„SaniTrans“ verklagt VW auf Schadenersatz
Fahrverbote würden Existenz bedrohen

Ahlen -

Was Adrian Blaschke am meisten auf die Palme bringt, ist die „Arroganz“ bei VW. Er finde in Wolfsburg kein Gehör. Das will sich der Inhaber des Krankentransportunternehmens „SaniTrans“ jetzt mit einer Klage auf Rückabwicklung der Kaufverträge für insgesamt zehn Dieselfahrzeuge verschaffen.

Dienstag, 09.04.2019, 18:04 Uhr
Adrian Blaschke fühlt sich von VW vorsätzlich geschädigt. Er fordert die Rückabwicklung der Kaufverträge über zehn Fahrzeuge.
Adrian Blaschke fühlt sich von VW vorsätzlich geschädigt. Er fordert die Rückabwicklung der Kaufverträge über zehn Fahrzeuge. Foto: Ralf Steinhorst

Erst spät erkannte Adrian Blaschke , Geschäftsführer der SaniTrans Ahlen, welche Auswirkungen der Dieselabgasskandal bei VW auch für ihn und seine Firma hat. Zehn seiner Fahrzeuge von Volkswagen sind konkret betroffen, er geht nun juristisch gegen den Autohersteller vor. Aber auch das, wie der 39-Jährige es nennt, „dreiste“ Verhalten der Wolfsburger treibt dem Unternehmer die Zornesröte ins Gesicht.

„Ich finde bei VW kein Gehör und mache mir Sorgen um die Patienten, wenn für uns Fahrverbote eintreten“, darum will Adrian Blaschke gegen den Autoriesen ins Feld ziehen und hat sich mit Tolgay Eyrice, Ursula Gunkel und Sebastian Steinmann von der Bielefelder Kanzlei Gunzel, Kunzenbacher und Partner juristischen Beistand geholt. Die Anwälte vertreten nach eigenen Angaben über 700 betroffene Mandanten in dieser Causa und haben auch schon erfolgreich Vergleiche mit dem Konzern geschlossen.

Kein Gehör bei VW zu finden, war auch der Auslöser für Adrian Blaschke, jetzt an die Öffentlichkeit zu gehen. Dass er gestern zu einem Pressegespräch auch überregionale Medien eingeladen hatte, ist seines Wissens in Wolfsburg „angekommen“.

Ich mache mir Sorgen um die Patienten, wenn für uns Fahrverbote eintreten.

Adrian Blaschke

Konkret geht es um neun „Caddys“ für Krankenfahrten und einen „Passat“ als Geschäftsführerfahrzeug. Dass sechs von den Fahrzeugen von 2015, also vor Offenlegung des Skandals, nicht den Normen entsprechen, sei schon schlimm genug, findet Blaschke. Dass bei den später bezogenen Fahrzeugen mit Add-Blue-Zusatz ab 2016 nach Bekanntwerden des Skandals trotzdem eine verbotene Abgasabschalteinrichtung eingebaut wurde, macht ihn fassungslos und wütend. Vor dem Landgericht Münster klagt er inzwischen auf Rückabwicklung des Kaufvertrages für die ersten sechs Fahrzeuge, eine Klage bezüglich der weiteren vier Fahrzeuge wird in Kürze folgen. „Schadensersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung“, erklärt Anwältin Ursula Gunkel den juristischen Fachbegriff.

„Ich habe den Skandal zunächst nur zur Kenntnis genommen – als die ersten Fahrverbote kamen, wurde ich kribbelig“, blickte Adrian Blaschke auf den Beginn seines Gedankenprozesses zurück. Da er auch Patienten ins Ruhrgebiet verlegt, könnte er früher oder später von Fahrverboten betroffen sein, schwante ihm. Abgesehen von dem wirtschaftlichen Schaden beim Wiederverkauf, den er schon beim „Passat“ spürt. Die vorgesehenen 28 000 Euro Ablösewert sind bei weitem nicht mehr erzielbar. Werde den „Caddys“ möglicherweise sogar die Betriebserlaubnisse entzogen, sieht er auch für seine Patienten Unheil aufkommen, denn dann wäre die Transportkapazität mit Tragestühlen regional nicht mehr vorhanden. Immerhin absolviert er jährlich bis zu 18 500 Patientenfahrten, darunter beispielsweise für Dialysepatienten.

Mit VW strebt er einen Vergleich an, der seinen betriebswirtschaftlichen Schaden ausgleicht. Denn der Konzern gehe gerne Vergleiche ein, damit kein Kunde bis in die letzte Instanz klagt, wie die Anwälte bekräftigen. Die Juristen hätten aber gerne ein solch höchstrichterliches Urteil, wenn ein betroffener VW-Kunde den mühsamen Weg einschlägt. Adrian Blaschke hätte nicht übel Lust, dem Autobauer seine Grenzen aufzuzeigen. Denn die „Arroganz“ bei VW störe ihn gehörig. Zwar rüstete VW zwei der Fahrzeuge mit Softwareupgrades nach, die aber beheben nach Gerichtsurteilen den Mangel nicht.

Noch in diesem Jahr wird Blaschke ein neues Fahrzeug anschaffen müssen, unabhängig davon, wie es mit dem bestehenden Fuhrpark weitergeht: „Ich denke darüber nach, auf Hybridfahrzeuge umzusteigen.“ Auch E-Mobilität könnte ein Thema sein. Diesel ganz sicher nicht mehr.

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