Aktion des Rotary Clubs Ahlen
Der Chefsessel ist nicht immer nur weich

Ahlen -

Sie haben sich als Chefs beworben und den Job bekommen – für einen Tag. 17 zukünftige Abiturienten von Ahlener Schulen machten bei der vom Rotary Club Ahlen angestoßenen Aktion „Von der Schulbank in den Chefsessel“ mit .

Donnerstag, 07.02.2019, 19:30 Uhr
Juliane Schroer begleitet Jörg Arntzen bei DOW. Nach einer kleinen theoretischen Einführung (kl. Bild) geht‘s gut geschützt durch den Betrieb.
Juliane Schroer begleitet Jörg Arntzen bei DOW. Nach einer kleinen theoretischen Einführung (kl. Bild) geht‘s gut geschützt durch den Betrieb. Foto: Sabine Tegeler

Juliane schaut kurz zu ihren Schuhen hinunter. Ob auch in ihren Sohlen Polyurethan ist? Nur einen Augenblick zuvor hat Jörg Arntzen der Schülerin nämlich erklärt, dass der Kunststoff unter anderem in Schuhsohlen zu finden ist.

Jörg Arntzen ist Senior Key Account Manager des Chemieunternehmens DOW in Ahlen. Und einer von 15 Chefs, die sich an der Aktion „Von der Schulbank in den Chefsessel“ beteiligen. 13 junge Frauen und vier junge Männer tauschen am Donnerstag dem Motto entsprechend die Sitzgelegenheiten. Und stellen fest, dass ein Chefsessel nicht immer nur ein weiches Polster hat, sondern manchmal auch harte Entscheidungen mit sich bringt.

Die Aktion für zukünftige Abiturienten hat der Rotary Club Ahlen ins Leben gerufen. Aus gutem Grund, wie später der Leiter der Agentur für Arbeit, Joachim Fahnemann , noch einmal betont: In naher Zukunft werden nämlich nicht nur die Fachkräfte knapp, sondern auch die Führungskräfte. Zeit also für Unternehmen, sich in diesem Bereich ebenfalls um Nachwuchs zu kümmern.

Juliane Schroer, die oben erwähnte „Chefpraktikantin“ bei DOW, ist 18 Jahre alt und besucht die Fritz-Winter-Gesamtschule. „Ich habe von der Aktion in der Zeitung gelesen und fand, das ist eine gute Möglichkeit, ins Berufsleben zu schnuppern.“ Sicher gebe es die Berufspraktika, aber: „Das hier ist eine gute Ergänzung. Man kann doch nie genug Erfahrung sammeln.“

Wenn ich schon Chef sein kann, dann will ich mich auch kleiden wie ein Chef.

Janis Schwippe

Was sie an einem Betrieb wie DOW interessiert? „Das Internationale“, sagt Juliane, die zwar nicht Chemie in der Schule hat, aber immerhin Biologie. Und die zudem sehr gerne Englisch spricht – die Umgangssprache in dem amerikanischen Unternehmen mit dementsprechend geprägter Mitarbeiterführung: „Wir duzen uns hier“, sagt „der Jörg“ und stellt die Schülerin damit vor einer erste große Herausforderung: „Das fällt mir nicht leicht, jemanden zu duzen, der höherrangig ist“, gibt Juliane während des Rundgangs durch die Firma an der Theodor-Schwarte-Straße zu.

Aber prinzipiell findet sie diese Art von Chef nicht schlecht. Jörg Arntzen vermittelt ihr nämlich auch, dass Chefsein nicht nur etwas mit der fachlichen Kompetenz zu tun hat, sondern auch mit der sozialen. Empathie müsse man haben, Einfühlungsvermögen für die Mitarbeiter. „Motivation ist keine leichte Aufgabe“, hat Jörg Arntzen in seinem Berufsleben erfahren. Und im Falle von Stellenabbau, was er auch schon erlebt habe, müsse man sich als Chef sehr lange und sehr genau Gedanken machen, wen es trifft. Eine höchst verantwortungsvolle Aufgabe.

Janis Schwippe auf dem Chefsessel von Joachim Fahnemann (l.) Später nimmt auch Katharina Stüker dort Platz. Rechts Christian König.

Janis Schwippe auf dem Chefsessel von Joachim Fahnemann (l.) Später nimmt auch Katharina Stüker dort Platz. Rechts Christian König. Foto: Sabine Tegeler

Katharina Stüker und Janis Schwippe haben allerdings gerade ein anderes Thema. Die 20-jährige Schülerin der Fritz-Winter-Gesamtschule und der 17-Jährige St.-Michael-Gymnasiast haben nämlich die Chefsessel in der Agentur für Arbeit eingenommen und sitzen in einem Meeting, in dem es um Konzepte geht. Janis Schwippe begleitet den Leiter der Agentur, Joachim Fahnemann, Katharina Stüker den operativen Geschäftsführer Christian König. Auf die beiden Jugendlichen wartet später noch eine Leitungsrunde, die sich mit arbeitsmarktpolitischen Anforderungen und Controlling befasst. Keine leichte Kost, aber die beiden Nachwuchschefs strahlen. „Ich bin schon froh, dass ich hier bin“, sagt Janis, der sich extra für diesen Tag in Anzug und Krawatte geschmissen hat: „Wenn ich schon Chef sein kann, dann will ich mich auch kleiden wie ein Chef“, lacht er. Der Schüler schätzt es, dass ihm gegenüber Offenheit herrscht: „Man bekommt schon ein Gespür vom echten Alltag“, findet er.

Katharina Stüker hat sich schon nach kurzer Zeit auf dem Chefsessel der Agentur für Arbeit mit der Idee des Dualen Studiums angefreundet. „In der Schule wird nicht so viel darüber erzählt“, sagt sie, da gehe es mehr um die Universitätsstudiengänge. Aber dass ein Duales Studium mit seiner Praxisnähe auch eine gute Karrierebasis sein kann, das sei ihr jetzt klar geworden: „Ich glaube, ich würde deswegen auch gerne ein längeres Praktikum hier machen.“ Joachim Fahnemann und Christian König überlegen nicht lange: „Die Zusage dafür haben Sie jetzt schon.“

„Von der Schulbank in den Chefsessel“ sei in der Region ein Leuchtturmprojekt und solle keine Eintagsfliege bleiben, kündigt Joachim Fahnemann an. Die Chefs wollen bei ihren jugendlichen Vertretern ein Feedback einholen und im kommenden Jahr gegebenenfalls eine Fortsetzung auf die Beine stellen. Dann sind vielleicht auch die Kumpel von Janis Schwippe dabei, die von der Aktion erst erfahren hatten, als die Bewerbungsfrist schon vorbei war. Janis erzählte ihnen von seiner erfolgreichen Bewerbung und erntete neidvolle Bewunderung: „Mensch, hättest du mal Bescheid gesagt.“

Alina Wiese bekommt von Stadtprinz Uwe I. einen Pin angesteckt. Die Schülerin der FWG begleitet Bürgermeister Dr. Alexander Berger.

Alina Wiese bekommt von Stadtprinz Uwe I. einen Pin angesteckt. Die Schülerin der FWG begleitet Bürgermeister Dr. Alexander Berger. Foto: Sabine Tegeler

In einer anderen Verwaltung – in der Ahlener Stadtverwaltung – hat Alina Wiese einen Blick auf den Chefposten geworfen. Die 17-jährige Schülerin der Fritz-Winter-Gesamtschule begleitet den Bürgermeister als Verwaltungschef und ist von dem Job ganz angetan: „Ich habe vorher überhaupt keine Vorstellungen davon gehabt, was mich erwartet. Aber das war echt positiv“, blickt sie am Nachmittag auf ein paar abwechslungsreiche Stunden zurück: Zunächst habe sie die Assistentin von Dr. Alexander Berger kennengelernt, dann stand direkt eine Besprechung mit dem Verwaltungsvorstand auf dem Programm. Nach einer Führung durchs Rathaus habe der Bundestagsabgeordnete Bernhard Daldrup den Bürgermeister besucht: „Da durfte ich auch dabei sein.“ Zum Abschluss, sagt Alexander Berger, habe er Alina noch einen richtig schönen Termin bieten wollen: „Deswegen ist sie jetzt bei der Besprechung mit den Karnevalisten dabei.“

Der Tag habe ihr eine ganz neue Perspektive eröffnet, zieht Alina ihr persönliches Fazit: „Auf Verwaltung wäre ich vorher nie gekommen.“ Eigentlich schlage ihr Herz für die Medizin. Aber jetzt würde sie auch eine Beamtenlaufbahn nicht kategorisch ausschließen.

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