Ausstellung auf der Zielgeraden
Erwachen aus brisanten Träumen

Ahlen / Herford -

Auf den heutigen Weltausstellungen führt die Bildende Kunst eher ein Schattendasein. Das war einmal anders, wie die Ausstellung „Brisante Träume“, die im Untertitel nicht von ungefähr den Zusatz „Die Kunst der Weltausstellung“ führt, im Kunstmuseum Ahlen und im Museum Marta in Herford deutlich macht. Nach viermonatiger Dauer geht die Präsentation am Sonntag an beiden Spielorten zu Ende.

Samstag, 09.02.2019, 21:00 Uhr
Friederike Fast und Dr. Thomas Schriefers haben die Ausstellungen in Herford und Ahlen konzipiert. Zu ihrer großen Freude ist es ihnen gelungen, die überdimensionale Leinwand Robert Delaunays zur Pariser Weltausstellung im Museum Marta zeigen zu können.
Friederike Fast und Dr. Thomas Schriefers haben die Ausstellungen in Herford und Ahlen konzipiert. Zu ihrer großen Freude ist es ihnen gelungen, die überdimensionale Leinwand Robert Delaunays zur Pariser Weltausstellung im Museum Marta zeigen zu können. Foto: Dierk Hartleb

Eindrucksvoll führt Kurator Dr. Thomas Schriefers , der bei der Konzipierung für Marta mit Friederike Fast zusammenarbeitete, im Ahlener Ausstellungsteil vor, welche Akzente die Kunst auf den Weltausstellungen in Paris (1937), New York (1939/40), Brüssel (19568), Montreal (1967) und Osaka (1970) gesetzt hat.

Wo im Marta die Wucht der großformatigen Leinwand „Air, fer, eau“ (Luft, Eisen, Wasser) den Besucher geradezu erschlägt, triumphieren im Kunstmuseum Charlotte Perriand und Fernand Léger mit ebenfalls großformatigen Bildern, die sie zur Weltausstellung 1937 in Paris fertigten und die die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Schwerindustrie als Inbegriff des Fortschritts und der damaligen Hochrüstungsphase vor dem Zweiten Weltkrieg zum Thema machten. Dass der Eiffelturm – Relikt der Pariser Weltausstellung 1889 – auch 1937 noch Künstler und Ausstellungsmacher ins­­pirierte, zumal er die Pavillons des um Deutungshoheit ringenden Nazi-Deutschlands und der Sowjetunion optisch voneinander trennte – verwundert nicht.

Dem säbelrasselnden Europa stellten die USA die Zukunftsvision einer durchrationalisierten Welt modellhaft entgegen, die in den 60er und 70er Jahren als Vision der autogerechten Stadt über den großen Teich herüberschwappte. Dass Salvatore Dali dem Kriegsgeschrei auf dem alten Kontinent seinen Traum von der Geburt der Venus gegenüberstellte, erscheint im Nachhinein wie ein verzweifelter Fingerzeig.

Dagegen entwirft Brüssel 1958 wieder ein optimistisches Bild der Zukunft, das seinen Ausdruck im Atomium findet und das trotz der Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki und der Warnung durch die Kunst auf die friedliche Nutzung der Atomenergie als angebliche saubere Energie setzt.

Montreal (1967) und Osaka (1970) knüpfen an der Vision einer total mobilen und demokratisch organisierten Gesellschaft an mit der entsprechenden Begleitmusik durch die Kunst. Den Ausblick auf die Expo 2020 in Dubai gestaltet Schriefers selbst als „eine Kontinutät der Brüche“ mit einem futuristisch anmutenden Konzept für einen deutschen Pavillon, der das Gegenbild zu einer angepassten, Retro-Architektur von heute entwirft.

„Diese Ausstellung ist in dieser Form einmalig und es wird sie in dieser Form nicht wieder geben“, sind sich beide Museumsleiter, Burkhard Leismann und Roland Nachtigäller, sicher. Ein Grund mehr, die verbleibenden zwei letzten Ausstellungstage für einen Besuch zu nutzen, in Herford führt Nachtigäller am Sonntag noch einmal selbst um 15 Uhr.

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