Neue Behinderteneinrichtung
Selbstbestimmtes Leben in kleinen Wohneinheiten

Ahlen -

Die St.-Vincenz-Gesellschaft setzt mit einer neuen Behinderteneinrichtung an der Robert-Koch-Straße auf die Einbindung der Nachbarschaft. Und das schon zum nahenden Richtfest.

Donnerstag, 30.05.2019, 07:00 Uhr
Blick vom Balkon der Krankenpflegeschule auf den Rohbau der neuen Einrichtung. Hier entstehen vier Wohneinheiten für insgesamt 24 Menschen mit geistiger Behinderung. Die Eröffnung ist für April / Mai 2020 geplant.
Blick vom Balkon der Krankenpflegeschule auf den Rohbau der neuen Einrichtung. Hier entstehen vier Wohneinheiten für insgesamt 24 Menschen mit geistiger Behinderung. Die Eröffnung ist für April / Mai 2020 geplant. Foto: Sabine Tegeler

Der Rohbau steht, das Richtfest naht: ging ganz schön schnell mit dem Bau der neuen Behinderteneinrichtung der St.-Vincenz-Gesellschaft an der Robert-Koch-Straße. „Ja“, stimmt Christoph Münstermann zu, „im November wurde die Baustelle eingerichtet. Und wenn die dann erst mal loslegen. . .“ Nichtsdestotrotz werde es wohl noch ein knappes Jahr dauern, bis das Haus mit Leben gefüllt wird. „Aber der Kran verschwindet schon bald.“

Christoph Münstermann ist bei der St.-Vincenz-Gesellschaft zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und hat sich ein bisschen Zeit genommen, um außerhalb von Baufortschritt und Flächennutzung über Inhalte und Konzepte zu sprechen. Denn das Haus, das zurzeit auf der ehemaligen Pferdewiese entsteht, wird das neue Zuhause von 24 Menschen mit geistiger Behinderung. 24 neue Nachbarn also, die sich auf ein Wohnumfeld mit ganz anderem Anspruch freuen dürfen.

Aber sie gehen auch in die Stadt, zum Eis- oder Pizzaessen vielleicht.

Christoph Münstermann

Christoph Münstermann erklärt es zunächst mit einem nüchternen Blick ins Sozialgesetzbuch: „Es ist eine gesetzliche Vorgabe, große Komplexe aufzulösen und Menschen mit Behinderung gemeindenahe und kleinere Wohneinheiten zu bieten.“ Das Bundesteilhabegesetz stärke die Selbstbestimmung behinderter Menschen, fördere ihre gesellschaftliche Teilhabe. „Die Bewohner sollen die Möglichkeit haben, sich in verschiedenen Milieus anzusiedeln“, drückt Christoph Münstermann es erst soziologisch aus, um dann konkret zu werden: „Die einen gehen arbeiten in den Freckenhorster Werkstätten, die anderen in die Tagesstruktur im St. Vinzenz am Stadtpark. Aber sie gehen auch in die Stadt, zum Eis- oder Pizzaessen vielleicht. Sie sollen an der Stadtkultur teilnehmen.“

Christoph Münstermann

Christoph Münstermann Foto: Sabine Tegeler

Große Behinderteneinrichtungen seien ja in der Regel mal aus Krankenhäusern entstanden. Wie St. Marien am Voßbach in Enniger oder eben das St. Vinzenz am Stadtpark. Da sei es früher üblich gewesen, den Bewohnerinnen und Bewohnern „das komplette Programm von morgens bis abends“ anzubieten. Heute gelte hingegen: „Wähle, was für dich passt.“

Dementsprechend liege der St.-Vincenz-Gesellschaft auch eine Öffnung der neuen Wohneinrichtung am Herzen – zugunsten der Integration und Inklusion. „Die Nachbarn sind wichtig“, sagt Christoph Münstermann, der hofft, dass sich die Anwohner von Richard-Wagner- und Robert-Koch-Straße nicht scheuen, mal auf einen Kaffee reinzuschauen.

Noch ist das neue Haus namenlos

Apropos Öffnung: Das Haus wird über einen Mehrzweckraum verfügen, der nicht nur den gesellschaftseigenen Gruppen und Institutionen offensteht. Externe Vereine oder Angehörige könnten sich da auch treffen, kündigt Christoph Münstermann an und schlägt so den Bogen zum Baulichen: 24 Frauen und Männer mit Behinderung, die zurzeit noch im St. Vinzenz am Stadtpark leben, ziehen in vier Wohneinheiten ein. „Jeder hat ein Einzelzimmer mit Bad. Hinzu kommt jeweils ein Gemeinschaftsbereich mit Esszimmer, Küche und Wohnzimmer“, wirft der Öffentlichkeitsarbeiter einen Blick ins neue Haus, das bis jetzt noch namenlos ist. Wie es mal heißen soll, darüber sollen die Bewohner, die Gruppenleitungen und die Einrichtungsleitung bestimmen: „Vielleicht auch im Rahmen eines kleinen Wettbewerbs.“

Wer letztendlich einzieht, stehe heute noch nicht fest. Auch in dieser Frage setze sich der Kreis oben Genannter zusammen, um über passende WGs zu beraten. Sicher werde dabei auf individuelle Fähigkeiten und Bedürfnisse, aber auch auf Freundschaften geachtet. Es könne auch sein, dass Bewohner aus einer St.-Vincenz-Außenwohngruppe dazustoßen. In den Wohnbereichen werde eine 24-Stunden-Betreuung garantiert, so Christoph Münstermann abschließend, das entsprechende Personal wechsele von der Kampstraße mit zur Robert-Koch-Straße.

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