Stolpersteine
Ein Ahlener erhält seine Würde zurück

Ahlen -

Ein weiterer Stolperstein liegt: Er erinnert an Klemens Wiese, der von den Nazis im Rahmen des Euthanasieprogramms ermordet wurde.

Freitag, 08.02.2019, 17:00 Uhr
Foto mit Symbolcharakter: Manfred Kehr (l.) und Bürgermeister Dr. Alexander Berger begrüßten Elisabeth Wiese (2.v.l.) und Michaela Wiese-Weber (2.v.r.) aus Rottenburg und Rotenburg an der Wümme. Rechts der Leiter des St. Vinzenz am Stadtpark, Manfred Lechtenberg, kniend der Künstler Gunter Demnig.
Foto mit Symbolcharakter: Manfred Kehr (l.) und Bürgermeister Dr. Alexander Berger begrüßten Elisabeth Wiese (2.v.l.) und Michaela Wiese-Weber (2.v.r.) aus Rottenburg und Rotenburg an der Wümme. Rechts der Leiter des St. Vinzenz am Stadtpark, Manfred Lechtenberg, kniend der Künstler Gunter Demnig. Foto: Dierk Hartleb

Sie waren die ersten Opfer des Holocausts – die geistig und emotional Behinderten, körperlich schwer Gebrechliche, Hilflose und Kranke, die schon in den ersten Jahren der NS-Diktatur zum Opfer wurden. An die Opfer des Euthanasie-Programms im nationalsozialistischen Unrechtsstaat, der auch in Ahlen unter dieser Bevölkerungsgruppe wütete, erinnerte Bürgermeister Dr. Alexander Berger am Freitagmorgen an der Rottmannstraße 11, wo der Kölner Künstler Gunter Demnig einen Stolperstein verlegte,

Unter den rund 100 Teilnehmern, die der Verlegung beiwohnten, befanden sich auch Angehörige der Geehrten. Michaela Wiese-Weber zum Beispiel, Enkelin von Klemens Wiese . Der 1885 in Ahlen geborene Fabrikarbeiter war nach einem Aufenthalt in der Provinzialheilanstalt Gütersloh, in die er 1943 nach einem Suizidversuch eingeliefert worden war, in die Gauheilanstalt Tiegenhof bei Gnesen/Polen verlegt worden, wo sich seine Spuren verlieren. „Mit der Verlegung des Stolpersteins erhält mein Großvater ein Stück seiner Würde zurück“, stellte Michaela Wiese-Weber aufrüttelnd fest.

Mit der Verlegung der Stolpersteine werde ein „wichtiges Zeichen für Respekt und Toleranz gesetzt“, hatte Alexander Berger zuvor ausgeführt. Viel zu lange sei das Thema Rassenhygiene auch in Ahlen ein weißer Fleck geblieben. Erst in den beiden vergangenen Jahren sei einiges in Bewegung gekommen – ein besonderes Verdienst von Manfred Kehr, der sich als Mitarbeiter der Stadt Ahlen um die Aufarbeitung dieses Kapitels kümmere.

In seinem Grußwort dankte Friedel Paßmann als Vorsitzender des Beirats für behinderte Menschen der Stadt für diese Geste gegenüber den Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Einschränkungen. „Wir müssen dafür eintreten, dass es nie wieder einen Nationalsozialismus gibt“, appellierte Paßmann an die Besucher des Gedenkens. Und weiter: „Der Rassismus in Deutschland darf keinen Nährboden finden, denn wir sind alle Menschen, Migranten, Juden, Kranke und behinderte Menschen.“ Passmann erinnerte an das Schicksal eines kleinwüchsigen Mannes, von dem ihm seine Mutter erzählt habe. Der sei im Haus gegenüber an der Rottmannstraße aufgewachsen und aus Furcht vor Verfolgung durch NS-Schergen im Keller des Hauses versteckt und eingemauert worden.

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