Erinnerungen eines Ahleners
Eisiges Wetter beim Schanzen-Sturm

Ahlen -

Die Entscheidungsschlacht im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 ist so lange her, dass es keine Zeitzeugen mehr gibt. Glücklicherweise schrieb die Enkelin eines Ahlener Kämpfers dessen Erinnerungen auf.

Montag, 15.04.2019, 17:00 Uhr
In historischen Uniformen beteiligen sich Traditionsverbände aus Deutschland und Dänemark Jahr für Jahr an der Zeremonie auf den ehemaligen Schlachtfeldern von Düppel. Dank der Initiative des Freundeskreises Ahlener Soldaten gibt es seit 2001 eine gemeinsame Gedenkfeier.
In historischen Uniformen beteiligen sich Traditionsverbände aus Deutschland und Dänemark Jahr für Jahr an der Zeremonie auf den ehemaligen Schlachtfeldern von Düppel. Dank der Initiative des Freundeskreises Ahlener Soldaten gibt es seit 2001 eine gemeinsame Gedenkfeier.

In zeitiger Frühe verlassen Soldaten des Ahlener Aufklärungsbataillons 7 und Mitglieder des Freundeskreises Ahlener Soldaten am Donnerstag, 17. April, die Stadtgrenzen. Es geht erneut nach Sonderburg, zum Gedenktag der Schlacht auf den Düppeler Schanzen im deutsch-dänischen Krieg von 1864.

Zahlreiche Soldaten aus Ahlen waren einst an den dramatischen Ereignissen beteiligt. Einer von ihnen war Friedrich Zumloh (†). Vor rund 80 Jahren, als er noch lebte, erzählte er seiner Enkelin Elisabeth Heumann von diesem Krieg. „Kum, ick will di mol mine Orden wiesen“, war die Einleitung des alten Bauern, wenn er Lust hatte, alte Kriegsgeschichten zu erzählen. In seiner Enkelin Elisabeth fand er eine dankbare Zuhörerin. „Es war ein strenger Winter von 1863 auf 1864“, erinnerte sich Zumloh. Er hatte auf Hof Heumann in Brockhausen eingeheiratet. Für den jungen Bauern war es keine leichte Zeit. Der Mann hatte gerade seinen zweijährigen Wehrdienst als Füsilier hinter sich. Seit rund einem Jahr war er nun wieder Zivilist – oder besser Reservist des 5. Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 53.

„Es krachte schon eine Weile zwischen Preußen und Dänemark. Der olle Bismarck trieb‘s wohl auf einen Krieg hin. Im Winter, Mitte Januar, bekam ich meine Einberufung nach Warendorf zu den Füsilieren unseres Regiments“, erzählte der alte Mann seiner Enkelin Elisabeth, die dessen Worte glücklicherweise aufschrieb. So verfügt die „AZ“ heute über einen Bericht aus erster Hand.

„Es folgte der Marsch vom Münsterland an die Dänische Ostküste. Das erste Stück ging es mit der Eisenbahn bis Minden. Von da an zu Fuß“, erinnerte sich der spätere Gefreite Zumloh. In langen Märschen sei das Regiment mit seinen Grenadieren und Füsilieren nach Norden gezogen – vorbei an Hamburg und geradewegs auf die dänische Befestigung, das Danewerk, zu.

Am 11. Februar erreichte der Münsterländer mit seinen Kameraden die vor der dänischen Festung Sonderburg gelegenen schwer befestigten Düppeler Höhen. „Jetzt hieß es graben, graben, graben. Wir mussten uns in den Sappen langsam an die Dänen heranwühlen“, schilderte der Veteran seinen ersten Auftrag vor der Schlacht. Sappen, das sind zickzackförmige Gräben, die für das Abwehrfeuer der Verteidiger nicht zu erreichen sind. So näherten sich die Sturmtruppen unaufhaltsam der feindlichen Stellung. „Unsere Artillerie heizte denen ganz schön ein. Die Dänen hatten alte, aber schwere Vorderladerkanonen“, berichtete Fritz Zumloh.

Dramatisch schilderte er die Kräfteverhältnisse: Es standen den 11 000 dänischen Verteidigern nicht weniger als 34 000 Preußen und Verbündete gegenüber. Zumloh verfügte mit seinen preußischen Kameraden über die damals modernste Waffentechnik, die Zündnadelgewehre. „Wir konnten mit diesen Hinterladern schnell und liegend schießen, die Dänen mit ihren Vorderlader-Musketen nur stehend oder kniend“, wusste der preußische Soldat. Trotz regelmäßiger Ablösungen sei die Belagerung eine harte Sache gewesen. Es gab wenige Unterkünfte. Zelte schützten die Preußen nur unzulänglich vor den gröbsten Witterungsunbilden. Auch waren sie mit ihrer Ausrüstung nicht zufrieden. Es fehlte an wasserdichten Mänteln. Feldflaschen gab es nur als Beute von den Dänen. „Die hatten große gewachste Planen für ihre Schlafdecken, da waren wir scharf hinterher“, berichtete der Bauer im hohen Alter seiner Lieblingsenkelin. „Oft blickten wir neidisch über den Grabenrand, während sich da aus Ofen-Schornsteinen der Schanzen Rauch kräuselte. Wir haben erbärmlich gefroren“, schauderte es den alten Erzähler.

Nach Monaten der Belagerung wurde es unruhig. Am Abend vor der Nacht vom 17. auf den 18. April bezogen die Sturmkolonnen ihre Position vor den Schanzen. „Mit Tagesanbruch steigerte sich das Artilleriefeuer“, erzählte der Opa seiner Enkelin und drehte dabei versonnen die Düppel-Medaille in der Hand. „Als es um Schlag 10 Uhr abbrach, stürmten wir unter lautem Hurra-Gebrüll auf die große Schanze zu“, so der in den 1930er Jahren verstorbene Landwirt. Später sollte diese Schanze den Namen „Westfalen-Schanze“ erhalten.

Noch heute ist der 18. April ein besonderer Tag im Dänischen Königreich. An der Kranzniederlegung an den Ehrenmalen sind Zilivisten und Soldaten aus beiden Ländern beteiligt – und seit 19 Jahren auch der Freundeskreis Ahlener Soldaten.

Kum, ick will di mol mine Orden wiesen.

Friedrich Zumloh (†)
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6545864?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F126%2F
Lagerhalle einer Zimmerei an der K 20 völlig zerstört
Großalarm für die Feuerwehr am Ostersonntag um kurz vor 16 Uhr. Zwei Löschzüge aus Everswinkel und Alverskirchen sowie eine Drehleiter aus Sendenhorst werden zur Brandbekämpfung alarmiert.
Nachrichten-Ticker