Weihnachtsoratorium in St. Marien
Hier berühren sich Himmel und Erde

Ahlen -

Stehende Ovationen zum Ende des Weihnachtsoratoriums in der Ahlener Marienkirche. 400 Gäste hatten sich – alle Jahre wieder – festlich einstimmen lassen.

Montag, 17.12.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 18.12.2018, 10:00 Uhr
Das Vokalensemble St. Marien, Lehrer und Schüler der Schule für Musik und Musiker des Sinfonieorchesters Münster unter der Leitung von Dirigent Martin Schumacher gestalteten das Weihnachtsoratorium in der Marienkirche.
Das Vokalensemble St. Marien, Lehrer und Schüler der Schule für Musik und Musiker des Sinfonieorchesters Münster unter der Leitung von Dirigent Martin Schumacher gestalteten das Weihnachtsoratorium in der Marienkirche. Foto: Christian Feischen

Fünf Paukenschläge münden in den mächtigen Chorgesang „Jauchzet, frohlocket“ und verkünden in prachtvollem musikalischen Barockgewand mit Chor und Orchester die frohe Botschaft von der Geburt Jesu. Diese fast 300 Jahre alte, immer wieder aufgeführte Musik aus der Feder Johann Sebastian Bachs , im Werkverzeichnis mit der Nummer 248 versehen, erklang am späten Nachmittag des dritten Adventssonntags eindrucksvoll und auf das Weihnachtsfest einstimmend in der Marienkirche.

Das Vokalensemble St. Marien sowie Lehrer und Schüler der Musikschule Beckum-Warendorf führten gemeinsam mit Musikern des Sinfonieorchesters Münster unter der Leitung von Martin Schumacher drei Teile aus Bachs opulentem und überaus populärem „Weihnachtsoratorium“ auf.

Unterschiedliche Riten bestimmten die Advents- und Weihnachtszeit, führte Pfarrer Willi Stroband bei seiner Begrüßung und Einführung in das Werk aus: „Neben Adventskranz und Weihnachtsmarktbesuch gehört Bachs ‚Oratorium‘ für ganz viele dazu“, so Stroband: „Ihr seid hier also richtig!“

Das seinerzeit vom Kantor der Thomas-Kirche in sechs Kantaten gegliederte Werk, für die Einbindung in die Liturgie konzipiert und von Weihnachten bis zum Dreikönigstag um die Jahreswende 1734/35 in Leipzig uraufgeführt, zeichnet sich in der musikalischen Umsetzung des Mysteriums um Jesu Geburt vor allem durch den Wechsel von Arien, Rezitativen und eingängigen Chorgesängen aus. Und das fasziniert bis heute – so wie am Sonntag unter dem Dirigat Martin Schumachers.

Unter seiner Leitung gelang ein eindrucksvoll sauberer Klang im Zusammenspiel der Instrumentalisten mit dem Chor und den Solisten, wobei der Tenor Maximilian Fieth aus Köln als Evangelist eine tragende Rolle übernahm. Neben der aus Lysva in Russland stammenden Sängerin Irina Markowa, die schon in der ersten von den drei dargebotenen Kantaten aus dem „Weihnachtsoratorium“ mit ihrer Altstimme bei der Arie „Nun bereite dich, Zion“ zu beeindrucken wusste, ergänzten die Sopranistin Uta Rathmer-Schumacher und der Bass Hinrich Horn die erzählend-dramatische Komposition in einer Darbietung, die vom Eröffnungs- bis zum Schlusschor, „Herrscher des Himmels“, einen stimmigen musikalischen Bogen spannte.

Sängerin Irina Markowa (vorn) mit den Musikern und Dirigent Martin Schumacher (rechts).

Sängerin Irina Markowa (vorn) mit den Musikern und Dirigent Martin Schumacher (rechts). Foto: Christian Feischen

Pfarrer Willi Stroband hatte die etwa 400 Konzertbesucher in der nicht ganz bis auf den letzten Platz besetzten Marienkirche anfangs dazu aufgefordert, besonders auf die „Oboe d‘amore“ zu achten. Schließlich ist es der warme und liebliche Klang der „Liebesoboe“, der im zweiten Teil des Oratoriums mit einem markanten musikalischen Motiv die Hirten einlädt, Gottes Sohn zu begrüßen. Gerade da könne man nachfühlen, wie Johann Sebastian Bach musikalisch Gottes Menschwerdung nachgezeichnet hätte: „Da berühren sich Himmel und Erde“, gab der Geistliche den Zuhörern mit auf den Weg und wünschte ihnen, die Gedanken Bachs „bis mindestens Weihnachten“ mitzunehmen.

Mit stehenden Ovationen belohnten die Konzertbesucher nach über eineinhalb Stunden die Musiker des Vokalensembles, der Musikschule und des Sinfonieorchesters sowie die Solisten und den Dirigenten.

Und dass Johann Sebastian Bachs „Weihnachtoratorium“ mehr als bloß ein geistliches Musikwerk aus der Barockzeit mit der Nummer 248, sondern eine wohl in tiefstem Glauben an die Menschwerdung Gottes entstandene Komposition ist, ließ sich am Ende der Aufführung in der Marienkirche nachfühlen. Wie sonst könnte man die bis heute anhaltende Popularität von Bachs Musik denn auch erklären?

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