Gedenken zum 8. Mai
Leidenschaft für Europa

Ahlen -

Bevor sich die Schüler weiterführender Schulen auf einen „Weg der Erinnerung“ machten, kamen sie zum Gedenken am Grab sowjetischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter auf dem Ostfriedhof zusammen.

Mittwoch, 08.05.2019, 17:52 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 09:10 Uhr
Die Schülervertretung der Gesamtschule appellierte für die Europawahl.
Die Schülervertretung der Gesamtschule appellierte für die Europawahl. Foto: Peter Schniederjürgen

„Erinnerung heißt Verantwortung“ – unter diesem Motto stand das Gedenken zum Kriegsende vor 74 Jahren am gestrigen Mittwoch. Der Arbeitskreis weiterführender Schulen gestaltete den Tag mit zahlreichen Schülerinnen und Schülern mit einer Vielfalt von Veranstaltungen. Auftakt war wie immer seit zehn Jahren das Gedenken an die toten sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter auf dem Ostfriedhof. Das Grab wird von der Fritz-Winter-Gesamtschule (FWG) gepflegt und war die erste Station auf dem „Weg der Erinnerung“.

Mit einem leidenschaftlichen Appell für die Europawahl begann die Schülervertretung der FWG die Feierstunde: „Der Friede in Europa ist nicht selbstverständlich und er bedarf der Pflege und des Einsatzes.“ Über allem stehe der Grundgedanke des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unverletzlich.“ Die Gesamtschüler wiesen sehr drastisch darauf hin, wie diese Würde der Kriegsgefangen und Zwangsarbeiter mit Füßen getreten worden war – und das ganz nahe, auch auf der Zeche. Und auch hier kamen diese Menschen wie Millionen andere ums Leben.

Daniel Gollmann, Alexander Berger und Alois Brinkkötter unterschrieben eine Bildungsvereinbarung.

Daniel Gollmann, Alexander Berger und Alois Brinkkötter unterschrieben eine Bildungsvereinbarung. Foto: Peter Schniederjürgen

So werde es spürbar, was ein freies und ungeteiltes Europa wert sei, fügte Bürgermeister Dr. Alexander Berger an: „Wer mit eigenen Augen gesehen und dem Herzen gespürt hat, wie ähnlich wir uns in Europa sind, der fällt nicht auf dumme Vorurteile herein.“ Denn vor allem das Unwissen über die Nachbarn habe es den Nazis möglich gemacht, den Gedanken an die Herrenrasse vorzugaukeln. „Die Toten in diesem Grab sind die Verpflichtung an uns, für ein geeintes und friedfertiges Europa einzutreten“, hob Dr. Berger hervor.

Seit 2010 übernimmt der Arbeitskreis weiterführender Schulen die Verantwortung für das Gedenken auf Ostfriedhof und Marktplatz. Zum Jahrestag kommt noch eine Ausstellung in der Stadtbücherei hinzu. Diese zeigt einen Rückblick auf die Aktivitäten zum 8. Mai in dem vergangenen Jahrzehnt. „Das ist mehr als eine rituelle Antwort auf diesen besonderen Tag“, bedankte sich Dr. Berger beim Arbeitskreis. Hier verbinde sich wirkliches, politisches Engagement mit dem besorgten Ausdruck der ganzen Generation um die Zukunft und die demokratischen Zustände in der Gesellschaft. „Die von den Schülern gestalten Aktionen sind von gleicher Bedeutung wie die Bewegung Fridays for Future oder Vergleichbares“, befand Alexander Berger.

Zum Zeichen der Anteilname am tragischen Schicksal der Kriegsgefangenen und der Zwangsarbeiter legte der Bürgermeister zusammen mit den Schülerinnen Leonie Day und Zoe Szemendera einen Kranz nieder.

Zum Abschluss unterzeichneten der Bürgermeister, Gesamtschulleiter Alois Brinkkötter und Daniel Gollmann vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Bildungsvereinbarung, die die Erinnerungsarbeit im Blick hat.

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