Jahresbilanz der Landwirtschaftlichen Ortsverbände
Bauern feilen an Außendarstellung

Ahlen -

Unzufrieden mit dem Bild ihres Berufsstandes in der Öffentlichkeit sind die Ahlener Landwirte. Bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Ortsverbände Ahlen, Dolberg und Vorhelm nahm dieser Aspekt einen größeren Raum ein als der Rekordsommer 2018.

Donnerstag, 10.01.2019, 14:30 Uhr aktualisiert: 11.01.2019, 09:12 Uhr
Birgit Arnsmann motivierte die Landwirte aus Ahlen, Vorhelm und Dolberg mit einem launigen Schlussvortrag zu guter Stimmung. Dabei befragte sie die Teilnehmer nach den besten Momenten des Vorjahres.
Birgit Arnsmann motivierte die Landwirte aus Ahlen, Vorhelm und Dolberg mit einem launigen Schlussvortrag zu guter Stimmung. Dabei befragte sie die Teilnehmer nach den besten Momenten des Vorjahres. Foto: Peter Schniederjürgen

Nach dem Rekordsommer 2018 war eigentlich zu erwarten, dass das Thema Dürre im Mittelpunkt bei den Landwirtschaftlichen Ortsverbänden steht. Doch bei der Jahresversammlung der Vertreter aus Ahlen, Vorhelm und Dolberg am Mittwoch im Gasthaus Quante ging es vielmehr um das Ansehen ihres Berufs in der Öffentlichkeit, das Dauerthema Landwirtschaftswege und Internet im ländlichen Raum.

So informierte Hubert Steinhoff, Vorsitzender der Dolberger Landwirte, die Kollegen über den kurz bevorstehenden Beginn des Ausbaus eines ländlichen Glasfasernetzes. „Die Ausschreibungen für den Tiefbau laufen, Ende des Jahres soll es losgehen“, sagte der Bauernchef. Mitglied und Kreistagsabgeordneter Henrich Berkhoff präzisierte mit einem Zwischenruf: „Es stehen jetzt 110 Millionen Euro dafür zur Verfügung.“ Dabei berief er sich auf Angaben der Kreiswirtschaftsförderung.

Steinhoff befasste sich noch ausgiebig mit dem Auftritt der Landwirte bei der „Ahlener Woche“ im April. „Wir werden Tierhaltung, genauer die reale Schweinehaltung auf einem konventionellen Hof, präsentieren“, kündigte der Dolberger an. Zwar gebe es noch gewisse technische Probleme bei der Umsetzung, doch die seinen absolut überschaubar. Vor allem würden noch weitere Freiwillige für den Dienst am Stand gesucht. Schließlich kam er auch zum Thema Dürre. „Wir hatten hier wirklich Glück, doch leider hat uns die Politik mit unbedachten Äußerungen wieder in die Ecke der Lobbyisten gedrängt“, bedauerte der Landwirt und erneuerte seine Forderung nach steuerentlasteten Rücklagen für solche Extremereignisse.

Karl Werring, seines Zeichens Präsident der Landwirtschaftskammer des Landes und Kreislandwirt, lobte die Aktionen in der Öffentlichkeitsarbeit seiner Ahlener Kollegen. Im Mittelpunkt seiner Ausführung standen dann auch weitere Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Bilds der Landwirtschaft. Denn, so Werring, die Bauern würden für alles – von mangelnder Biodiversität bis zu Wetterextremen – verantwortlich gemacht. Als Folge daraus wurde die „Landwirtschaftliche Marketing GmbH“ gegründet. Sie befasst sich mit der Außendarstellung des Berufsstandes. „Von Bauern finanziert, von Profis umgesetzt, soll sie Tierhaltung und andere vermeintliche Kernprobleme angehen“, verkündete der Kammerpräsident und riet den Anwesenden, sich den Imagefilm im Internet unter www.landwirt-schafft-leben.de anzusehen.

Hubert Steinhoff, Ralph Storkamp, Alexander Berger und Ulrich Averberg (v. l.) begrüßten die Landwirte.

Hubert Steinhoff, Ralph Storkamp, Alexander Berger und Ulrich Averberg (v. l.) begrüßten die Landwirte. Foto: Peter Schniederjürgen

Bürgermeister Dr. Alexander Berger hatte gute Nachrichten mit zur Versammlung gebracht: „Wir haben dank der guten Haushaltslage die Möglichkeit, rund 150 000 Euro mehr in die Landwirtschaftswege zu investieren“, hob der Stadtchef hervor. Damit steige das Budget dafür auf nun 300 000 Euro. Zudem betonte Berger die Bedeutung der Landwirtschaft als zunehmend wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Region. Er lobte die sehr gute Zusammenarbeit.

Dann gab‘s doch noch Klagen über die Dürre – erhoben durch Freiherr Franz von Twickel als Vorsitzender der Waldbauern im Kreis. Er bedauerte die erheblichen Schäden, die durch Hitze und den dadurch begünstigten Borkenkäferbefall entstanden seien. Dabei betonte der Freiherr die Bedeutung des Nadelholzes als ökologischer Baustoff. „Es wäre falsch, jetzt wegen des Klimawandels nur noch auf Laubbäume zu setzen. Ich empfehle die Douglasie.“

Schließlich konnten die Kassenprüfer der drei Ortsverbände eine ausgeglichene Kassenlagen vermelden und die Vorstände wurden einstimmig entlastet.

Zum Abschluss der über zweistündigen Versammlung kam die Motivationstrainerin Birgit Arnsmann mit ihrem lebhaften Vortrag „Motiviert ins neue Jahr“ ans Mikrofon. Doch zum allgemeinen Schrecken verharrte die Frau nicht am Pult, sondern kreiste durch die Stuhlreihen und befragte Menschen in den Zuhörerreihen nach den besten Momenten des vergangenen Jahres, was bei den Teilnehmern große Heiterkeit und beste Stimmung auslöste.

Passend dazu das Schlusswort des Ahlener Ortsverbandschefs Ralf Storkamp: „Der Bergbau und viele andere Berufe sind bereites Geschichte. Ohne die Landwirte geht es nicht. Und das macht Lust aufs Weitermachen.“

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