Umweltbetriebe kontrollieren
Immer mehr Müll – immer weniger Bio

Ahlen -

Rotes Fähnchen an der Biomülltonne? Das ist kein gutes Zeichen. Sagt es doch, dass zu viel drin ist, was nicht reingehört. Die Umweltbetriebe kontrollieren jetzt stichprobenartig.

Dienstag, 23.04.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 24.04.2019, 08:54 Uhr
Klären über Biomüll auf: Rebecca Deppe (AWG), Sven Bössing (Kompostwerk Ennigerloh) sowie Bernd Döding, Thomas Neumann, Wolfgang Siehoff, Markus Bußmann, Marianne Dams und Jens Fricke von den Ahlener Umweltbetrieben.
Klären über Biomüll auf: Rebecca Deppe (AWG), Sven Bössing (Kompostwerk Ennigerloh) sowie Bernd Döding, Thomas Neumann, Wolfgang Siehoff, Markus Bußmann, Marianne Dams und Jens Fricke von den Ahlener Umweltbetrieben. Foto: Sabine Tegeler

Morgens um sechs schlägt die Stunde der Biomüllkontrolleure. Dann öffnen sie die Deckel, greifen zur Harke und wühlen auch mal da, wo‘s wahrlich nicht lecker riecht – in den Tiefen der braunen Tonne nämlich.

Wie angekündigt, steht am Dienstag nach Ostern das Team parat, um im Müll zu kramen. Nicht aus Spaß, sondern um die Qualität des Biomülls sicherzustellen und die Tonnenbefüller vor Gebührensteigerungen zu bewahren. Denn das Kompostwerk des Kreises Warendorf in Ennigerloh hat gemahnt: Der Biomüll aus Ahlen ist vermehrt Müll und weniger Bio. Plastiktüten, Windeln, Blumentöpfe oder auch mal ein Kunststoffturm – das gehört da einfach nicht rein. Die Kompostwerker behandeln diese Ladungen wie Restmüll und nehmen dafür entsprechend mehr Geld, wie Bernd Döding , Leiter der Umweltbetriebe, am Dienstag den Bogen zur Gebührenkalkulation schlägt: Die Konsequenz liege auf der Hand, der Bürger müsse mit höheren Ausgaben rechnen.

Bevor die Kommune aber verstärkt zur Kasse bittet, versucht sie es mit Aufklärung. Denn Kompost sei eine „gütegesicherte“ Ware, erklärt Sabine Lubeley von der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) im Kreis Warendorf: „Und wir wollen da ansetzen, wo es beginnt – bei den Bürgern, die die Tonne befüllen.“

Und so macht sich am frühen Dienstagmorgen ein Team der Umweltbetriebe unterstützt von Ingenieur Sven Bössing vom Kompostwerk und AWG-Mitarbeiterin Rebecca Deppe auf den Weg und kontrolliert im Bereich um Stockpiper, Amselweg und Finkensteg die Biotonnen. Die Biomüllexperten verteilen dabei grüne, gelbe und rote Anhänger, die dem Tonnenbefüller auf den ersten Blick zeigen: gut gemacht, verbesserungswürdig oder geht gar nicht. Von 98 Tonnen bekommen an diesem Morgen 55 einen grünen Anhänger, neun einen gelben und 34 einen roten. Und die 34 bleiben dann auch gnadenlos ungeleert.

Die werden nicht geleert.

Die werden nicht geleert. Foto: Rebecca Deppe/AWG

Jens Fricke von den Umweltbetrieben ärgert sich vor allem über die, die genau wissen, dass Plastik nichts im Biomüll zu suchen hat, es aber dennoch darin entsorgen: „Da ist dann noch Zeitung drumherumgewickelt. Das ist bewusstes Vertuschen.“

Sabine Lubeley weiß aber auch, dass Falsches oft aus Unwissen in die Tonne wandert – die sogenannten kompostierbaren Tüten nämlich: „Ja, die sind kompostierbar. Aber nicht so schnell, wie es für das Kompstwerk nötig wäre.“ Zudem sortiere die Maschine in Ennigerloh die Tüten aus, wenn sie zugeknotet sind. „Dann geht wertvoller Biomüll verloren.“ Sie empfehle den Leuten immer: „Nehmt normale Mülltüten zum Sammeln, schüttet den Biomüll daraus in die braune Tonne und schmeißt die Tüte in den Restmüll.“ Das sei nämlich auch noch billiger.

Fällt unter die Kategorie „Geht gar nicht“: Plastikturm im Biomüll.

Fällt unter die Kategorie „Geht gar nicht“: Plastikturm im Biomüll. Foto: Rebecca Deppe/AWG

Dass die persönliche Ansprache gut ankommt, hat Jens Fricke am Dienstagmorgen auch festgestellt. Einem Mann habe er erklärt, dass die Zigarettenkippen nichts im Biomüll zu suchen haben: „Der war verständnisvoll und hat sich bedankt.“

Marianne Dams von den Umweltbetrieben kündigt an, dass in den kommenden Wochen in jedem Abfuhrbezirk stichprobenartig die Tonnen kontrolliert werden, „Und es gibt Nachkontrollen.“ Jede Tonne, die mit einem gelben oder roten Anhänger „geschmückt“ wurde, wird bei der nächsten Runde wieder genau unter die Lupe genommen. Ob sie denn Besserung erwartet? „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, lacht Marianne Dams.

Findet Bernd Döding auch und setzt auf den Nachwuchs: „Die wichtigen Informationen laufen oft über die Kinder“, hat er festgestellt, dass die Jugend in Sachen Umweltschutz und Ökologie besser Bescheid weiß und den Eltern was vormachen kann. Deswegen werde zurzeit in Kindergärten und Schulen mit dem sogenannten „Abfallkoffer“ der AWG die Aufklärung weiter vorangetrieben.

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