Kleiderstube St. Josef
Ende einer Ära im Blumenladen

Ahlen -

Einst zog sie in einen Blumenladen, jetzt in den „Warenkorb“. Die Kleiderstube von St. Josef wechselt von der Rottmann- in die Zeppelinstraße.

Montag, 21.01.2019, 22:00 Uhr
Trotz größerer Fläche in Zukunft fällt der Abschied nicht leicht: Hatice Uzum, Doris Streisel, Lidia Lange, Monika Daviter und Gerhard „Mocca“ Leifeld (v.l.).
Trotz größerer Fläche in Zukunft fällt der Abschied nicht leicht: Hatice Uzum, Doris Streisel, Lidia Lange, Monika Daviter und Gerhard „Mocca“ Leifeld (v.l.). Foto: Ralf Steinhorst / privat

Ein Abschied ohne Wiederkehr ist es nicht, aber das Ende einer Ära: Am Montagnachmittag war der letzte Verkaufstag der Kleiderstube der Pfarrcaritas St. Josef an der Rottmannstraße 56. Ab Februar ist der neue Standort an der Zeppelinstraße 35, wo schon jetzt der „Warenkorb“ der Caritas beheimatet ist.

Seit ihrer Gründung am 4. Juli 1977 war die Kleiderstube in den ehemaligen Räumlichkeiten des Blumenladens von Gerhard „Mocca“ Leifeld beheimatet. Der erinnert sich noch gut an die Anfänge: „Pfarrer Karl Lenfers kam mit der Idee zu meinen Eltern, etwas für arme Menschen umzusetzen.“ Neben Gerhard Leifelds Eltern Cäcilia und Laurenz Leifeld saß auch „Moccas“ Tante Irene Trümmer mit am Tisch. Wobei Pfarrer Lenfers schon ganz konkrete Vorstellungen parat hielt. Im ehemaligen Blumenladen sollte eine Kleiderstube entstehen.

Dabei verfolgte Lenfers seine Idee intensiv. „Er hat selbst die finanzielle Verantwortung für das Gelingen übernommen“, streicht „Mocca“ Leifeld heraus. Heißt: Betreiber ist die Pfarrcaritas St. Josef. Wenn es schiefgeht, geht der Deckel quasi auf den Pfarrer. Dazu sollte es allerdings nie kommen. Die Kleiderstube wurde eine Erfolgsgeschichte.

Ab Februar ist die Kleiderkammer im „Warenkorb“ an der Zeppelinstraße anzutreffen.

Ab Februar ist die Kleiderkammer im „Warenkorb“ an der Zeppelinstraße anzutreffen. Foto: Ralf Steinhorst

Bevor es richtig losgehen konnte, musste an das leere Ladenlokal erst einmal Hand angelegt werden. Die Senioren Hubert Mense und Lauren Leifeld fühlten sich dafür zuständig und gingen mit Elan an die Arbeit. Sie zogen nicht nur eine Vertäfelung neu ein, sondern reparierten auch die Schaufensterrahmen und strichen die Wände neu. Elektro Brockmann übernahm damals das Neuverlegen von Elektroleitungen. Eines brauchte nicht erneuert zu werden, das war der Teppich. „Der ist jetzt noch drin von meinem Laden“, berichtet Gerhard Leifeld stolz von seiner Materialauswahl.

Vor über 40 Jahren setzten neben Pfarrer Karl Lenfers einige Gemeindemitglieder von St. Josef die Idee einer Kleiderstube um. Gerhard „Mocca“ Leifeld kann sich daran noch genau erinnern.

Vor über 40 Jahren setzten neben Pfarrer Karl Lenfers einige Gemeindemitglieder von St. Josef die Idee einer Kleiderstube um. Gerhard „Mocca“ Leifeld kann sich daran noch genau erinnern. Foto: Ralf Steinhorst

Nachdem die Räumlichkeiten aufgefrischt waren, fand sich auch schnell ein ehrenamtliches Verkaufsteam. Schon der erste Aufruf von Pfarrer Lenfers in der Kirche, Kleidung zu spenden, führte zu vollen Regalen und Kleiderständern. Mit den Öffnungen an Montagnachmittagen wurde begonnen, die haben bis heute Bestand. Nur Gerhard Leifeld hat das Öffnungssystem seit über 41 Jahren ausgehebelt, und zwar im positiven Sinn. Als Nachbar nahm er immer wieder auch zwischendurch Kleidung an.

Was ihm als nette Begebenheit noch heute haften bleibt? In den ersten zehn Jahren hat das Team immer gemeinsam Karneval zum Rosenmontagszug gefeiert, der ja noch heute an dem Laden vorbeizieht. Da habe man sich immer „Klamotten“ aus dem Laden angezogen. Er selbst habe sich mal als Oma verkleidet, erinnert sich der ehemalige Stadtprinz: „Da war dann richtig gute Stimmung.“ Selbstverständlich wurde die Kleidung aber hinterher wieder gereinigt zum weiteren Verkauf zurückgehängt.

Inzwischen platzt der Laden aus allen Nähten, vor allem die Saisonkleidung ist teilweise in Kartons eingelagert und so dem direkten Verkauf entzogen. Mit dem Umzug zur Zeppelinstraße, wo schon heute der Caritas-„Warenkorb“ beheimatet ist, soll das mit doppelter Verkaufsfläche besser werden. Wehmut bleibt trotzdem beim aktuellen Team. „Es sind schon gemischte Gefühle, was uns dort erwartet“, muss sich Hatice Uzum erst mal an den Gedanken gewöhnen. Erst mal wird der bisherige Standort in den kommenden Tagen ausgeräumt, bevor es an neuer Adresse dann im Februar weitergeht.

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