Stolpersteinverlegung
Für die Opfer des Rassenwahns

Ahlen -

Im Februar verlegt Gunter Demnig weitere Stolpersteine in Ahlen. Diesmal für Euthanasieopfer.

Freitag, 07.12.2018, 11:42 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 19:22 Uhr
Unter der ehemaligen Adresse Alter Hof 8 wohnte bis 1941 die Johanna Steinchen, die 1944 im besetzten Polen von den Nazis ermordet wurde. Manfred Kehr und Regina Breitenbach recherchierten die Adresse.
Unter der ehemaligen Adresse Alter Hof 8 wohnte bis 1941 die Johanna Steinchen, die 1944 im besetzten Polen von den Nazis ermordet wurde. Manfred Kehr und Regina Breitenbach recherchierten die Adresse. Foto: Stadt Ahlen

An 22 Stellen im Stadtgebiet erinnern künftig sogenannte Stolpersteine an Opfer der Nazi-Euthanasie. Am Freitag, 8. Februar, verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig die Steine im Ahlener Straßenpflaster. „Dass auch Menschen aus Ahlen als lebensunwert ermordet oder sterilisiert worden sind, ist eine vielen Bürgerinnen und Bürgern leider unbekannte historisch belegte Tatsache“, weiß Bürgermeister Dr. Alexander Berger.

Niemand habe sich zwischen 1933 und 1945 seines Lebens und seiner körperlichen Unversehrtheit sicher sein können. Wer durch geistige oder körperliche Behinderung sowie Krankheit von der nationalsozialistisch angeordneten Norm abgewichen sei, habe umkommen können in einer der NS-Tötungseinrichtungen, die sich als Heilstätten tarnten. „Daran wollen wir erinnern und mahnen, dass es ein universelles, unteilbares Recht auf Leben gibt“, so Berger.

Den Stein ins Rollen brachte eine Bürgerin aus Süddeutschland. Nach der letzten Stolpersteinverlegung im Februar wies sie darauf hin, dass ihr Großvater, Inhaber eines Lebensmittelgeschäfts an der Rottmann­straße, als „geistesgestört“ zunächst in die Heilanstalt Gütersloh eingewiesen und 1944 im Tiegenhof / Gnesen im heutigen Polen starb – mit hoher Wahrscheinlichkeit ermordet.

Für die Stadt Ahlen ging Manfred Kehr den Hinweisen nach und forschte zwei Tage im Archiv des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Er fand Namen von 28 Ahlener Bürgerinnen und Bürgern, die sich nach dem Rassenhygienegesetz vom 1. Januar 1934 „schuldig“ gemacht haben: Diese Menschen seien, so heißt es in den Akten, „Gefährder des arischen Erbguts“. Allein im Zuge der „T4-Aktion“ wurden zwischen 1939 und 1941 etwa 80 000 Menschen planmäßig ermordet. Von den 28 ermordeten beziehungsweise misshandelten Ahlener Opfern sollen nun 22, deren letzte Wohnanschrift eindeutig geklärt ist, mit einem Stolperstein geehrt werden.

Bürger und Bürgerinnen können Steinpatenschaften in Höhe von je 120 Euro pro Stein übernehmen. Die mit einer Messingabdeckung versehenen Pflastersteine sind mit dem Namen des Opfers, seinem Geburtsjahr sowie dem Todesdatum und Ort der Ermordung versehen. Weitere Auskünfte erteilt Manfred Kehr im Fachbereich für Jugend, Soziales und Integration unter Telefon 5 95 67, E-Mail kehrm@stadt.ahlen.de. Für drei Opfer sind bereits Patenschaften abgeschlossen worden, für die hier genannten 19 können Interessierte ihre Bereitschaft erklären (s. Infokasten).

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