Interreligiöses Museum
Bauhaus gibt‘s auch im Sakralen

Ahlen -

Mit Bauhaus wird Architektur verbunden, dann Möbeldesign. An sakrale Gegenstände denken wohl die wenigsten. Im Interreligiösen Museum ist so ein rares Stück zu sehen – ein Ciborium.

Donnerstag, 18.04.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 19.04.2019, 20:20 Uhr
 Raphael Fischer mit dem Bauhaus-Ciborium.Dieses rare Stück sei Kunsthistorikern beim Besuch des Museums schon immer aufgefallen, sagt Raphael Fischer über das Bauhaus-Ciborium.
 Raphael Fischer mit dem Bauhaus-Ciborium.Dieses rare Stück sei Kunsthistorikern beim Besuch des Museums schon immer aufgefallen, sagt Raphael Fischer über das Bauhaus-Ciborium. Foto: Reinhard Baldauf

Das Bauhaus-Jubiläum hat ein Ausstellungsstück im Interreligiösen Museum im Goldschmiedehaus in den Vordergrund gerückt. Es handelt sich um ein Ciborium (Ziborium), gefertigt im Bauhausstil um 1930 in Altena. Das knapp 30 Zentimeter hohe sakrale Gefäß wurde in Silber gedrückt und gegossen, ist graviert und vergoldet. Goldschmiedemeister Raphael Fischer betonte bei der Vorstellung: „Es hat seinen Platz im Museum gefunden, ohne besonders alt zu sein – aber der Bauhausstil ist bei Sakralem sehr selten.“

Das Ciborium habe schon ein sehr „innovatives Design“, betonte Fischer, dass dieses Stück Kunsthistorikern beim Besuch des Museums schon immer aufgefallen sei. „Wir möchten mehr regionale Objekte ins Museum holen“, kündigte er zudem zur Ausrichtung des Interreligiösen Museums an. Das gelte besonders, seit er im Dezember 2016 Landesinnungsmeister der Gold- und Silberschmiede sowie Juweliere geworden ist.

Ein Ciborium ist ein Gefäß, das in der römisch-katholischen Kirche sowie den orthodoxen Kirchen zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien verwendet wird. Das Ausstellungsstück mit Deckel ist betont in schlichter, geometrisch klarer Gestalt des Bauhausstils gefertigt. Als Bekrönung ist dem Deckel ein Kreuz mit Strahlen auf der Kuppel aufgeschraubt. Am unteren Rand der Kugel wiederholt sich die Zackengravur des unteren Teils.

„Die einfache, auf wesentliche Formen reduzierte Gestalt des Ciboriums ist Ausdruck eines neuen Stilempfindens, das gegenüber den traditionellen Formen einen völlig Neuansatz gestalten möchte“, so Raphael Fischer, der weiter ausführte: „Die klare Linienführung des Sakralgeräts ist mehr als bloße Äußerlichkeit. Sie ist das Ergebnis einer angestrebten Einfachheit.“ Dahinter stehe der Wille zur Reform des christlichen Lebens und der Liturgie.

So gelte, dass die fast ornamentlose Form des Geräts vom Betrachter geistige Kraft fordere und dessen Blick auf das Wesentliche und Ursprüngliche der Liturgie lenke: auf das sich Öffnen des Gläubigen, durch dessen aktive Teilnahme am liturgischen Geschehen sich die Gegenwart Gottes im Menschen erfüllen wolle. Dieses Ciborium solle zum kreisend-zentralen Aktionsablauf formen und die „Leibhaftigkeit des Wortes“ zur Erfüllung bringen. Raphael Fischer, der dieses Jahr die Leitung des Museums von seinem Vater Werner Fischer übernommen hat, weiter: „Die formale Reduzierung des Ciboriums betont diesen Vorgang der Personen und der liturgischen Handlungen vor den Dingen und Symbolobjekten.“

Für Gruppen-Besuche stehen die Werktage und beschränkt auch die Wochenenden nach vorhergehender Absprache zur Verfügung. Führungen sind auf Wunsch möglich.

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