In Gemmerich
Noch zwei tote Rotmilane

Ahlen -

Gift ist vermutlich die Todesursache: Zwei weitere Rotmilane sind in Gemmerich verendet. Der Finder erstattete Anzeige.

Freitag, 12.04.2019, 10:50 Uhr
In Gemmerich wurden zwei tote Rotmilane neben ebenfalls verendeten Kaninchen gefunden. Ein erster Verdacht deutet auf Vergiftung hin. Die Bürgerinitiative Gegenwind verweist in einem Schreiben an den Landrat auf die „planungsrelevanten Vögel“.
In Gemmerich wurden zwei tote Rotmilane neben ebenfalls verendeten Kaninchen gefunden. Ein erster Verdacht deutet auf Vergiftung hin. Die Bürgerinitiative Gegenwind verweist in einem Schreiben an den Landrat auf die „planungsrelevanten Vögel“.

Zwei tote Rotmilane und verendete Kaninchen in Gemmerich beschäftigen wieder die Anwohner, die auch Mitglieder der Bürgerinitiative Gegenwind sind. In einem Schreiben an Landrat Dr. Olaf Gericke machen sie ihrem Ärger Luft, ziehen Schlüsse und stellen Fragen: Ob jetzt, wo das Genehmigungsverfahren für zwei Windenergieanlagen in diesem Bereich läuft, nicht doch noch eine vertiefte Artenschutzprüfung angesagt wäre, zum Beispiel.

Gefunden wurden die toten Tiere am vergangenen Wochenende von Malte Busch , seines Zeichens Mitarbeiter des Deutschen Dachverbands Avifaunisten (DDA) in Münster. „Ein Vogel war mit einem GPS-Peilsender versehen. Und der sendete nur noch von einem Ort“, berichtet Malte Busch im Gespräch mit der AZ, dass er auf Bitte eines Schutzprojekts in Halberstadt nach Ahlen hinausgefahren sei: „Der Vogel lag verendet auf einem Kaninchenkadaver. Und einen zweiten Rotmilan habe ich wenige Meter daneben gefunden.“ Rotmilane und mehrere tote Kaninchen nahm der Fachmann mit nach Münster und brachte sie zum CVUA (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe). Der toxikologische Befund stehe noch aus, „aber man hat mir gesagt, dass alles darauf deutet, dass die Kaninchenkadaver vergiftet waren“, berichtet Malte Busch. Er habe Anzeige gegen Unbekannt erstattet: „Für den Rotmilan hat Deutschland eine besondere Verantwortung“, erklärt der Fachmann: „Denn ein Großteil der weltweiten Population brütet in Deutschland.“ Der Rotmilan steht als „gefährdet“ auf der Roten Liste.

Ein erster Rotmilan war Mitte Oktober nahe der Straße Pferdekamp gefunden worden (die AZ berichtete). Und auch der sei an Gift verendet, sagt Anwohnerin Katja Henrichmann, die gemeinsam mit ihren Mitstreitern von der Bürgerinitiative nicht „ins Blaue“ spekulieren will. Einen Seitenhieb können sich die Gegenwind-Mitglieder in dem Schreiben an den Landrat allerdings nicht verkneifen: „Es ist schon interessant, dass gerade in der jetzigen Genehmigungsphase der beantragten WEA die planungsrelevanten Vögel vermehrt getötet aufgefunden werden. Dafür, dass in diesem Gebiet doch eigentlich keine planungsrelevanten Tiere vorkommen dürften, werden derzeit hier aber ziemlich viele gefunden“, heißt es da. Jetzt solle die Genehmigungsbehörde im eigenen Interesse abwägen ob nicht doch noch eine vertiefende Artenschutzprüfung von einem unabhängigen Gutachter erstellt werden müsste. Zudem weisen die Absender darauf hin, „dass auch die Rohrweihen mittlerweile bereits mehrfach wieder über dem Acker gesichtet wurden. Sofern auch diese vom Ködergift fressen, führt dies das Rohrweihenschutzprogramm des Kreises Warendorf im südlichen Stadtgebiet von Ahlen ad absurdum“.

Für den Kreis Warendorf als Untere Naturschutzbehörde sei das Verfahren um die Genehmigung der beiden geplanten Windenergieanlagen noch längst nicht abgeschlossen, wie Pressesprecher Thoma Fromme auf Anfrage betont: „Es gibt noch etliche offene Fragen.“ Der Fund dieser beiden Rotmilane fließe da auf jeden Fall mit ein, ohne allerdings zu einem alleinentscheidenden Kriterium zu werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6537775?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Schienenersatzverkehr: Pendler kommen nur mit Geduld ans Ziel
Zugstrecke Münster-Osnabrück: Schienenersatzverkehr: Pendler kommen nur mit Geduld ans Ziel
Nachrichten-Ticker