Kampagne „Maria 2.0“
Hundertfacher Frauenprotest

Ahlen -

Hunderte Frauen schlossen sich mit ihrer Unterschrift der Kampagne „Maria 2.0“ der Frauengemeinschaften am Samstag in Ahlen an.

Samstag, 11.05.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 12.05.2019, 12:00 Uhr
Bilder sagen manchmal mehr als Worte. An einer Wäscheleine über die Fußgängerzone machten die zugeklebten Münder der Frauen deutlich, dass sie Gleichberechtigung in der Kirche fordern.
Bilder sagen manchmal mehr als Worte. An einer Wäscheleine über die Fußgängerzone machten die zugeklebten Münder der Frauen deutlich, dass sie Gleichberechtigung in der Kirche fordern. Foto: Ralf Steinhorst

Die Kampagne „Maria 2.0“ der Frauen in der katholischen Kirche ist auch in Ahlen ein Thema. Das zeigte sich am Samstagmorgen am Infostand der Frauengemeinschaft (kfD), die Unterschriften für eine Petition an den Papst sammelte. Die Kampagne steht unter anderem für die Aufklärung sexueller Missbrauchsfälle und den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern.

„Das ist hier die passende Stelle, hier kommen alle vorbei“, war kfd-Frau Dorothee Nillies froh, dass der Marienplatz wegen des Wochenmarktes belegt war und die Frauengemeinschaft an die Ecke Südstraße / Oststraße umziehen musste. Dort machten zahlreiche Frauenbilder mit zugeklebten Mündern, auf einer Wäscheleine über die Fußgängerzone gespannt, auf die Aktion aufmerksam. Groß aufklären mussten die Frauen eigentlich nicht. Sie waren überrascht, wie gut die Menschen über die Aktion, die im Lesekreis der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster ihren Ausgang nahm, über die Medien informiert waren.

Die kfd-Frauen mussten in sehr vielen Fällen gar nicht erst zur Unterschriftenaktion bitten. Viele Passanten zeigten sich gut informiert und zögerten nicht lange.

Die kfd-Frauen mussten in sehr vielen Fällen gar nicht erst zur Unterschriftenaktion bitten. Viele Passanten zeigten sich gut informiert und zögerten nicht lange. Foto: Ralf Steinhorst

Dementsprechend einfach war es, Unterschriften für eine Petition an den Papst zu sammeln, die anlässlich des Sondergipfels zum Thema der sexualisierten Gewalt in der Kirche initiiert wurde. Über 260 Unterschriften von Frauen und Männern in den ersten eineinhalb Stunden waren da noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. In der Petition wird unter anderem die Überstellung kirchlicher Missbrauchstäter an weltliche Gerichte, die Aufhebung des Pflichtzölibats, die Neuausrichtung der kirchlichen Sexualmoral an die Lebenswirklichkeit der Menschen und vor allem der Zugang von Frauen zu allen Ämtern in der Kirche gefordert. Hingewiesen wird in der Petition zudem, dass viele Menschen in der Kirche fassungslos, wütend und enttäuscht sind. „Gerade auch ältere Menschen stehen hinter der Kampagne“, hat Dorothee Nillies festgestellt.

Ein Kirchenstreik der Frauen vom 11. bis 18. Mai ist eine Aktion in der Kampagne, die auch in Ahlen durchgeführt wird. So soll der Gottesdienstbesuch, außer zu den Kommunionfeiern, Eheschließungen oder Beerdigungen, boykottiert werden. Hinzu kommt die Einstellung der ehrenamtlichen Dienste von Frauen, zum Beispiel der Lektorinnen. „Sogar die Pfarrbücherei Leseoase von St. Marien bleibt geschlossen“, verdeutlichte Sprecherin Barbara Portmann-Garwer.

Hildegard Wonnemann mit dem Stapel der ausgefüllten Unterschriftenlisten. Von der großen Anzahl waren die kfd-Frauen überrascht.

Hildegard Wonnemann mit dem Stapel der ausgefüllten Unterschriftenlisten. Von der großen Anzahl waren die kfd-Frauen überrascht. Foto: Ralf Steinhorst

Inzwischen hat sich „Maria 2.0“ nicht nur bundesweit ausgeweitet, sondern ist sogar bis nach Österreich und Ungarn geschwappt. Vielleicht demnächst auch bis nach Polen? Jedenfalls zeigte sich eine polnische Christin am Stand der Ahlener kfd von der Aktion so angetan, dass sie den Aufruf in ihr Heimatland bringen will.

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