„Storno – die Abrechnung“
Die „Mutti aus der Uckermark“

Ahlen -

Ein Leben ohne die „Mutti aus der Uckermark“? Für Thomas Philipzen, Jochen Rüther und besonders Harald Funke kaum vorstellbar...

Mittwoch, 19.12.2018, 14:06 Uhr aktualisiert: 20.12.2018, 12:40 Uhr
Andrea, Angie und Horst: Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther rechneten in bewährter Weise mit dem Jahr ab. Da blieb niemand, der sich auf der Politbühne einen Fehltritt erlaubte, verschont.
Andrea, Angie und Horst: Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther (v.l.) rechneten in bewährter Weise mit dem Jahr ab. Da blieb niemand, der sich auf der Politbühne einen Fehltritt erlaubte, verschont. Foto: Martin Feldhaus

Welche Parallele gibt es eigentlich zwischen dem Hambacher Forst und den Vorfällen in Chemnitz? „Beide Male geht es um eine braune Masse.“ Das hat gesessen. Und was passiert eigentlich, wenn sich wegen des Klimawandels mittlerweile Eisbären mit Braunbären paaren? Klar, es kommen „Karamellbären“ raus. Oder doch „Blaubären“? Das ist knallharter, ungeschönter und tiefsinniger Humor à la „Storno“.

Bei seinem satirischem Jahresrückblick in der mit 825 Zuschauern restlos ausverkauften Stadthalle nimmt das kabarettistische Kult-Trio am Dienstagabend erneut kein Blatt vor den Mund. Egal ob triefende Ironie, beißende politische Satire oder auch rasiermesserscharfe Pointen: Harald Funke , Thomas Philipzen und Jochen Rüther beherrschen bei ihren Analysen die ganze Klaviatur der Polit-Unterhaltung und sorgen dafür, dass ein „Lachorkan“ nach dem anderen durch die Stadthalle fegt. Halt machen sie dabei vor Niemandem. Wer sich auf der großen Bühne einen Fehltritt erlaubt, wird gnadenlos durch den „Storno-Kakao“ gezogen.

„Die fossile Zeit ist beendet“, stellt das Trio beispielsweise in Bezug auf den Rücktritt Angela Merkels vom Parteivorsitz fest. Doch was ist mit der Nachfolge? Hier gilt das Motto „Wo gehobelt wird, da fällt der Spahn“ und dann müssen sofort die Handwerker, sprich die Karrenbauer bestellt werden. Nur ein schwacher Trost für Funke, der bald bei seinen Parodien auf die schon legendäre Perücke der „Mutti aus der Uckermark“ wird verzichten müssen. Ein Umstand, mit dem er sich noch nicht ganz abgefunden hat. „Ich glaube an die Auferstehung“, zeigt er sich sicher, dass „Angie“ wiederkommen wird.

Ob das so einfach wird? Nach der Logik von „Storno“ jedenfalls dann nicht, wenn die Große Koalition noch länger bestehen bleibt. Denn: Deren Protagonisten sterben allesamt nach und nach weg.

Ein weiteres Thema des Jahres 2018 ist sicherlich die große „Hitzewelle“ im Sommer, die auch für Storno reichlich humoristischen Stoff liefert. „Ich habe mir das mal angesehen, verhungern tun wir nicht“, spielt Philipzen hier süffisant auf das Übergewicht vieler Deutscher an. Wenn es so heiß ist, mutiert übrigens gerade ein Föhn zur perfekten Waffe. „Hände hoch oder ich föhne“, mit diesen Worten ließ sich ein Banküberfall im Rekordsommer 2018 durchaus einmal wagen.

Von einem Überfall konnte bei der Leistung des DFB-Teams bei der WM in Russland beileibe keine Rede sein. „Das war passiver Widerstand, unsere Spieler wollten weggetragen werden“, war sich „Storno“ sicher. Auf die Barrikaden trieb Philipzen bei der WM aber auch noch die eine oder andere Äußerung eines TV-Experten. „Wenn das Experten sind, mache ich demnächst Eheberatung im Puff“, schmettert er in die Stadthalle und sorgt damit dafür, dass dem einen oder anderen vor Lachen bereits der Bauch wehtut.

Das auch deshalb, weil das Trio ein Wortspiel an das andere reiht. „Was ist das hier eigentlich für eine Klick-dich-ins-Knie-Ökonomie?“, unternimmt beispielsweise Jochen Rüther angesichts von Bitcoins und Co. eine kritische Betrachtung der immer weiter zunehmenden Digitalisierung.

Nicht fehlen dürfen in einem Jahresrückblick 2018 natürlich auch die Dieselfahrverbote, denen „Storno“ die vom Publikum vehement geforderte Zugabe widmet und dies verbunden mit einem Lied zum Lobbyismus.

Abgerundet wird der Jahresrückblick durch eine Parodie von Angie, Horst und Andrea, die der Extraklasse entspricht und politische Satire auf absolutem Top-Niveau verkörpert.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6269137?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Nachrichten-Ticker