
Von seinen Abenteuern in Kanada und Alaska berichtete Mario Goldstein am Montagabend in der Stadthalle. Der Fotograf und Weltenbummler aus Plauen in Sachsen war zum ersten Mal in der „AZ“-Multivisionsreihe zu Gast.
Von seinen Abenteuern in Kanada und Alaska berichtete Mario Goldstein am Montagabend in der Stadthalle. Der Fotograf und Weltenbummler aus Plauen in Sachsen war zum ersten Mal in der „AZ“-Multivisionsreihe zu Gast. Foto: Peter Harke

Die Uhr des Lebens tickt. Und die Zeit scheint uns davonzulaufen. Die Sehnsucht nach Entschleunigung wird größer und größer. Aber ist es möglich, aus diesem Hamsterrad des Alltags auszubrechen und als „Freiträumer“ im Einklang mit der Natur zu leben? „Ja“, ist sich Mario Goldstein absolut sicher. Und bei der „AZ“-Multivision am Montagabend in der Stadthalle zeigte der Referent aus Plauen in Sachsen auch eindrucksvoll, wie das geht: bei einer Reise quer durch die unendlichen Weiten Kanadas und Alaskas.

Auf diese Reise zu sich selbst begab sich Goldstein gemeinsam mit seiner Frau Ramona und brachte nach ungefähr 23 000 Kilometern vor allem Bilder und Geschichten von Menschen mit, die den Ausstieg aus dem „Hamsterrad“ endgültig geschafft haben und im Einklang mit der Natur als Einsiedler in den unendlichen Weiten der kanadischen Wälder leben.

Ihren Ausgang nahm die Abenteuerreise in Neufundland, wo neben den insgesamt 500 000 Einwohnern auch 200 000 Elche und unzählige Robben leben. Schon dort trafen die Goldsteins auf ein echtes Unikat, nämlich einen Aussteiger, der von nur 20 Dollar pro Woche auf der Straße lebt. Eine Bestrafung? Nicht für Ray und seine Hündin Daisy, die bei Wind und Wetter in ihrem Zelt campieren. „Für ihn zählt nur das Hier und Jetzt“, berichtete der Referent von einer Persönlichkeit, die sich von allen äußeren Zwängen befreit hat.

Kein Einzelfall in Kanada. So trafen Goldsteins auch noch auf einen anderen Aussteiger, der als „Hippie“ mitten im Wald lebt. „Das Kreditsystem ist ein soziales Gefängnis“, machte der keinen Hehl daraus, was er von der modernen Konsumgesellschaft hält.

Wer an Kanada denkt, dem kommen natürlich auch unweigerlich Bären in den Sinn. So leben insgesamt etwa 400 000 Schwarzbären noch in Nordamerika. Doch wie verhält man sich eigentlich, wenn man auf einen Bären trifft? Einer, der das wie kaum ein anderer weiß, ist Mike, der sich einfach mal 18 Bären in seinem Garten hält, die er größtenteils vor der Ausbeutung durch Menschen zum Beispiel als Zirkustiere gerettet hat. „Schau ihnen in die Augen und zeige ihnen deine leeren Hände“, hatte Mike einen Geheimtipp für alle Abenteurer im Falle einer direkten Begegnung in petto.

Ein weiteres Tier, das in den Wäldern Nordamerikas häufiger anzutreffen ist, ist der Wolf. Was steckt hinter dem Mythos des bösen Wolfs? Mit dieser Frage im Hinterkopf begab sich Goldstein auf die Spuren der „grauen Jäger“ tief in den Rocky Mountains und gewann dabei erstaunliche Einblicke, die das Publikum beeindruckten.

Noch stärker als in den Wäldern Kanadas ist man der Natur jedoch dann ausgeliefert, wenn man wie die Goldsteins gemeinsam mit ihrem Freund Patrick den tollkühnen Plan fasst, auf einem selbst gebauten Floß von der Stadt Whitehorse aus bis zur Beringsee zu fahren. Die 3000 Kilometer lange Reise auf dem Yukon wird für das Trio zu einem Wettlauf mit dem herannahenden Winter. Probleme, aber auch heitere Momente und wiederum Begegnungen mit echten Originalen säumen den Weg bis zum Ziel.

Aber dieses Ziel ist für Mario Goldstein, dessen Freiheitsdrang und Sehnsucht nach Wildnis in seiner Kindheit und Jugend in der ehemaligen DDR begründet liegen, auch nur eine Zwischenstation, bevor es ihn wieder hinaus zieht in die Welt. Mit seinem fesselnden Vortrag ließ der sympathische Referent, der zum ersten Mal in der „AZ“-Multivisionsreihe zu Gast war, auch seine 300 Zuschauer in der Stadthalle zumindest für einen Abend zu „Freiträumern“ werden.

Zum Thema

Nächster Vortrag: „Nord-Licht – Lappland hautnah“ von Klaus-Peter Kappest; Dienstag, 8. Januar 2019, 19.30 Uhr, Stadthalle Ahlen

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6235330?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Zwei Tote nach Angriff in Straßburg
Sicherheitskräfte haben den Straßburger Weihnachtsmarkt nach dem Angriff abgeriegelt.
Nachrichten-Ticker