Christian Ehring in der Stadthalle
Viel Saures für salonlinke Allüren

Ahlen -

Von seinem fiktiven Sohn, dem er ein unfreiwillig soziales Jahr in einem Dritte-Welt-Slum verpassen will, erzählte Christian Ehring bei seinem Auftritt in der Ahlener Stadthalle.

Sonntag, 24.03.2019, 13:00 Uhr
Überzeugend in der Rolle als Vater und als Hausherr, dem die altruistische Hilfsbereitschaft seiner Frau, einen Flüchtling aufzunehmen, doch etwas zu weit und vor allem zu schnell geht
Überzeugend in der Rolle als Vater und als Hausherr, dem die altruistische Hilfsbereitschaft seiner Frau, einen Flüchtling aufzunehmen, doch etwas zu weit und vor allem zu schnell geht Foto: Reinhard Baldauf

Joggen, Schwimmen oder Trendsportarten – alles nicht das Ding von Christian Ehring . Der Kabarettist aus dem Rheinland liebt es eher absonderlich und hat nach längerem Suchen seine ganz persönliche Lieblingsportart gefunden: Rückbildungsgymnastik. Ist das nicht jungen Müttern vorbehalten? Macht nichts, denn seitdem er seine Beckenbodenmuskulatur trainiert, erwidert er selbstbewusst auch den Blick jedes in der Muckibude gestählten Bizeps-Typen.

Mit solchen Schoten un­terhielt Ehring, der am Donnerstagabend auf Einladung der Kulturgesellschaft in der Stadthalle gastierte, sein Publikum und war sich auch nicht zu schade, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Die leichten Anlaufschwierigkeiten, als einige Besucher noch verzweifelt ihre Sitzplätze in der falschen Reihe suchten, und Ehrings anfänglicher Kampf mit der Tontechnik waren schnell vergessen, nachdem er von seinen vergeblichen Versuchen, seinem inzwischen 18-jährigen Sohn eine gedeihliche Erziehung angedeihen zu lassen, berichtete. Dem fiktiven Filius – Ehring ist in Wahrheit stolzer Vater von zwei Töchtern und lebt mit seiner Familie in Düsseldorf – wollte er unbedingt einen Aufenthalt in ei­nem Slum einer asiatischen, afrikanischen oder südamerikanischen Großstadt als unfreiwillig soziales Jahr verpassen, weil sich das heute bei Bewerbungen doch so gut macht.

Die Gespräche mit seinem Sohn, der als Couch-Potato sogar im liegenden Zustand zwei Umzüge über sich ergehen lassen muss, zogen sich wie ein roter Faden durch das mehr als zweistündige Programm mit dem Titel „Keine weiteren Fragen“. Zwischendurch wechselte der Kabarettist immer mal wieder vom Stehtisch zum Flügel, um selbst Geschriebenes vorzutragen.

Schlagartig veränderte sich die Stimmung im Saal, als die Sprache auf das Thema Flüchtlinge kam. Nachdem Sohnemann das „Hotel Mama“ verlassen hat und zur Slum-Erfahrung nach Buenos Aires aufgebrochen ist, kann jetzt doch endlich ein Flüchtling in der Einliegerwohnung aufgenommen werden, wie seine Frau vorschlägt. Tolle Idee, findet auch der grün-linksliberal eingestellte Hausherr, aber doch bitte nicht sofort. Schließlich muss man doch nicht jede Idee auch stante pede umsetzen, oder?

Mit solchen Seitenhieben auf salonlinkes Gehabe verulkte Ehring immer wieder die eigene Spezies, ohne dabei jedoch den Standpunkt des hilfsbereiten und fest auf dem Boden des Grundgesetzes und zum Asylrecht stehenden Staatsbürgers in Frage zu stellen. Den mit leichter Verzögerung wieder einsetzenden Beifall quittierte Ehring erleichtert und wähnte das Publikum weiter in der Überzeugung hinter sich, dass der Feind nicht die Menschen in Not sind. sondern Rechtspopulisten wie die Vertreter der AfD, die zwar das Wort Christentum ständig im Mund führen, sich aber wenig christlich verhalten.

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