„Deutz-Willi“ in Ahlen
Globetrotter mit 15 PS

Ahlen -

Er ist 83 Jahre alt und ein echter Globetrotter: Am Montagvormittag macht „Deutz-Willi“ in der Fußgängerzone Station. Der wagemutige Treckerfahrer aus Lauenförde ist zurzeit unterwegs nach Schottland.

Montag, 13.05.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 07:59 Uhr
Deutz-Willi, das ist Winfried Langner: 83 Jahre alt und ohne Furcht und Tadel unterwegs nach Schottland.
„Deutz-Willi“, das ist Winfried Langner: 83 Jahre alt und ohne Furcht und Tadel unterwegs nach Schottland. Foto: Sabine Tegeler

Da steht er plötzlich, der grüne, ganz schön alte, aber sehr gut gepflegte Trecker. In der Fußgängerzone, gegenüber vom Telekomshop. Und im Schlepptau hat er einen kleinen Wohnwagen, eine richtige Knutschkugel. Das kann nur eines bedeuten: „Deutz-Willi“ macht Station in Ahlen.

„Deutz-Willi“? Na klar, sagt Günter Dahlmeier , den kenne man doch: „Das ist der Deutz-Willi ausm Fernsehen.“ Der Rentner ist ganz begeistert von dem unerwarteten prominenten Besuch am Montagvormittag und hat sich auch direkt eine Autogrammkarte geholt. Als „Deutz-Willi“ dann im Telefonshop zum Handyaufladen verschwindet, übernimmt Günter Dahlmeier die Aufklärung der neugierigen Passanten, die Trecker und Wohnwagen beäugen. Viele brauchen aber gar keine Nachhilfe, die kennen den „Deutz-Willi“ schon. „Ausm Fernsehen“ eben.

Mit dem Trecker nach Schottland

Winfried Langner , so sein richtiger Name, ist stolze 83 Jahre alt und damit 25 Jahre älter als sein bester Kumpel: Der Deutz stammt aus dem Baujahr 1961, ein Typ D 15. Von seinem Fahrer wird er liebevoll „Robert“ genannt, wie das Schild vorne im Fenster verrät. Das Plakat hinten am Wohnwagen hingegen zeigt, wo‘s Trecker und Fahrer hinzieht: nach Schottland nämlich.

Deutz-Willi übernachtet im Wohnwagen.

Deutz-Willi übernachtet im Wohnwagen. Foto: Sabine Tegeler

„Deutz-Willi“ ist mit seinen gewagten Trecker-Touren bekannt geworden. 2006 machte er sich zum ersten Mal auf mit „Robert“. Der Großglockner war das Ziel. 2008 folgte dann eine Tour durch die Schweiz.

Fünf Jahre später stand der Deutschen liebste Urlaubsinsel auf dem Fahrplan: „Meine Frau ist immer nach Mallorca geflogen, aber ich bin ja Nicht-Flieger. Da kriegt mich kein Mensch rein.“ Stattdessen „sattelte“ er „Robert“ und tuckerte mit 18 bis 20 Stundenkilometern gen Süden.

Warum dann nicht auch mal in die Gegenrichtung? 2015 zog es „Deutz-Willi“, damals noch mit einem Mitfahrer, ans Nordkap, 2017 dann nach St. Petersburg in Russland. Und im vergangenen Jahr unternahm er eine große Deutschlandtour.

Jetzt also Schottland. Warum ausgerechnet da hin? „Weil ich da noch nicht war“, lautet die pragmatische Antwort: „Und ich will doch Land und Leute kennenlernen.“ Vorm Linksverkehr scheut er sich übrigens nicht, das kennt er schon, sagt er.

Aufbruch mit „Pauken und Trompeten“

Am Sonntag sei er um 10 Uhr in seinem Heimatort Lauenförde in Niedersachsen aufgebrochen: „Mit Pauken und Trompeten haben die mich verabschiedet“, lacht Winfried Langner. Und wenn er zurückkomme, gebe es sicher wieder einen großen Empfang.

Die erste Etappe habe ihn bis Ennigerloh geführt, wo er übernachtete. „Und da habe ich ein Ehepaar getroffen, dem ich schon 2015 in Norwegen zugewunken habe“, freut er sich über die Zufallsbegegnung. Der Mann habe die Bilder von 2015 noch auf dem Handy gehabt.

Schnell gewendet und schon ist Deutz-Willi wieder weg – mit 15 PS.

Schnell gewendet und schon ist Deutz-Willi wieder weg – mit 15 PS. Foto: Sabine Tegeler

Erst dreimal streicheln und dann losfahren

Montagmorgen geht es dann weiter – nach Ahlen, weil hier der Telefonladen ist. Hier lässt sich „Deutz-Willi“ Guthaben aufs Handy packen. „Jetzt habe ich auch eben schon mit meiner Tochter telefoniert“, ist er zufrieden, dass alles geklappt hat. Er trinkt Kaffee, nutzt die Sanitäranlagen im Café und schreibt dann noch ein paar Autogramme für seine Fans. Die haben mittlerweile auch die Handys gezückt und fotografieren den Deutz-Oldie, der so harmlos ausschaut, später aber beweist, dass er nicht nur mit seinem Aussehen, sondern auch mit seinem lauten Dröhnen und einer ebenfalls unüberhörbaren Hupe die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann.

„Den habe ich seit 1998“, erklärt „Deutz-Willi“ und schmunzelt: Vor jeder Fahrt werde er dreimal gestreichelt. Oder auch das Kuscheltierchen, das vorne in der Kabine mitfährt. „Meine Enkelin sagt immer: erst dreimal streicheln und dann losfahren.“

Ich bin ja Nicht-Flieger. Da kriegt mich kein Mensch rein.

Winfried Langner

„Deutz-Willi“ hat den Trecker seinerzeit einmal ganz auseinander- und wieder zusammengebaut. Er kennt jedes Teil, jedes Geräusch. Sollte mal was sein, weiß Winfried Langner sich zu helfen.

Fünf Monate lang unterwegs

Sein kleiner Wohnwagen ist ausgerüstet mit allem, was man so unterwegs braucht – inklusive Knabbereien. Allerdings wird er auch überall mit offenen Armen empfangen, Unterstützung ist „Deutz-Willi“ länder- und generationenübergreifend sicher.

Gegen halb elf will der 83-Jährige weiter. „Heute bis Vreden“, sagt er und schwingt sich auf „Roberts“ Fahrersitz. Mal eben mitten in der Fußgängerzone gedreht, dann noch einmal auf die Hupe gedrückt – und schon ist „Deutz-Willi“ wieder entschwunden. Mit 18 bis 20 Stundenkilometern und unter den bewundernden Blicken der Passanten. Vielleicht kommt er auf seiner Heimreise ja noch einmal in Ahlen vorbei – in etwa fünf Monaten will Willi seine Schottlandrundtour beendet haben.

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