Vortrag von Dr. Ludger Schröer
Ein Trafohäuschen nach Kirchenmuster

Ahlen -

Vom Trafohäuschen im Berliner Park ist der Historiker Dr. Ludger Schröer ganz begeistert. In seinem Vortrag, den er auf Einladung der „Ahlener Stadtbildmacher“ hielt, ging er auf die Besonderheiten ein.

Freitag, 22.02.2019, 11:25 Uhr aktualisiert: 22.02.2019, 11:30 Uhr
Vom Trafohäuschen im Berliner Park ist der Historiker Dr. Ludger Schröer ganz begeistert. In seinem Vortrag ging er auf die Besonderheiten ein. Vorher hatte Silke Büscher-Wagner von den „Stadtbildmachern“ den Referenten vorgestellt.
Vom Trafohäuschen im Berliner Park ist der Historiker Dr. Ludger Schröer ganz begeistert. In seinem Vortrag ging er auf die Besonderheiten ein. Vorher hatte Silke Büscher-Wagner von den „Stadtbildmachern“ den Referenten vorgestellt. Foto: Peter Schniederjürgen

Fast gänzlich aus dem Landschaftsbild verschwunden, aber ehedem von erheblicher technischer Bedeutung waren die Trafohäuschen. Darüber referierte am Mittwochabend Dr. Ludger Schröer im Alten Ratssaal der Volkshochschule . Silke Büscher-Wagner , Vorsitzende des Vereins „Ahlener Stadtbildmacher“, stellte den Historiker aus Münster vor und führte in das Thema ein.

„Vor rund 100 Jahren begann die flächendeckende Elektrifizierung des Münsterlands“, sagte der Historiker. Dazu seien die bis vor wenigen Jahren allgegenwärtigen Trafo- und Umspannhäuschen eine wichtige Komponente gewesen. Sie dienten dazu, aus den 10 000-Volt-Überlandleitungen den Strom auf die haushaltsüblichen 230 oder 400-Volt Kraftstrom herunterzutransformieren.

„Als ein landschaftlich wichtiges Element zogen die Zweckbauten recht schnell die Aufmerksamkeit der Heimatschützer auf sich“, führte der Referent, der Mitglied des „Zentrums für historische ländliche Baukultur im Münsterland“ mit Sitz in Lüdinghausen ist, aus. In einer Videopräsentation zeigte er die vielgestaltigen Formen der Trafotürme. „Viele sind bereits abgerissen. Gerade in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war es für solche Bauten nicht leicht“, sagte Dr. Schröer. Die Vielfalt der Formen und Stile reichte vom schlichten, kubischen Bauhaus bis zum bunten Stilmix aus Barock, Renaissance und Klassizismus – einschließlich der „Blut- und Bodenarchitektur“ der Nazis. Viele dieser übriggebliebenen Zweckbauten führen heute ein im Wortsinn verstecktes Leben.

Eine Sanierung des Kleinods lohnt sich nach Expertenmeinung.

Eine Sanierung des Kleinods lohnt sich nach Expertenmeinung. Foto: Peter Schniederjürgen

So auch das Trafohäuschen im Berliner Park, wie eine Geschichte des Historikers bewies: „Wir parkten auf dem Parkplatz der nahen Schule und fragten eine Dame mit Hund nach dem Gebäude“, so Schröer. Die Idee dahinter: Wer mit dem Hund rausgeht, kennt sich hier aus. Die Dame habe erklärt, dass sie zwar schon ewig hier lebe, das Trafohäuschen ihr aber gänzlich unbekannt sei. Also hätten sich Historiker und Fotograf auf den Weg durch den Park gemacht. Und nach einiger Suche das Häuschen auch gefunden – beinahe komplett zugewachsen.

„Dabei ist es ein Musterbeispiel für die liebevolle Ausführung mit zahlreichen sehr schönen und erhaltenswerten Details“, befand Dr. Ludger Schröer. Besondere Aufbauweise, Gestaltung und mehr machten es zu einem ganz und gar besonderen Bauwerk. „Denn es gehört zu den Gebäuden, die das Muster einer Dorfkirche aufnahmen: Turm und Haus“, zeigte Schröer auf dem Bauplan und Fotos.

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