Indianersprecher Joe Martin
Unterwegs in heikler Mission

Ahlen -

In der kommenden Woche hat Joe Martin einen wichtigen Termin in Berlin. Dann wird der Kanadier, der zu den indigenen Einwohnern der Westküste gehört und sich selbst als Angehöriger der „First Nations“ bezeichnet, einen hohen Vertreter des Ethnologischen Museums Berlin treffen, um mit ihm Gespräche über die Möglichkeit der Rückgabe von Kulturgütern zu führen. Dabei begleiten wird ihn Rudolf Blauth. Der ehemalige VHS-Leiter kennt Joe Martin aus zahlreichen Begegnungen in Ahlen und in dessen Heimat Vancouver Island.

Samstag, 23.02.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 23.02.2019, 14:42 Uhr
Nachgeholt wird am Sonntag um 10.30 Uhr in der Ludgerikirche der krankheitsbedingt ausgefallene deutsch-indianische Gottesdienst mit Joe Martin aus Kanada (M.). Mit dabei sind Pfarrer Willi Stroband (l.) und der Weltmusiker Pit Budde aus Münster.
Nachgeholt wird am Sonntag um 10.30 Uhr in der Ludgerikirche der krankheitsbedingt ausgefallene deutsch-indianische Gottesdienst mit Joe Martin aus Kanada (M.). Mit dabei sind Pfarrer Willi Stroband (l.) und der Weltmusiker Pit Budde aus Münster. Foto: Dierk Hartleb

Fragt man Joe Martin nach der Bedeutung seiner Mission, holt der 67-jährige Umweltaktivist, der in den 1980er und 90er Jahren erfolgreich dafür kämpfte, dass zumindest Teile des temperierten Regenwaldes auf Vancouver Island zum Unesco-Biosphärenreservat erklärt wurden, weiter aus und geht zurück auf die Zeit der europäischen Siedler, die im 18. Jahrhundert nach Kanada kamen.

Für die Urbevölkerung war der Kontakt mit den Eindringlingen oft tödlich: Sie brachten viele Krankheiten wie Pocken, Typhus oder Tuberkulose mit in die neue Welt, gegen die die Urbevölkerung wenig Abwehrkräfte entwickelte. Die Mitglieder der First Nations, die überlebten, wurden in Reservate gepfercht. Nicht genug damit, dass man ihnen das angestammte Land nahm, die Siedler, die sich wie Eroberer benahmen, stahlen ihnen auch Kultgegenstände. Damit beraubte man sie auch ihrer geistigen und kulturellen Identität. „Die Masken und anderen Kultgegenstände spielen bei den Initiationsriten (Reifefeiern) eine wichtige Rolle“, erläutert Pit Budde, Weltmusiker aus Münster, der das Gespräch übersetzt.

Auf Johann Adrian Jacobsen treffen solche Vorwürfe nur bedingt zu. Der norwegische Kapitän, der seit 1880 als Forschungsreisender und Ethnograph unterwegs war, erwarb für die Völkerkundemuseen in Berlin und Hamburg zahlreiche Kulturgüter. Einige rechtmäßig gegen Bezahlung, wie Rudolf Blauth berichtet. Zur ganzen Wahrheit gehöre allerdings auch, dass er sich auch an den Baumgräbern der Indianer zu schaffen gemacht und sie ausgeraubt habe. Viele andere kultische Gegenstände befinden sich heute in einem Museum in Chicago, mit dem die Sprachgemeinschaft, zu der auch Joe Martin zählt, bereits Kontakt aufgenommen hat. Über die Erfolgsaussichten für eine Rückgabe will sich der Kanadier noch nicht zu äußern.

Entsprechend bedeckt hält er sich auch im Hinblick auf die anstehenden Gespräche in Berlin. In der Leitung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz scheint man der Rückgabe unrechtmäßig erworbener Kulturgüter aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Im Mai vergangenen Jahres übergab die Preußen-Stiftung dem Vertreter der indianischen Chugach Alaska Corporation, John Johnson, geschnitzte Masken und kleinere Fragmente einer Kinderwiege, die nachweislich aus Gräbern geraubt worden waren. Und ebenfalls im vergangen Jahr gab das Land Baden-Württemberg zwei in der Kolonialzeit geraubte Gegenstände, eine Bibel und eine Peitsche, an Namibia zurück.

„Der politische Druck auf die jeweiligen Regierungen ist groß“, stellt Rudolf Bauth fest. Auch wenn die Mission heikel ist, die Zeitumstände sind günstig.

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