Neues Buch von Hildegard Offele-Aden
Vergebung und Versöhnung

Ahlen -

Volles Haus im Heimatmuseum. Der Anlass: Hildegard Offele-Aden präsentierte ihr Buch über eine Fluchtgeschichte.

Montag, 25.03.2019, 18:30 Uhr
Gute Resonanz: Nicht nur die Sitzplätze, sondern auch viele Stehplätze an den Wänden der Tenne im Heimatmuseum waren bei der Lesung am Sonntagnachmittag belegt.
Gute Resonanz: Nicht nur die Sitzplätze, sondern auch viele Stehplätze an den Wänden der Tenne im Heimatmuseum waren bei der Lesung am Sonntagnachmittag belegt. Foto: Ralf Steinhorst

Die letzte Veranstaltung der „Woche der Brüderlichkeit“ stieß am Sonntagnachmittag auf sehr großes Interesse. Trotz des sonnigen Frühlingswetters war das Heimatmuseum zur Lesung von Hildegard Offele-Aden zu ihrem Buch „Ein weiter Weg – Von Königsberg nach Ahlen“ so gut besucht, dass einige Besucher abgewiesen werden mussten.

Gekommen war auch Ute Plath , aus deren Sicht das Buch über die Flüchtlingsgeschichte ihrer Familie geschrieben ist. „Wir werden eine Zusatzlesung anbieten“, versprach VHS-Leiterin Nadine Köttendorf beim Blick in die volle Tenne. Aber auch die anderen Veranstaltungen der „Woche der Brüderlichkeit“ seien gut besucht gewesen, empfand sie. Erinnerungskultur in Ahlen habe ihren Platz.

„Die Lebensgeschichte ist kein Rückblick im Zorn, sondern Vergebung und Versöhnung“, betonte Verleger Frank Krümmer vom Anno-Verlag in seiner Begrüßung die Aussage des Buches. „Das menschliche Schicksal legt uns die Autorin ans Herz“, leitete Altbürgermeister Benedikt Ruhmöller die Lesung ein. Der Buchinhalt einer deutschen Fluchtgeschichte zeige, dass Flucht und Vertreibung eben kein exotisches und fernes Geschehen ist. Ruhmöller empfahl, dass sich die Stadtbücherei einen Klassensatz anschafft, damit sich Ahlener Schüler mit dem „wichtigen und wertvollen Buch“ auseinandersetzen können.

Hildegard Offele-Aden präsentierte in der Lesung verschiedene Kapitel, welche die Zeitabschnitte von 1937 vom Leben im ostpreußischen Königsberg bis zum gefühlten Ankommen in Ahlen im Jahr 1952 erzählten. Die Phasen wurden mit Fotos, auch aus dem Familienalbum von Ute Plath, angereichert. In den Erzählpausen begleiteten die „Gebrüder Möxel“ mit Axel Ronig und Thomas Gerullis die Lesung.

Hildegard Offele-Aden

Hildegard Offele-Aden Foto: Ralf Steinhorst

„Jeder Mensch hat eine spannende Geschichte“, blickte Offele-Aden im Gespräch mit Ute Plath, moderiert von Nadine Köttendorf, zurück auf die Idee des Buches. Die Entstehungsgeschichte führte zugleich zu einer tiefen Freundschaft zwischen Autorin und Protagonistin. Tagebuchaufzeichnungen der Mutter von Ute Plath, Interviewaufzeichnungen und begleitende historische Fakten ergaben am Schluss das Gesamtwerk.

Mit der Geburt Ute Plaths im Februar 1937 beginnt die Erzählung, einem Frühlingsbeginn voller Hoffnung und unbeschwerten Kindertagen. Im zweiten Kapitel kommt 1941 mit den ersten Bombenangriffen der Krieg näher, mit dem Fall Stalingrads 1943 dann bald auch die Ostfront. 1944 erfolgt schließlich die erste Umquartierung ins nahe Birkenmühle: „Die Kinder empfanden die Situation noch als Abenteuer.“ Weitere Evakuierungen folgten, Königsbergern war vom Nazi-Regime eine Flucht nach Westen verboten. Im Januar 1945 setzten schließlich doch die Flüchtlingstrecks ein. Die Familie konnte zunächst per Schiff nach Danzig fliehen, später dann im Treck bei Eiseskälte von minus 25 bis 30 Grad Celsius nach Berlin. Eine Begegnung mit einem russischen Soldaten, der die grausame Tötung seiner Kinder durch deutsche Soldaten schilderte, verdeutlichte das Kriegsgrauen auch aus anderer Sicht.

Im Juni 1945 schließlich verschlug es die Familie nach Ahlen, wohin der Vater der Familie nach seiner Kriegsgefangenschaft gebracht worden war. Aber auch die ersten Jahre dort waren als Flüchtlinge nicht einfach: „Flüchtling und evangelisch, das war das Schlimmste, was dir im katholischen Ahlen passieren konnte.“

Trotzdem war die Familie dann 1952 gefühlsmäßig in Ahlen angekommen. „Das Buch ist sehr gut geworden“, lobte Ute Plath am Schluss. Das Gefühl von Versöhnung sei wichtiger als die Frage, welche Heimat die richtige ist, verdeutlichte sie.

Wir werden eine Zusatzlesung anbieten.

Nadine Köttendorf

 

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