Podiumsdiskussion
Dauernde Suche nach Kompromissen

Ahlen -

Demokratie kann durchaus unterhaltsam sein. Das bewies die Podiumsdiskussion „Weltmacht mit drei Buchstaben – ICH!“ mit Moderator Thomas Philipzen.

Dienstag, 04.06.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 17:02 Uhr
Diskutierten in der Aula des Städtischen Gymnasiums über Demokratie und die „Weltmacht ICH“: Laura Müller, Julia Mentrup, Jürgen Henke, Moderator Thomas Philipzen und Vladyslav Baranuk.
Diskutierten in der Aula des Städtischen Gymnasiums über Demokratie und die „Weltmacht ICH“: Laura Müller, Julia Mentrup, Jürgen Henke, Moderator Thomas Philipzen und Vladyslav Baranuk. Foto: Peter Schniederjürgen

„Weltmacht mit drei Buchstaben? ICH!“ – so lautete der nicht gerade bescheidene Titel einer Diskussionsveranstaltung des Awo-Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems zusammen mit „Demokratie leben“ und dem Ahlener Jugendforum. Moderiert wurde die Veranstaltung in der Aula des Städtischen Gymnasiums von Thomas Philipzen , Journalist und hier besonders bekannt als Mitglied des kabarettistischen Jahresrückblicks „Storno“. Philipzen schaffte es, die rund 40 Zuhörer zu aktiven Diskutanten zu machen. So ging so manche Frage ans Podium gleich runter ins Publikum.

Oben saßen die Schülerinnen Laura Müller und Julia Mentrup, der Unternehmer und Wirtschaftsclub-Vorsitzende Jürgen Henke und der Ex-Gymnasiast Vladyslav Baranuk. Der Moderator stieg gleich voll ein: „Was bedeutet euch Demokratie?“ Da waren sich die Podiumsmitglieder schnell einig: Meinungs- und Pressefreiheit, Rechtstaatlichkeit und freie Lebensführung.

Doch Thomas Philipzen schonte sein Publikum nicht. „Können wir überhaupt heute noch das ‚Wir‘? Oder sind wir alle Einzelkämpfer geworden?“, wollte er wissen. Mit Beispielen konnte der Kabarettist die Frage noch konkretisieren und so den Einstieg in die erste Diskussion ebnen. Ergebnis: Bei ausreichender materieller Sicherheit steht der Altruismus über dem Egoismus.

Danach aber wurde es komplizierter. „Wir spielen ein Spiel. Eines von Sozialforschern entwickeltes“, kündigte der Moderator das „Ultimatumsspiel“ an: Zehn Euro sollen zwischen zwei Spielern aufgeteilt werden. Ein dritter ist der Spielleiter. Dieser gibt das Geld an einen der Spieler, der es aufteilen soll. Die beiden müssen sich einigen, wenn nicht, geht das Geld an den Spielleiter zurück. Einfach fifty-fifty machen? Nein, denn der „Aufteiler“ will seinen Gewinn maximieren. Der Kompromiss liege meistens, so Philipzen, bei einem Sechs-zu-Vier-Verhältnis: „Es zeigt, was die Demokratie ist – ständige Verhandlung und die Suche nach einem für alle tragbaren Kompromiss.“

Damit schuf der Moderator die Grundlage einer weiteren Diskussion. Wie soll die Verteilung laufen? Warum bekommt der Arbeitgeber mehr als der Arbeitnehmer? Was ist mit Risiken und was passiert bei Zuwanderung und begrenzten Ressourcen? Die Diskussion ging so zunehmend in die Flüchtlingsthematik über. Es war so ein spannender und amüsanter Abend, den die Awo zu ihrem Jubiläumsjahr „100 Jahres Menschlichkeit“ veranstaltete.

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