Mops-Affäre vorm Landgericht
Gericht soll klären: Dürfen Tiere gepfändet werden?

Ahlen/Münster -

Nach der Pfändung von Mops Edda in Ahlen strebt der Anwalt der neuen Besitzerin des Hundes ein Grundsatzurteil an. Der Rechtssicherheit für Mensch und Tier wegen.

Montag, 10.06.2019, 14:42 Uhr aktualisiert: 10.06.2019, 14:51 Uhr
Mops Edda beschäftigt das Landgericht Münster. Der Anwalt der neuen Besitzerin will ein Grundsatzurteil erwirken.
Mops Edda beschäftigt das Landgericht Münster. Der Anwalt der neuen Besitzerin will ein Grundsatzurteil erwirken. Foto: dpa

Im Fall des gepfändeten und bei Ebay-Kleinanzeigen verkauften Mopses Edda strebt der Anwalt der neuen Besitzerin jetzt ein Grundsatzurteil vor dem Landgericht Münster an. Das sagte Rechtsanwalt Wolfgang Kalla der Deutschen Presse-Agentur.

Kalla hatte im Auftrag seiner Mandantin zunächst Klage gegen die Stadt Ahlen vor dem dortigen Amtsgericht eingereicht. Inzwischen sei aber unter anderem der Streitwert – den Kalla bei mindestens 15 000 Euro taxiert – so hoch, dass die Verhandlung gleich vor dem höheren Landgericht in Münster stattfinden müsste. Dort solle auch geprüft werden, ob die Stadt Ahlen und ein Vollzugsbeamter ihre Amtspflichten verletzt haben. Den Eingang des entsprechenden Antrags auf Verlegung des Verfahrens nach Münster bestätigte das Amtsgericht Ahlen auf Anfrage. Eine Entscheidung sei für Ende Juni zu erwarten.

Mops über privates Ebay-Konto angeboten

Mops Edda war von der Stadt Ahlen im November 2018 bei einer Schuldnerin gepfändet worden, da man bei ihr nach Angaben der Stadt sonst nichts Wertvolles gefunden hatte. Eine Polizistin aus Wülfrath kaufte den Hund für 690 Euro bei Ebay-Kleinanzeigen, wo ihn der Vollzugsbeamte über sein privates Konto angeboten hatte. Die Käuferin fühlt sich aber getäuscht, da der Mops entgegen der Angaben in der Internet-Annonce nicht gesund war. Sie will den Kaufpreis und Tierarztkosten erstattet bekommen. Laut Anwalt Kalla würden sich allein die Kosten für Medikamente bei einer Lebensdauer von 15 Jahren auf 13 000 Euro summieren.

Mops "Edda" in ihrem neuen Heim

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  • Erst wird die Mops-Dame "Edda" von der Stadtverwaltung zum Schuldeneintreiben gepfändet. Dann wird das Tier über den privaten Ebay-Account eines Stadtmitarbeiters verkauft. Das westfälische Ahlen ist in diesem Fall gleich von mehreren Seiten in die Kritik geraten. Kämmerer Dirk Schlebes verteidigte das Vorgehen der Stadt jedoch als rechtmäßig. Laut Zwangsvollstreckungsgesetz könne wertvoller Besitz wie der Familien-Mops gepfändet werden, sagte der parteilose Kommunalpolitiker am Donnerstag, 28. Februar, der Deutschen Presse-Agentur.

    Foto: Mikko Schümmelfeder
  • Nach der Pfändung und dem Verkauf der Hündin via Ebay nimmt die Kritik am Vorgehen der westfälischen Stadt Ahlen zu. "Das Tier, seine Bedürfnisse und sein Wohlergehen wurden hier vollkommen außen vor gelassen", sagte Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund am Freitag, 1.März, auf dpa-Anfrage. Der Verkauf über Ebay-Kleinanzeigen setze «dem Ganzen regelrecht die Krone auf», kritisierte die Sprecherin. Mit Tieren über Internetplattformen zu handeln, sei absolut abzulehnen, da man Lebewesen damit zu Waren degradiere.

    Foto: Mikko Schümmelfeder
  • Die Mops Hündin "Edda", jetzt umbenannt in "Wilma" sitzt mit Ihrer neuen Besitzerin Michaela Jordan vor einem Laptop. Die Käuferin der Hündin verklagt die westfälische Stadt Ahlen. "Das war alles gelogen", sagt sie. Die Hündin sei nicht untersucht, nicht geimpft, voller ansteckender Würmer gewesen und hätte ohne Operationen wohl ihr Augenlicht auf einer Seite verloren, sagte die neue Besitzerin.

    Foto: Guido Kirchner
  • Sie will den Kaufpreis und die Tierarztkosten erstattet bekommen. Der Mops sei als gesund, geimpft, entwurmt, ärztlich untersucht und "mit Stammbaum" angepriesen worden.

    Foto: Guido Kirchner
  • "Das war alles gelogen", sagt sie. Die Hündin sei nicht untersucht, nicht geimpft, voller ansteckender Würmer gewesen und hätte ohne Operationen wohl ihr Augenlicht auf einer Seite verloren, sagte die neue Besitzerin.

    Foto: Guido Kirchner
  • "Wilma" sitzt neben ihren neuen Freunden den beiden Möpsen "Malte" und "Ole".

    Foto: Guido Kirchner
  • Mops-Dame „Edda“ in ihrem neuen Heim Foto: Guido Kirchner
  • Mops-Dame „Edda“ in ihrem neuen Heim Foto: Guido Kirchner
  • Mops-Dame „Edda“ in ihrem neuen Heim Foto: Guido Kirchner
  • Mops-Dame „Edda“ in ihrem neuen Heim Foto: Guido Kirchner

Anwalt strebt Grundsatzurteil an

Das Münsteraner Landgericht solle nicht nur über den Schadenersatz entscheiden, sondern „auch über die Rechtsfrage, ob die Pfändung überhaupt zulässig war“, so der Anwalt. Ein Rechtsgutachten, das die Stadt Ahlen in Auftrag gegeben hatte, bejahte das. Kalla will das aber von einem Gericht geklärt wissen: „Viele Menschen können von Pfändungen von Haustieren betroffen sein – hier muss es Rechtssicherheit für Mensch und Tier geben.“

Unterdessen geht auch das strafrechtliche Verfahren gegen den Vollzugsbeamten weiter. Die Mops-Käuferin hatte ihn wegen Betrugs angezeigt. „Die Ermittlungen laufen noch“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

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