Neues aus Teltow
Von der Rübchen- zur Hafenstadt

Ahlen / Teltow -

Viele spannende Neuigkeiten erfuhr Christoph Wessels, Leiter des Fachbereichs für Kultur und Weiterbildung im Ahlener Rathaus, zu Beginn der Woche bei einem Kurzbesuch im brandenburgischen Teltow. So steht der neue Sportboothafen am Teltowkanal unmittelbar vor der Eröffnung. Und seit September 2018 hat Teltow eine vierte Partnerstadt: Rudong in China.

Freitag, 19.04.2019, 20:18 Uhr aktualisiert: 21.04.2019, 19:54 Uhr
Noch ist der neue Stadthafen eine Baustelle, aber am 12. Mai sollen die ersten Boote an den Stegen anlegen können. Zur Eröffnung hat sich auch eine Delegation des Ahlener Vereins für Städtepartnerschaft angemeldet.
Noch ist der neue Stadthafen eine Baustelle, aber am 12. Mai sollen die ersten Boote an den Stegen anlegen können. Zur Eröffnung hat sich auch eine Delegation des Ahlener Vereins für Städtepartnerschaft angemeldet. Foto: Peter Harke

Dirk Pagels, Kulturassistent bei der Stadt Teltow, macht sich einen Spaß daraus, Besucher, die er zum „Ahlener Platz“ beim S-Bahnhof führt, auf die Probe zu stellen: „Finde den Fehler!“ Nicht jeder kommt sofort drauf. Das Hinweisschild, das die Entfernung nach Rudong mit 8307 Kilometern angibt, weist in die falsche Himmelsrichtung, nach Westen. Tatsächlich liegt Teltows neue Partnerstadt im äußersten Osten Chinas, oberhalb von Shanghai, am Gelben Meer. Geradezu ein Katzensprung ist es im Vergleich dazu nach Ahlen oder Żagań in Polen, allzu weit auch nicht nach Gonfreville l‘Orcher in Frankreich.

Neue Städtepartnerschaft mit Rudong in China

Aber nicht nur wegen der größeren geografischen Distanz wird die im September 2018 offiziell besiegelte Städtepartnerschaft mit Rudong eine andere Qualität haben als die drei anderen. Darüber ist sich Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt im Klaren. Wobei sich sprachliche Hürden noch relativ einfach überwinden lassen, leichter jedenfalls als politische und kulturelle Unterschiede. Schmidt findet aber gerade diesen Aspekt spannend, sieht eine Chance darin, dass „Menschen sich über Systemgrenzen hinweg kennenlernen und ein Verständnis füreinander entwickeln“.

So wollen die Teltower den Austausch mit der 1,1-Millionen-Stadt im Reich der Mitte auch schwerpunktmäßig in den Bereichen Kultur und Sport pflegen. Im Sommer wird bereits zum zweiten Mal eine Jugend-Fußballmannschaft aus Rudong nach Brandenburg kommen. Die Gegenseite verfolgt – nicht überraschend – auch unverhohlen wirtschaftliche Interessen. Es gebe bereits konkrete Absichtserklärungen chinesischer Investoren, sich in Teltow zu engagieren, bestätigt Jürgen Stich, Pressesprecher der Stadt. Dabei geht es u.a. um den Bau einer Mehrzweckhalle und eines Zentrums für traditionelle chinesische Medizin (TCM). An diesen Projekten, die sich noch „im Anfangsstadium“ befänden, werde sich die Kommune aber finanziell nicht direkt beteiligen, betont Stich. Und sie würden planungsrechtlich genauso behandelt und begleitet wie andere Vorhaben.

Planung für Schwimmbad „relativ weit“

Ein eigenes Vorhaben, das die Stadt gemeinsam mit ih­ren Nachbarn Kleinmachnow und Stahnsdorf als in­terkommunales Projekt realisieren will, ist dagegen nach Stichs Worten schon „relativ weit“ gediehen: der Bau eines Hallenbads, das sich viele Bürger seit Langem wünschen, weil sie bislang im Winter zum Schwimmen nach Potsdam, Ludwigsfelde oder Berlin fahren müssen. Hierzu liegt bereits eine erste Machbarkeitsstudie vor. Noch offen ist der Standort, voraussichtlich wird er aber auf Teltower Gebiet liegen.

Eine Option wäre, die Schwimmhalle neben dem neuen Stadthafen am Teltowkanal zu errichten. Die Marina ist das Lieblingskind von Bürgermeister Thomas Schmidt, das allerdings zeitweise auch ein Sorgenkind war. Unerwartete Probleme mit Altlasten im Boden führten dazu, dass sich die ursprünglich für das Frühjahr 2017 geplante Eröffnung – Baubeginn war im November 2014 – um zwei Jahre verzögerte und die Kosten von fünf auf 15 Millionen Euro kletterten. Da fällt der Zuschuss in Höhe von 1,1 Millionen vom Land Brandenburg kaum noch ins Gewicht. Aber Teltow – Boomtown am Südrand von Berlin, deren Einwohnerzahl von 15 000 zur Wendezeit auf heute fast 27 000 angewachsen ist – kann es sich offenbar leisten. „Wir sind nach wie vor nahezu schuldenfrei“, sagt Thomas Schmidt mit sichtlicher Genugtuung. Und die Bauzeit sei immer noch „kürzer als beim BER“.

„Marina Teltow“ wird am 12. Mai eröffnet

Der Hafen soll nun endlich am 12. Mai feierlich in Betrieb genommen werden. Das wollen sich auch einige Mitglieder des Ahlener Verein für Städtepartnerschaft nicht entgehen lassen. Fertig ist die Anlage allerdings noch lange nicht. Die Hochbauten, die ein privater Investor errichten wird, werden erst 2020 oder 2021 stehen, einstweilen müssen Toi­letten, Duschen und das Hafenmeisterbüro provisorisch in Containern untergebracht werden. Aber die Stege sind funktionsfähig, die ersten Boote werden am Muttertag anlegen können.

Die „Marina Teltow“ in einer Animation aus der Vogelperspektive.

Die „Marina Teltow“ in einer Animation aus der Vogelperspektive. Foto: Stadt Teltow

Thomas Schmidt ist überzeugt: „Das Ding wird laufen.“ Es gebe schon jetzt mehr Anmeldungen als Liegeplätze. Der Wassertourismus in Brandenburg habe in den letzten Jahren „einen unglaublichen Schub bekommen“. Davon möchte Teltow, das nun über den einzigen Sportboothafen am Teltowkanal auf Brandenburger Gebiet verfügt, profitieren und sich als touristische Destination auch für Tagesausflügler aus Berlin empfehlen. Mittelfristig will Teltow so auch das etwas angestaubte Image als „Rübchenstadt“ ablegen.

Die berühmte Teltower Rübchentorte hat ohnehin längst Konkurrenz bekommen. Die örtliche Traditionsbäckerei Neuendorff am Marktplatz liefert ihre mit zahlreichen Auszeichnungen prämierten Käsetorten inzwischen in die halbe Welt. Nach China bisher noch nicht. Aber was nicht ist . . . Inhaber Thomas Neuendorff wird wissen, wo Rudong liegt. Das Schild am „Ahlener Platz“ soll trotzdem demnächst ausgetauscht werden und dann korrekt nach links, gen Osten zeigen.

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