Radiogottesdienst in der Pauluskirche
Das rettende Ufer ist nah

Ahlen -

Live aus der Ahlener Pauluskirche im Radio übertragen wurde am Sonntagmorgen ein Gottesdienst mit Annette Kur­schus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Die Theologin hielt ihre Predigt zum aktuellen Wochenspruch aus dem Römerbrief des Apostels Paulus („Welche der Geist Gottes treibt, die sind Kinder Gottes“).

Montag, 14.01.2019, 13:00 Uhr
Auch auf der Empore nahmen zahlreiche Besucher des Gottesdienstes zusammen mit den Musikern Platz.
Auch auf der Empore nahmen zahlreiche Besucher des Gottesdienstes zusammen mit den Musikern Platz. Foto: Dierk Hartleb

Den Schlusssegen sprach Präses Annette Kur­schus bereits um 10.57 Uhr. Somit kamen die Hörer von WDR 5 und NDR Info noch in den Genuss der ersten Töne der Symphonischen Suite von Traugott Fünfgeld, die zum Auszug aus dem Gottesdienst am Sonntag in der Pauluskirche erklangen. Die Besucher blieben aber auch noch sitzen, als das keine rote Lämpchen am Mikrofonständer erlosch, das signalisierte, dass die Radioübertragung beendet war, um weiter den Bläsern zu lauschen. Ihre Leistung sowie die des Projektchores und der Band, die die zeitgenössische Klangfarbe mit der „Missa4Youth“ zum Gottesdienst beisteuerten, belohnte die Gemeinde mit stehenden Ovationen.

Mit einem kurzen Zwiegespräch zwischen Pfarrer Markus Möhl und der WDR-Rundfunkbeauftragten Petra Schulze wurden die Hörer auf den etwas anderen Gottesdienst eingestimmt. Die evangelische Theologin erklärte, dass die Sender mit ihrer Ausstrahlung von Radiogottesdiensten rund 200 000 Menschen zu Hause oder unterwegs erreichten. Viele Menschen würden die Übertragung als Gottesdienst im familiären oder privaten Kreis nutzen, wie sie aus dem lebhaften Feedback wüssten, und zum Beispiel eine Kerze anzünden. Möhl stellte den Hörern die Ahlener Gemeinde vor, die sehr von der Musik geprägt sei. Das wurde deutlich, als klassische Kirchenlieder aus dem Gesangbuch im Wechsel mit zeitgenössischer Musik des Hammer Komponisten Tjark Baumann und seiner erwähnten Popmesse erklangen.

Präses Annette Kurschus, leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen, stellte ihre Predigt unter das Motto des aktuellen Wochenspruchs aus dem Römerbrief des Apostels Paulus („Welche der Geist Gottes treibt, die sind Kinder Gottes“, Römer 8,14). Bei ihr stellten sich unwillkürlich zwei Vorstellungen ein. „Zunächst ist da ein Hamsterrad“, sagte die Präses, in dem die Menschen Getriebene seien. Bei dem zweiten Bild stelle sie sich ein Segelboot auf einem See vor einer eindrucksvollen Bergkulisse vor. Die Bootsinsassen ließen sich treiben und ihr Boot dümple im Vertrauen auf den Allmächtigen vor sich hin. Beides seien in ihren Augen keine „schönen Bilder“.

Präses Annette Kurschus und Pfarrer Markus Möhl feierten den Gottesdienst.

Präses Annette Kurschus und Pfarrer Markus Möhl feierten den Gottesdienst. Foto: Dierk Hartleb

Den beiden Vorstellungen stellte sie die Geschichte von Josua gegenüber, der die Israeliten nach Moses Tod in das gelobte Land führte. Kurz vor dem Ziel machte der Flüchtlingstreck an den Ufern des Jordans halt und Josua habe die Teilnehmer aufgefordert, am Ufer zu campieren. Nach 40 Jahren voller Entbehrungen sei das eine Zumutung gewesen, aber Josua habe sie mit dem Versprechen zum Bleiben bewegt, das anderntags ein Wunder geschähe. Und als die Karawane am anderen Morgen den Jordan überquerte, sei niemand zu Schaden gekommen und alle hätten das Land Kanaaan trockenen Fußes erreicht.

Dieses Bild von Menschen an einem Flussufer, die hinüberwollen und in deren Gesichtern sie den festen Glauben, sicher das andere Ufer zu erreichen, sehe, stehe ihr vor Augen. Mit einem kurzen Seitenblick erinnerte Kurschus daran, dass die so genannte jüdisch-christliche Tradition untrennbar mit Geschichten von Flucht und Migration verknüpft sei, wenn heute Menschen „nach langen Wegen mit Plastiktüten und Rucksäcken, mit Kindern auf dem Arm und von ihrer Fluchtgeschichte gezeichnet, aus Bussen und Booten steigen.“

Getragen von der Liebe Gottes und dem Vertrauen auf ihn, „werden wir durch manchen Jordan dieses Jahres gelangen“, so Kurschus. „Vielleicht nicht trockenen Fußes, womöglich durchnässt und erschöpft und nur knapp dem Ertrinken entronnen. Doch wir werden das andere Ufer erreichen.“

Dieses starke Bekenntnis konnte nur noch durch die Bläser auf der Orgelempore gesteigert werden. Die musikalische Gesamtleitung lag in den Händen von Kantorin Larissa Neufeld, das Lektorat übernahm Susanne Bohnet.

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