Ambulante Notfallpraxis
Unzumutbar für ein Mittelzentrum

Ahlen -

Die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung, die ambulante Notfallpraxis im Ahlener Krankenhaus zu reduzieren, stoßen auf Reaktionen. Inzwischen liegen Unterschriftenlisten aus.

Dienstag, 18.12.2018, 22:00 Uhr aktualisiert: 19.12.2018, 07:07 Uhr
Die Leitung des St.-Franziskus-Hospitals sucht im Streit mit der Kassenärztlichen Vereinigung um die Öffnungszeiten der Notfallpraxis nach einer einvernehmlichen Lösung.
Die Leitung des St.-Franziskus-Hospitals sucht im Streit mit der Kassenärztlichen Vereinigung um die Öffnungszeiten der Notfallpraxis nach einer einvernehmlichen Lösung. Foto: Ulrich Gösmann

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Nach der gestrigen Veröffentlichung in unserer Zeitung, dass die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) die ambulante Notfallpraxis im St.-Franziskus-Hospital ab Februar des kommenden Jahres an drei Tagen der Woche schließen will, schlugen die Wellen der Empörung bei Facebook und in anderen sozialen Medien hoch.

Unverständnis über angekündigte Maßnahme

Auch Bürgermeister Dr. Alexander Berger äußerte sein Unverständnis über die angekündigte Maßnahme, den hausärztlichen Notdienst in Ahlen zu reduzieren. „Es kann für ein Mittelzentrum wie Ahlen nicht sein, dass die Bürgerinnen und Bürger in eine Nachbarstadt fahren müssen, wenn sie gesundheitliche Probleme haben“, erklärte Berger am Dienstag. Erst am Wochenende wurde er darüber in Kenntnis gesetzt, dass die KVWL die Sprechzeiten der im St.-Franziskus-Hospital untergebrachten ambulanten Notfallpraxis reduzieren möchte.

Unterschriftenlisten ausgelegt

Die Pläne der KVWL sehen vor, das ambulante Angebot der niedergelassenen Ärzte am Montag, Dienstag und Donnerstag geschlossen zu lassen. Begründet wird die Einschränkung mit zu geringer Nachfrage. Im Schnitt würden an den betroffenen Tagen nur zwei Patienten pro Stunde behandelt. „Das aber darf kein Kriterium dafür sein, den Hilfe suchenden Menschen trotz ihrer Beschwerden eine lange Anfahrt zuzumuten“, gibt sich der Bürgermeister verständnislos. Er werde im Rahmen seiner Möglichkeiten darauf drängen, an dem bestehenden Angebot keine Abstriche vorzunehmen, kündigt Berger ein Schreiben an die KVWL an. Er begrüße und unterstütze jeden kreativen Protest, den die Ahlener Ärzteschaft gegen die patientenunfreundliche Entscheidung führen wird. Nach Auskunft von Dr. Thomas Mandelkow, Sprecher der Ahlener Ärzteschaft und Vorsitzender des hiesigen Ärztevereins, haben einige seiner Kolleginnen und Kollegen in ihren Praxen Unterschriftenlisten ausgelegt, auf denen Patienten ihren Unmut über die Maßnahme ausdrücken können.

Kontakt mit Kassenärztlicher Vereinigung aufgenommen

Auch die Leitung des Franziskus-Hospitals ist inzwischen aktiv geworden und hat Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung aufgenommen. Verwaltungsdirektor Winfried Mertens: „Wir sind in konstruktiven Gesprächen und bemühen uns um eine einvernehmliche Lösung.“ Er habe den Eindruck, dass daran auch der KVWL gelegen sei. Eine zeitweise Schließung der Notfallpraxis hätte auch für das Krankenhaus erhebliche Folgen, denn die Patienten würden dann die Notfallambulanz aufsuchen. Mit der Folge, dass das diensthabende Personal noch stärker belastet würde und womöglich für wirkliche Notfälle zu wenig Zeit hätte.

Zur Info

Die ambulante Notfallpraxis steht derzeit auch montags, dienstags und donnerstags von 18 bis 22 Uhr zur Verfügung, wenn Erkrankte einen Arzt benötigen und nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können. Von der angekündigten Schließung nicht betroffen sind die Sprechzeiten am Mittwoch und Freitag (13 bis 22 Uhr) sowie am Samstag, Sonntag und an Feiertagen (8 bis 22 Uhr).

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