Verwaltung zu Gast in Münster
Jüdisches Leben mittendrin

Ahlen -

Die Ahlener Verwaltungsspitze folgte einer Einladung Sharon Fehrs zur jüdischen Gemeinde in Münster. Und erfuhr dabei viel über jüdisches Leben.

Donnerstag, 27.12.2018, 19:00 Uhr
Wissenswertes über das Judentum vermittelte Ruth Frankenthal den Ahlener Gästen in der Synagoge. Hier zeigte sie beispielsweise Texte aus der Tora.
Wissenswertes über das Judentum vermittelte Ruth Frankenthal den Ahlener Gästen in der Synagoge. Hier zeigte sie beispielsweise Texte aus der Tora. Foto: Stadt Ahlen

Einen Besuch des Jüdischen Gemeindezentrums und der Synagoge in Münster statteten jetzt die Angehörigen des Verwaltungsvorstandes der Stadt Ahlen ab. Die leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung folgten einer Einladung des Ersten Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Sharon Fehr . „Obwohl es seit 80 Jahren kein jüdisches Gemeindeleben mehr in Ahlen gibt, sind die Beziehungen zwischen der Stadt Ahlen und uns noch immer rege“, dankte Sharon Fehr Bürgermeister Dr. Alexander Berger bei der Begrüßung.

Gemeindemitglied Ruth Frankenthal, in Ahlen bekannte Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit , führte die Gäste bei der anschließenden Synagogenführung in Riten des Judentums und Besonderheiten des jüdischen Gottesdienstes ein.

Die Geschichte der früheren Ahlener Gemeinde beleuchtete dabei Manfred Kehr, der in der Stadtverwaltung unter anderem für die Erinnerungsarbeit mitverantwortlich ist. Für Bürgermeister Berger ist und bleibt es ein wichtiges Anliegen, „dass das Jüdische nicht nur zu bestimmten Anlässen Gegenstand der Erinnerung ist, sondern täglich als selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft wahrgenommen wird“. Hetze gegen Juden, egal von welcher Seite und in welchen Medien, sei keine tolerierbare Meinung, sondern verachtenswert und von allen Demokraten entschieden zu bekämpfen. Er freue sich, dass Sharon Fehr und Ruth Frankenthal seine Einladung zum Neujahrsempfang der Stadt am 17. Januar angenommen haben. Vertreter der Glaubensgemeinschaften, unter ihnen Münsters Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, werden dann den interreligiösen Dialog in Ahlen würdigen.

Letzte bekannte Ahlener Bürgerin jüdischen Glaubens war Marga Spiegel , die Anfang der 1980er-Jahre nach dem Tod ihres Ehemannes „Menne“ von Ahlen nach Münster zog. Auf dem jüdischen Teil des Westfriedhofes befinden sich heute die Gräber der Eheleute Spiegel, die die Nazizeit mit ihrer Tochter Karin im Versteck bei münsterländischen Bauern überlebten.

Der Antisemitismus ist nicht tot.

Sharon Fehr

Die Einladung zum Besuch der Jüdischen Gemeinde hatte Sharon Fehr bereits im Frühjahr ausgesprochen, als er in der Ostbredenstraße als langjähriger enger Wegbegleiter und Vertrauter Marga Spiegels Gastredner bei der Verlegung von Stolpersteinen für die Familie Spiegel war. Kontakt zu Ahlen sei auch viele Jahre über Imo Moszkowicz gepflegt worden, erinnerte der Vorsitzende an den früheren Ehrenbürger der Stadt Ahlen.

Die Jüdische Gemeinde Münster zählt heute über 600 Mitglieder, die ganz überwiegend in Münster und in Münsters Randgemeinden zu Hause sind. „Der Zuzug von Juden aus Staaten der früheren Sowjetunion hat die Gemeinde vor eine gewaltige Kraftanstrengung gestellt“, berichtete Sharon Fehr seinen Gästen von der Integrationsarbeit, die in den vergangenen Jahren geleistet wurde. Heute zeichne sich wegen der zunehmenden antisemitischen Tendenzen ab, dass jüdische Menschen wieder stärker darüber nachdenken, Deutschland zu verlassen. „Der Antisemitismus ist nicht tot, das hat sich in den letzten Wochen und Monaten wieder erschreckend gezeigt.“

Wie fern jüdisches Leben auch heute noch von Normalität entfernt ist, erkannten die Verwaltungsmitarbeiter an der Polizeistreife, die rund um die Uhr vor dem Gemeindezentrum für Sicherheit sorgt.

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