Multivision in der Stadthalle
Lappland ist mehr als Polarlicht

Ahlen -

Geschichten und Bilder von mobilen Saunen, Schneehotels und robusten Rentieren brachte Fotograf Klaus-Peter Kappest mit in die Stadthalle.

Mittwoch, 09.01.2019, 15:26 Uhr aktualisiert: 09.01.2019, 17:52 Uhr
Die Rentiere sind robuste Geschöpfe. Nicht nur, dass sie als „Zugpferde“ dienen, sie riechen sogar Islandmoos durch eine Schneedecke von bis zu 1,5 Metern, berichtete der Fotograf.
Die Rentiere sind robuste Geschöpfe. Nicht nur, dass sie als „Zugpferde“ dienen, sie riechen sogar Islandmoos durch eine Schneedecke von bis zu 1,5 Metern, berichtete der Fotograf. Foto: Martin Feldhaus

Polarlicht und „Nord-Licht“. Ist das nicht ein und dasselbe? Nein, denn „Nord-Licht“ meint nicht nur jenes beeindruckende und großartige Naturschauspiel am Nachthimmel von Lappland, sondern vielmehr. „Die Kultur der Samen bildet auch eine Art inneres Licht“, erklärt Klaus-Peter Kappest. Und gerade dieses Licht der Einheimischen des nördlichen Zipfels Europas bringt der Fotograf am Dienstagabend in der Stadthalle im Rahmen der „AZ“-Multivisionsreihe besonders hell zum Leuchten. Schnell wird jedem im Publikum eines klar: Die Welt der Sami liegt Klaus Peter Kappest besonders am Herzen.

Doch was macht diese Welt eigentlich aus? Natürlich die große Verbundenheit der Sami mit der Natur, die alle indigenen Völker kennzeichnet. „Sie haben sich hervorragend an die raue Landschaft angepasst“, berichtete Kappest vom Leben in einer Umgebung, in der neun Monate des Jahres Winter ist. Hier lebten die Lappländer und Sami bis vor etwa 60 Jahren noch als umherziehende Nomaden. Erst die Erfindung des Motorschlittens änderte das und ließ Siedlungen entstehen. Geblieben sind dennoch das traditionelle Handwerk sowie die Rentierzucht als Identitätsmerkmale einer ganzen Kultur.

  Foto: Martin Feldhaus

Genauso wie die Menschen, die ganz im Norden Europas leben, sind dabei auch die Rentiere perfekt an ihre extreme Umgebung angepasst. „Die Tiere riechen Islandmoos durch eine Schneedecke von bis zu 1,5 Metern“, berichtete der Referent dem verdutzten Publikum, wie sich die nordische Hirschart auch im tiefsten Winter ernährt. Kein Wunder, dass die meisten dieser robusten Geschöpfe nicht durch natürliche Feinde sterben, sondern dadurch, dass sie von Lkw beim Überqueren von Straßen überfahren werden. Ein Umstand, über den sich die Einheimischen sehr echauffieren. Wenn sie ein Rentier töten, dann wird alles vom Tier komplett verwertet. Dieses Prinzip lernen schon neunjährige Kinder. Eine Kultur, in der die Menschen nicht nachvollziehen können, wie in Mitteleuropa Tiere geschlachtet werden.

Leben im Einklang mit der Natur ist in Lappland angesagt. Und wer Glück und Geduld hat, der erlebt diese Natur in ihrer vollen Pracht und Schönheit.

So wie Klaus-Peter Kappest, der zahlreiche Bilder der weltberühmten Polarlichter mit in die Stadthalle brachte. In über 100 Kilometern Höhe bieten diese ein wahres Farbspektakel: Mal gelb, mal grün oder auch violett ergibt sich ein Anblick, der den Betrachter richtiggehend fesselt.

Schnee über Schnee. Kann man denn nach Lappland reisen? Ist es nicht viel zu kalt? „Das ist eine trockene Kälte, die man gut aushalten kann“, verdeutlichte der Fotograf. Und außerdem eigne sich diese auch perfekt für einen schönen Besuch in der Sauna. Die Sauna muss übrigens gar nicht ortsgebunden sein. So präsentierte der Referent zur Begeisterung des Publikums Bilder von einer mobilen Sauna, die einfach die ganze Zeit durch den Schnee gefahren wird. Allerdings inklusive gelegentlicher Stopps mit einem Bad in einem eiskalten Wasserloch.

Doch das war nicht die einzige innovative Idee, auf die Klaus-Peter Kappest traf. So zeigte er auch imposante Bilder von einem Hotel, das jedes Jahr aufs Neue komplett aus Schnee und Eis gebaut wird.

Die Lieblingsjahreszeit der Einheimischen ist aber nicht der Winter, sondern der Frühling. Dann gibt es sehr viel Licht und es bieten sich beispielsweise lange Skitouren an. Passende Schuhe dafür gibt es bei den Einheimischen, die diese Handwerkskunst perfekt beherrschen.

Leben in Lappland? Das bedeutet insgesamt vor allem Leben im Einklang mit einer extremen Umgebung.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6308260?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Frost fast überall im Land - Letzter Katastrophenfall aufgehoben
Kältewelle: Frost fast überall im Land - Letzter Katastrophenfall aufgehoben
Nachrichten-Ticker