In Erinnerung an Theodor Quante
Erster Stolperstein im Industriegebiet

Ahlen -

Stolperstein-Premiere außerhalb der Innenstadt: An der Gersteinstraße wird dem Schicksal von Theodor Quante gedacht.

Donnerstag, 16.05.2019, 17:00 Uhr
Manfred Kehr und Pflasterer Dirk Schumacher verlegen an der Ger­steinstraße einen Stolperstein für Theodor Quante. Es ist der erste außerhalb der Stadtsiedlung.
Manfred Kehr und Pflasterer Dirk Schumacher verlegen an der Ger­steinstraße einen Stolperstein für Theodor Quante. Es ist der erste außerhalb der Stadtsiedlung. Foto: Stadt Ahlen

Theodor Quante ist 41 Jahre alt geworden. Sein Leben endete im April 1944 in der Gauheilanstalt Warta, ermordet von den Nazis, weil der Ahlener Quante als Mensch mit Behinderung zum Kreis des „unwerten Lebens“ zählte. An sein Schicksal erinnert nun ein Stolperstein in der Gersteinstraße. Das Besondere daran: Erstmals hat die Stadt Ahlen einen Gedenkstein für ein NS-Opfer außerhalb der Innenstadt verlegt.

Etwas verloren wirkt der Stein im Pflaster des Gehweges. Betriebe verschiedener Größen sind ansässig links und rechts der Gersteinstraße, mitten im Industriegebiet Ost. Abwechslung bringen Lastwagen aus ganz Europa, die regelmäßig vorbeifahren. Passanten schlendern nur selten über die Gehwege. Vor 70 Jahren sah es hier noch ganz anders aus. Grüne Wiesen und Bauernhöfe dominierten statt Beton und Asphalt. „Wir befinden uns in einem Gebiet, das früher zur Bauerschaft Rosendahl gehörte“, weiß Manfred Kehr . Für die Stadt betreut er seit Jahren das Stolpersteinprojekt. Zusammen mit Verena Röttger vom städtischen Planungsfachbereich hat Kehr ermittelt, wo Theodor Quante vor der Verschleppung in die Tötungseinrichtungen des sogenannten Dritten Reichs seine letzte Wohnung hatte.

Gerade weil man hier nicht mit so etwas rechnet, entfaltet er eine unglaubliche Wirkung.

Manfred Kehr

Aus alten Archivakten recherchierten beide Quantes frühere Adresse „Rosendahl 1“, eine Postanschrift, die heute nicht mehr existiert. Der Abgleich mit historischen Stadtplänen und Flurkarten führte auf die Fährte ins Industriegebiet. Auch, wenn hier nur gelegentlich Menschen über den Stein „stolpern“ werden, so ist es für die Stadt wichtig, die Erinnerung an das Nazi-Morden und die Opfer auch in diesem gewerblich geprägten Stadtgebiet wach zu halten. „Gerade weil man hier nicht mit so etwas rechnet, entfaltet er eine unglaubliche Wirkung“, spürt Kehr.

In Gedenken an Theodor Quante.

In Gedenken an Theodor Quante. Foto: Stadt Ahlen

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