„Woche der Brüderlichkeit“ eröffnet
Inhaltlich mit AfD auseinandersetzen

Ahlen -

Mit einem Plädoyer für mehr Zivilcourage hat der Journalist Olaf Sundermeyer am Sonntag im Interreligiösen Museum die „Woche der Brüderlichkeit“ in Ahlen eröffnet.

Montag, 11.03.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 09:26 Uhr
Wirkten an der Auftaktveranstaltung mit (v.l.): Nadine Köttendorf (Forum Brüderlichkeit, VHS). Olaf Sundermeyer, Schirmherr Horst Jaunich, Gastgeber und Hausherr Werner Fischer, Bürgermeister Dr. Alexander Berger und Lars König (Forum Brüderlichkeit, FBS).
Wirkten an der Auftaktveranstaltung mit (v.l.): Nadine Köttendorf (Forum Brüderlichkeit, VHS). Olaf Sundermeyer, Schirmherr Horst Jaunich, Gastgeber und Hausherr Werner Fischer, Bürgermeister Dr. Alexander Berger und Lars König (Forum Brüderlichkeit, FBS). Foto: Dierk Hartleb

Der Fernsehjournalist, Fachmann für Extremismus und Rechtspopulismus beim ARD-Sender Radio Berlin-Brandenburg ( RBB ), kritisierte in seinem Vortrag, dass sich niemand traue zu widersprechen, wenn in Cottbus öffentlich der Hitlergruß gezeigt werde. Mit einem Kamerateam hatte Sundermeyer während der Karnevalstage in Cottbus gefilmt und dabei beobachtet, wie drei Männer vor ei­nem Einkaufszentrum diesen verbotenen Gruß zeigten. Fassungslos mache ihn auch ein Vorfall am Wochenende in Chemnitz, wo im Stadion des Chemnitzer FC eine Schweigeminute für einen verstorbenen Fan des Clubs eingelegt worden sei, der ein bekennender Neonazi und bis 2007 für die rechtsextreme Organisation HooNaRa (Hooligans-Nazis-Rassisten) aktiv war. An dem selben Ort habe der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer unlängst eines seiner Sachsen-Gespräche abgehalten.

Bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg mache sich die AfD Hoffnungen, stärkste Partei zu werden, so Sundermeyer, explizit in Sachsen könne ihr das auch gelingen. Und in Görlitz rechne sich die Partei gute Chancen aus, bei der parallel zur Europawahl stattfindenden Oberbürgermeisterwahl das erste Rathaus in Deutschland zu „übernehmen“. Sundermeyers Fazit: „Die AfD will Deutschland erobern.“

Immer wieder beobachte er bei seinen Recherchen, dass die AfD-Spitzenfunktionäre in den neuen Bundesländern radikaler aufträten als im Westen. Zu dieser unrühmlichen Reihe zähle auch Dr. Christian Blex, der hiesige AfD-Landtagsabge­ordnete, der sich offen zur rechten Sammlungsbewegung „Der Flügel“ in der AfD bekenne, zu dem auch der thüringische Landesvorsitzende Björn Höcke gehöre.

Die AfD will Deutschland erobern.

Olaf Sundermeyer

Sundermeyer, der ein vielbeachtetes Buch über Alexander Gauland mit dem Titel „Gauland: Die Rache des alten Mannes“ geschrieben hat, aus dem er einige wenige Passagen zitierte, warf dem AfD-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag und anderen Spitzenvertretern der Partei vor, den Antisemitismus im Osten hoffähig gemacht zu haben.

Dennoch warnte er vor ei­ner generellen Verteufelung der Rechtspopulisten und ih­rer Wähler. Nicht alle, die die AfD wählten, seien rechtsex­trem oder neonazistisch. Sundermeyer plädierte stattdessen dafür, sich inhaltlich mit den Positionen der AfD zu beschäftigen und überall dort, wo antisemitische oder rassistische Auffassungen vertreten würden, öffentlich zu widersprechen. Im Übrigen habe die AfD zu vielen gesellschaftlichen Fragen wie Rente, Klimaschutz oder Wohnungsnot gar keine Position, wie das Sommerinterview Gaulands im ZDF deutlich vor Augen geführt habe.

Die AfD generell auszugrenzen, wie es der Deutsche Evangelische Kirchentag beschlossen habe, halte er für falsch, so Sundermeyer. Richtiger wäre es, sich mit der AfD und ihren Vertretern inhaltlich auseinanderzusetzen. Ausgrenzung bedeute immer, die AfD in eine Opferrolle zu drängen.

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