Umzug zur Rettungswache
Ahlens 1. Notarzt im Dauereinsatz

Ahlen -

Ahlens 1. Notarzt wird künftig direkt ab Rettungswache starten. Er zieht um, weil stetig steigende Einsatzzahlen keine Zeit mehr für weitere Aufgaben im Krankenhaus lassen.

Mittwoch, 08.05.2019, 17:30 Uhr
Die Einsatzzahlen steigen und steigen. Deshalb zieht der 1. Notarzt jetzt um – vom Krankenhaus zur Rettungswache am Konrad-Adenauer-Ring. Das verkürzt auch die Anfahrtszeiten.
Die Einsatzzahlen steigen und steigen. Deshalb zieht der 1. Notarzt jetzt um – vom Krankenhaus zur Rettungswache am Konrad-Adenauer-Ring. Das verkürzt auch die Anfahrtszeiten. Foto: Ulrich Gösmann

Der 1. Notarzt zieht um – vom Krankenhaus zur Feuer- und Rettungswache. Folge stetig steigender Einsatzzahlen. Der Ausschuss für Ordnung, öffentliche Einrichtungen und Anregungen stimmte der Verwaltungsvorlage am Dienstagnachmittag einstimmig zu. Er hinterfragte aber auch, ob jeder gemeldete Notfall denn wirklich einer sei, oder ob auch Bequemlichkeit dahinter stehe, um Wartezeiten in der Notfallpraxis geschickt zu umgehen.

„Das Krankenhaus ist an uns herangetreten“, informierte Wachleiter Walter Wolf das Gremium – und ließ in den Einsatzalltag blicken: „Der Notarzt ist permanent auf der Straße und kann keine zusätzlichen aufgaben im Krankenhaus mehr wahrnehmen.“ Durch einen Umzug zur Wache stünde er künftig nur noch für den Rettungsdienst zur Verfügung. Das heiße aber auch: „Er geht komplett auf unsere Rechnung.“ Das wiederum heißt: Kostensteigerungen von 154 354 auf 264 607 Euro, die aber weitestgehend gebührenfinanziert sind und von den Kassengetragen werden. In Freiräumen, so Wolf, werde der 1. Notarzt in die Abläufe der Wache eingebunden und stehe auch für Schulungen zur Verfügung. Positiver Nebeneffekt: Die Anfahrtszeiten verkürzen sich um eine bis eineinhalb Minuten, weil das Abholen am Krankenhaus entfalle. Im vergangenen Jahr war der 1. Notarzt übrigens 733-mal im Einsatz , der 2. Notarzt 203-mal.

Walter Wolf und Gabriele Hoffmann äußerten sich im Fachausschuss.

Walter Wolf und Gabriele Hoffmann äußerten sich im Fachausschuss. Foto: Ulrich Gösmann

Die Neuregelung ist fixiert im 3. Nachtrag zur Vereinbarung über die Bereithaltung von Notärzten im Rettungsdienst und soll zum 1. Juni in Kraft treten. Gabriele Hoffmann , Leiterin der städtischen Rechts- und Ordnungsabteilung, informierte, dass der Vertrag noch um Kooperationsmaßnahmen ergänzt werde, die dem 1. Notarzt auch weiterhin die Türen im Krankenhaus offenhalten.

Wenn wir in einem von 1000 Fällen daneben liegen, haben wir ein ganz großes Problem.

Wachleiter Walter Wolf

Ausschussvorsitzender Thomas Kozler (SPD) sprach die Steigerung der Einsatzzahlen an. Der Wachleiter antwortete: „Ein Teufelskreis!“ Einerseits könne bei Schmerzen in der Brust nicht bis zur nächsten Hausarzt-Sprechstunde gewartet werden. „Es gibt aber auch eine breite Menge, die anruft, weil der dicke Zeh geschwollen ist.“ Unter den Notrufen gebe es immer wieder dramatische Schilderungen. Doch: „Wenn wir in einem von 1000 Fällen daneben liegen, haben wir ein ganz großes Problem.“ Hinter den steigenden Fallzahlen stünde aber auch eine permanent fortschreitende Spezialisierung von Kliniken – mit entsprechenden Transporten. Der Leiter des Ahlener Rettungsdienstes bestätigte auf Nachfragen ein weiteres Mal in deutlichen Worten: „Es gibt Leute, die zu bequem sind, den Weg zur Notfallpraxis zu gehen.“ Die 112 gewählt und der Wagen stünde vor der Tür. Das sei Teil des Systems. Andererseits gebe es auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen: Patienten könnten nach einem früherkannten Herzinfarkt immer häufiger die Klinik nahezu beschwerdefrei verlassen und stünden dann wieder voll im Leben. Folge des medizinischen Fortschritts. Wolfs Fazit: „Falschen Alarm und Panik sollten wir einfach mittragen.“

Neue Notarztregelung

Laut Rettungsdienstbedarfsplan 2018 des Kreises Warendorf hält die Stadt Ahlen einen 1. Notarzt ganztägig und einen 2. Notarzt in der Zeit von 8 bis 18 Uhr vor. Die Versorgung mit Notärzten wird zum einen Teil durch eine vertragliche Regelung mit der St.-Franziskus-Hospital und zum anderen Teil durch Honorarärzte sichergestellt.Die Vereinbarung zur Bereitstellung von Notärzten durch das St.- Franziskus-Hospital wurde in der Vergangenheit mehrmals angepasst und erweitert. Jetzt steht erneut eine Änderung an. Grund dafür sind stetig steigende Einsatzzahlen sowie die im Rettungsdienstbedarfsplan geänderten Vorhaltezeiten für den 2. Notarzt. Paragraf 1 regelt die Zeiten, in denen der 1. Notarzt zur Verfügung steht. Während er bisher freitags nur von 7 bis 13 Uhr vom Krankenhaus gestellt wurde, wird er zukünftig, außer an Feiertagen, montags bis freitags von 7 bis 16.30 Uhr im Dienst sein.Der 2. Notarzt wurde bisher von montags bis donnerstags von 7.30 bis 16.30 Uhr und freitags von 7.30 bis 14.30 Uhr vorgehalten. Der neue Rettungsdienstbedarfsplan sieht ihn jetzt täglich von 7.30 bis 18 Uhr vor. Dabei versieht er weiterhin Dienst im Krankenhaus und wird im Einsatzfall alarmiert und abgeholt.

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