Kultur in Ahlen
Stadthalle und Bildung zusammendenken

Ahlen -

Neues Denken ist gefragt, wenn es um Kultur geht. Einen Impulsvortrag dazu hielt Kulturplaner Jens Imorde in der Stadt-Galerie.

Freitag, 11.01.2019, 22:00 Uhr
Gerd Buller, Co-Vorsitzender des Kunstvereins, begrüßte in der Stadt-Galerie zahlreiche Besucher, die zur Auftaktveranstaltung von „Kultur in Ahlen neu denken“ mit Referent Jens Imorde und Moderator Dierk Hartleb gekommen waren.
Gerd Buller, Co-Vorsitzender des Kunstvereins, begrüßte in der Stadt-Galerie zahlreiche Besucher, die zur Auftaktveranstaltung von „Kultur in Ahlen neu denken“ mit Referent Jens Imorde und Moderator Dierk Hartleb gekommen waren. Foto: Lisa Voß-Loermann

Eine neue Veranstaltungshalle sollte nach Möglichkeit nicht mehr wie bislang Stadthalle, sondern Bürgerforum heißen und mehrere Funktionen erfüllen. Diese Empfehlung sprach am Donnerstagabend Jens Imorde in seinem Impulsvortrag in der Stadt-Galerie zum Thema „Kultur in Ahlen neu denken“ aus.

Der Einladung einer Gruppe von Kulturveranstaltern aus Kunstverein und Bürgerzentrum sowie Einzelpersonen waren zahlreiche Interessierte gefolgt, darunter auch Kommunalpolitiker von CDU, SPD, FWG und Bündnisgrünen.

Die Fragestellung, wie es mit der Stadthalle weitergehe, sei für die Stadt eine einmalige Chance, über neue Ideen und Anforderungen für die Kulturarbeit zu diskutieren, so Imorde weiter. Wobei grundsätzlich festzuhalten sein: „Die kulturelle Infrastruktur Ahlens ist gut.“ Viele Städte in der Region beneideten die Stadt um die kulturelle Vielfalt.

Imorde, dessen Büro in Münster für Kultur- und Stadtentwicklungsplanung einen guten Ruf genießt, ist in Ahlen nicht unbekannt. Hier hatte er in den 1980er Jahren noch als junger Student seinen ersten Auftritt mit der Gruppe „Die ungeküssten Frösche“ beim Stadtfest in Ahlen und gastierte in den 2000er Jahren mehrfach mit dem von ihm durchgeführten Wettbewerb „Ab in die Mitte“.

Die Stadthalle in der heutigen Form bezeichnete Imorde als überholt. Als Beispiel verwies der Planer auf Bocholt, wo ein altes Fabrikareal mit 15 000 Quadratmetern in ein Zentrum für Veranstaltungen, Bildung und Weiterbildung umfunktioniert worden sei mit Volkshochschule, Stadtbücherei, Stadtarchiv und Musikschule. Dort könne auch Begegnung stattfinden, die Imorde nach wie vor für Ausdruck von städtischem Leben hält.

Nadine Köttendorf, designierte VHS-Leiterin, wandte ein, es sei zu wenig, wenn sich die Erweiterung lediglich auf kommunale Einrichtungen beziehe und das bürgerschaftliche Engagement außen vor bleibe. Die klassischen Konflikte zwischen etablierten Kultureinrichtungen und freier Szene gehörten der Vergangenheit an, entgegnete Imorde und schlug seinerseits vor, dass Musik- oder Künstlergruppen an Bildungseinrichtungen andocken sollten. Durch die Konzentration von Kultur- und Bildungsangeboten würden sich auch die Angebote anderer Einrichtungen wie des Büz oder des Kunstvereins verändern müssen, weil sich die Erwartungshaltung der Nutzer wandle.

Als echten Mangel empfand Altbürgermeister Benedikt Ruhmöller die fehlende Einbeziehung der Migrationsbevölkerung in das kulturelle Leben und erntete dafür Zustimmung von Serhat Ulusoy und Mehmet Tanli. Serhat Ulusoy wandte sich allerdings dagegen, immer noch von Migranten statt Einwohnern zu reden.

Begegnung finde idealtypisch in den Stadtteilzentren, meinte Imorde. Insofern stelle das neue Quartierszentrum im Juk-Haus Burbecksort eine große Chance dar. Deutlich positionierte sich der Kulturplaner gegen eine Verlagerung eines Kulturzentrums an die Peripherie der Stadt. Das führe zu einer Verödung der Innenstadt mit allen unerwünschten Folgen.

Über die Frage, inwieweit die Digitalisierung die kulturelle Rezeption und damit auch die Arbeit der Einrichtungen verändern werde, ließe sich heute nur spekulieren, so Imorde. Die Sehgewohnheiten hätten sich bereits radikal verändert. Der Trend, sich auch in der Freizeit multimedial zu beschäftigen, werde anhalten.

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