Andree Kruphölter und das alte Fachwerkhaus
Der Kernsanierer

Ahlen -

Er ist der Kernsanierer von der Königsstraße: Andree Kruphölter macht aus einer Fachwerk-Ruine ein Schmuckstück. Mitte des Jahres steht der Umzug an.

Sonntag, 21.04.2019, 09:58 Uhr
Was er selbst machen kann, macht er selbst: Andree Kruphölter investiert viel Zeit, Geld und Herzblut, um aus dem „hässlichen Entlein“ von der Königstraße wieder ein Schmuckstück zu machen. Es ist das letzte Fachwerkhaus in diesem Bereich, das die Zeit überdauert hat.
Was er selbst machen kann, macht er selbst: Andree Kruphölter investiert viel Zeit, Geld und Herzblut, um aus dem „hässlichen Entlein“ von der Königstraße wieder ein Schmuckstück zu machen. Es ist das letzte Fachwerkhaus in diesem Bereich, das die Zeit überdauert hat. Foto: Untere Denkmalbehörde (1) / Archiv (1) / Christian Wolff

Der Muff ist raus. Wenn sich die weiße Holztür öffnet, riecht es nach frischer Farbe, Mörtel und Klebstoff. Das kleine Fachwerkhaus an der Königstraße 16 hat innerhalb von eineinhalb Jahren sein Ruinenkleid abgestreift, blickt nach fast vier Jahrzehnten der Verwahrlosung einer neuen Nutzung entgegen.

Andree Kruphölter ist der Prinz, der das Dornröschen wachgeküsst hat. Derzeit dämmert es zwar noch im Halbschlaf, doch der engagierte Macher hat‘s fast geschafft. „Was jetzt noch kommt, ist Feinarbeit“, ist er sich sicher. Wer den Ahlener Anwalt und Sportfreund nur in Anzug mit dunkler Robe oder Rot-Weiß-Trainingsanzug kennt, trifft ihn hier derzeit im lockeren Arbeitsdress – versehen mit allerlei Farbklecksen.

Beim „AZ“-Besuch steht Kruphölter mitten im Erdgeschoss seines Sanierungsobjekts, schwingt fleißig Quast und Pinsel. „Das wird wohl heute wieder ‘ne Nachtschicht“, sagt er und taucht die Farbrolle tief in den Eimer ein. Dabei sieht er weniger gestresst, mehr erleichtert aus. „Ich fühle mich schon richtig wohl hier.“

Im November 2017 war Baustart in den Mauern, die viele Ahlener ihr Leben lang nur als Ruine kannten. Die Fenster waren seit Jahren verbrettert, durch Mauerrisse pfiff der Wind. Ein Glücksfall, dass der Bausubstanz in der langen Zeit des Leerstands weder Feuer noch Abrissbirne begegnet sind. Wohl aber viele ungebetene Gäste. „Wir hatten schon mit unseren Bauvorbereitungen angefangen, als sich ein Mann hier einquartierte“, gibt Krup­hölter eine kleine Anekdote zum besten. „Mit den alten Kupferrohren hatte er sich offenbar seine Brote geschmiert.“ Nein, trotz aller Gastfreundschaft – bleiben konnte der Unbekannte natürlich nicht.

Sanierung eines alten Fachwerkhauses

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  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Stadt Ahlen
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Archiv
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff
  • An der Königstraße in Ahlen erstrahlt ein altes Fachwerkhaus bald in neuem Glanz. Foto: Christian Wolff

Inzwischen kann der Anwalt darüber lachen, denn nach Wochen und Monaten, in denen jeder Winkel und Balken, jede Wand geprüft, bearbeitet und bei Bedarf erneuert worden ist, sieht er nicht nur viel Licht in den ehemals dunklen Räumen, sondern auch den Umzug seiner Kanzlei von der Ost- zur Königstraße in greifbare Nähe gerückt: „Ich denke, im Juni sind wir mit allem durch. Genau genommen war das eine Kernsanierung.“ Elektrik und Sanitäranlagen sind bereits von Grund auf erneuert, ebenso Dach und Wände. Was den Fußboden angeht, ist viel Originalsubstanz geblieben, nicht nur bei den Böden im Obergeschoss. Andree Kruphölter deutet auf den grauen Deelenboden im Eingangsflur. „Die Steine liegen genauso da wie vorher, wir waren nicht dran“, deutet er nach unten. Nur Teppich lag in den letzten „bewohnten Jahren“ drüber, als ein Wilhelm Soet­kamp an dieser Adresse gemeldet war. Der Teppich ist nun weg, genauso wie allerhand Unrat, den bereits der Verein „Ahlener Stadtbildmacher“ bei einer Erstreinigung im Oktober 2015 in einen Container wandern ließ. Trotz der langen Zeit der Vernachlässigung sind fast alle historischen Fachwerkbalken noch intakt und tragfähig. Selbst für Fachleute etwas Bemerkenswertes, schließlich stand das Häuschen fast so lange leer wie das neue Ahlener Rathaus besteht, dessen desolater Zustand gerade jetzt breit diskutiert wird.

Zurück zu den Deelensteinen. Sie sind ein Relikt aus der Zeit vor 1910. Da zierte noch ein großes Tennentor den mittleren Teil der Gebäudefront. Als die Ackerbürger-Ära innerhalb der einstigen Stadtmauern zu Ende ging, ließ der damalige Eigentümer Heinrich Wegmann jene Tenne mit Genehmigung des Ahlener Stadtbaumeisters umgestalten. Eine Decke und Trennmauern wurden hindurchgezogen, um die Fläche der anliegenden Wohnung zuzuschlagen. Ausführender war damals der bekannte Ahlener Bauunternehmer Wilhelm Krämer.

In den Zustand der Zeit vor gut 170 Jahren zurückführen wollte Andree Krup­hölter die alte Tenne nicht. Das passe nicht zu seinem Konzept, hier Kanzleiräume entstehen zu lassen. Außerdem seien die Tennensteine leider nicht auf der kompletten Fläche erhalten. Im Bereich des Zimmers zur Straße ist der Belag irgendwann aufgenommen worden. Wo er noch liegt, bleibe er jedoch sichtbar, verspricht der Bauherr.

Ganz oben, auf dem ehemaligen Dachboden, gerät Andree Kruphölter so richtig ins Schwärmen. „Das sollte eigentlich eine Wohnung werden“, sagt er. Doch jetzt stehe erst einmal eine Vermietung als Bürofläche an. „Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, hier später mal zu leben.“ Die Voraussetzungen dafür seien ideal. Ein großer Raum mit Treppe, ein Bad, zwei Zimmer, ein Halbgeschoss als Schlafzimmer und in Kürze noch ein Balkon zum grünen Garten hin – und das alles mitten in der Stadt. „So was suchen viele Leute lange vergeblich.“

Letzter Streich vor dem Umzug ist die Gestaltung der Außenfassade. Was jetzt noch grün-grau ist wird cremeweiß. „Ich warte jede Minute auf den Rückruf des Malers“, sagt Kruphölter, inzwischen zurück im Erdgeschoss, und taucht die Farbrolle wieder ein.

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