Bericht im Sozialausschuss
Ahlen Schulden-Rekordhalter im Kreis

Ahlen -

„Ahlen gehört zu den Städten mit sehr hoher Überschuldungsquote“: Eine bittere Feststellung, die Schuldnerberaterin Christa Birkner am Montag machte. Die Gründe sind vielfältig, aber eine Ursache sticht besonders heraus.

Dienstag, 12.03.2019, 20:00 Uhr
Mängel in der Haushaltsführung sind die Hauptursache für Überschuldung in Ahlen. Schuldnerberaterin Christa Birkner brachte es auf den Punkt: kein Auskommen mit dem Einkommen.
Mängel in der Haushaltsführung sind die Hauptursache für Überschuldung in Ahlen. Schuldnerberaterin Christa Birkner brachte es auf den Punkt: kein Auskommen mit dem Einkommen. Foto: Sabine Tegeler

Die Ahlener sind überschuldet. Und zwar deutlich mehr als andere im Kreis Warendorf, wie Christa Birkner am Montag feststellte. Wie in jedem Jahr war die Schuldnerberaterin der Diakonie Gütersloh zu Gast im Ausschusses für Soziales, Familien, Frauen und Senioren und wie in jedem Jahr brachte sie eine bittere Wahrheit ans Licht. 16,38 Prozent der Ahlener Bevölkerung schleppten laut Schuldneratlas Creditreform 2018 Schulden mit sich – das ist mit 0,18 Prozent eine geringe Zunahme gegenüber 2017.

„Ahlen gehört zu den Städten mit sehr hoher Überschuldungsquote – besonders im Bereich der 59229-Postleitzahl“, brachte Christa Birkner es auf den Punkt. Im Kreis Warendorf betrug die Quote „nur“ 8,95 Prozent, im gesamten Münsterland 8,52 Prozent.

136 Klienten habe die Schuldnerberatung in ihren 21 Wochenstunden im Ahlener Rathaus begleitet, 103 Fälle seien beendet worden. Und das, so erfuhr der Ausschuss auf Nachfrage von Dr. Walter Ide (FDP), bedeute, dass entweder mit Gläubigern Vergleiche geschlossen wurden oder die Klienten in die Verbraucherinsolvenz gegangen seien. Manche, so Christa Birkner pragmatisch, benötigten auch nur eine Kurzberatung, ließen ein Pfändungsschutzkonto einrichten und lebten dann mit ihren Schulden.

Christa Birkner referierte,

Christa Birkner referierte, Foto: Sabine Tegeler

Bei den Gründen für Überschuldung stehen in Ahlen die Mängel in der Haushaltsführung ganz oben: „Grob beschrieben heißt das: kein Auskommen mit dem Einkommen“, so Christa Birkner. Viele der Ratsuchenden verfügten nur über ein niedriges Einkommen und hätten zudem den Überblick über ihre Ausgaben verloren. Da würden fällige Versicherungsbeiträge oder einst vereinbarte Ratenzahlungen vergessen. Hinzu kämen Unwissen über Antragstellungen, Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden und Sprachschwierigkeiten. Wobei es sich, so zeigte sie im Tortendiagramm, bei 82 der 136 Fälle um Deutsche handelte, die zweitgrößte Anzahl sind türkische Schuldner.

Dass die Altersarmut in Ahlen nicht gestiegen ist und Frauen wie Männer gleichermaßen betroffen sind, waren abschließende Informationen, die es für die Ausschussmitglieder nicht besser machten.

Das ist Wunschkonzert – schön.

Christa Birkner

Frederik Werning (SPD) beschwor die nächste Tariferhöhung, die die Beratungsstunden in Ahlen womöglich noch einmal reduziere. Denn die Stadt zahlt der Diakonie für die Beratungsleistung einen Festbetrag von 45 000 Euro im Jahr. Steigen die Ausgaben der Diakonie, kürzt sie dementsprechend die Stunden – wie im vergangenen Jahr von 24 auf 21.

Zwar könne sie, so Christa Birkner, einen Nottermin zur Beratung innerhalb einer Woche und ein Erstgespräch in zwei bis drei Wochen anbieten, in eine Regelberatung kämen die Klienten allerdings erst nach etwa einem Jahr Wartezeit. Rund 30 Frauen und Männer stünden zurzeit auf der Liste.

Ob sie auch Präventionsarbeit leisten könne und wie viele Wochenstunden sie brauche, um die Liste zügig abarbeiten zu können, wollte SPD-Vertreter Sebastian Richter wissen. „Das ist Wunschkonzert – schön“, schmunzelte die Schuldnerberaterin: 30 fürs Abarbeiten der Liste sei wohl das mindeste. Und noch einmal zehn drauf für die Präventionsarbeit.

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