Neues Buch von Hildegard Offele-Aden
Ein weiter Weg bis in die neue Heimat Ahlen

Ahlen -

Die Ereignisse liegen 74 Jahre zurück. Damals musste Ute Wischemann mit ihrer Mutter und den drei Geschwistern Hals über Kopf Birkenmühle an der litauischen Grenze verlassen, weil die Rote Armee vor den Toren der Stadt stand. Bei eisigen 30 Grad minus. Mit Schlitten, auf Mannschaftsfahrzeugen der Wehrmacht ging es zur Hafenstadt Pillau an der Bernsteinküste und von dort aus mit dem Schiff nach Danzig- Neufahrwasser. Und dann weiter nach Berlin und später nach Ahlen.

Montag, 18.03.2019, 21:08 Uhr aktualisiert: 18.03.2019, 21:30 Uhr
Hildegard Offele-Aden.
Hildegard Offele-Aden. Foto: Dierk Hartleb

Ein Flüchtlingsschicksal wie Hunderttausende andere. Das hat Hildegard Offele-Aden zum Anlass für ein neues Buch genommen, das am kommenden Sonntag, 24. März, im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit in Heimatmuseum vorgestellt wird. „Mich interessieren Lebensgeschichten“, begründet die Autorin ihr Interesse an der Geschichte der Familie von Ute Plath , wie die seit ihrer Heirat heißt. „Sie steht exem­plarisch für viele andere.“

Erstmals darauf gestoßen ist Hildegard Offele-Aden bei einem Besuch im Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen. Dieses hat bereits 1989 der 1943 in Oslo geborenen Sigrid Sigurdsson eine Dauerausstellung für ihr Projekt „Vor der Stille – ein kollektives Gedächtnis“ eingerichtet, das Bücher, Fotografien, Notizen und Gegenstände umfasst. In einem weiteren Raum gibt es „Autorenbücher“, in denen die Besucher nach eigenem Belieben schreiben, zeichnen oder kleben können. In diesen Büchern kann man auch solche Fluchtgeschichten wie die von Ute Plath nachlesen.

Hildegard Offele-Aden nahm alsbald mit Kontakt auf, blätterte bei Besuchen in Bad Sassendorf, wohin es die heute 82-Jährige verschlagen hat, in alten Fotoalben, Briefen und Aufzeichnungen der Mutter und machte sich selbst Notizen. Doch zum Schreiben kam Hildegard Offele-Aden erst mal nicht. „Schule, Schule, Schule“, sagt sie nur vielsagend und verweist auf ihre verantwortungsvolle Tätigkeit zunächst als Konrektorin, dann als Rektorin an der Dolberger Lambertischule.

Zeit zum Schreiben fand sie erst nach der Pensionierung im Jahr 2012 wieder. Zunächst entstand der Gedichtband „Novemberrot“. Gleichberechtigt neben den Lebensgeschichten steht bei der gebürtigen Ahlenerin die Freude an der Lyrik.

Die diesjährige Woche der Brüderlichkeit war ein guter Anlass, die Arbeit an dem Projekt mit Ute Plath wiederaufzunehmen. „Anders als bei dem Gedichtband wollte ich diesmal mit einem Verlag zusammenarbeiten“, erklärt Hildegard Offele-Aden. Der in Ahlen ansässige „Anno Verlag“, der sich unter anderem auf Regionalgeschichte spezialisiert hat, habe sich geradezu angeboten. Bei Verlagsleiter Bernd Krümmer fand sie sofort ein offenes Ohr. Und er machte ihr den Vorschlag, die Familiengeschichte noch mit Informationen anzureichern über Königsberg, die Hauptstadt Ostpreußens, die Hafenstadt Pillau, das zerstörte Berlin, in dem die Flüchtlingsfamilie ein Jahr lang lebte, sowie über die Situation der Flüchtlinge im Deutschland des Jahres 1945 und im Besonderen in Ahlen. Diese beiden Kapitel steuerte Ehemann Heinz Aden dazu.

Ute Plath, die nachdem die Familie in Ahlen trotz anfänglicher Anfeindungen der Nachbarn eine neue Heimat gefunden hatte, machte nach der Volksschule am Mädchengymnasium St. Michael die „Mittlere Reife“, um danach Erzieherin zu werden. Sie hatte eine Anstellung in einem Kinderheim in Köln gefunden und wurde nach der Familiengründung im Kreis Soest heimisch. Die alte Heimat – das heutige Kaliningrad – hat sie schon oft bereist, sozusagen als Botschafterin für Verständigung und Versöhnung. Auch in der Anti-Atom-Bewegung ist sie aktiv, ausgelöst durch die Reaktorunfälle erst in Tschernobyl und später in Fukushima. Wenn am Sonntag um 17 Uhr im Heimatmuseum das Buch „Ein weiter Weg – von Königsberg nach Ahlen“ vorgestellt wird, will sie natürlich zugegen sein.

Hildegard Offele-Aden hofft, dass die 102 Seiten auch dazu beitragen, die Geflüchteten heutiger Tage besser zu verstehen und was es bedeutet, unfreiwillig die angestammte Heimat meist noch unter großen Gefahren zu verlassen.

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