7. Demokratiekonferenz
Grundkurs in Sachen Grundgesetz

Ahlen -

Wie war das damals, als das Grundgesetz entstand? Die Demokratiekonferenz am Mittwoch gab Aufschluss – informativ und humorvoll.

Donnerstag, 13.06.2019, 14:02 Uhr aktualisiert: 13.06.2019, 17:52 Uhr
In einer Zeitzeugenrunde erinnerten sich Else Sewing, Horst Jaunich und Gerd Buller an die Entstehungszeit des Grundgesetzes. Manfred Kehr (2.v.l.) moderierte.
In einer Zeitzeugenrunde erinnerten sich Else Sewing, Horst Jaunich und Gerd Buller an die Entstehungszeit des Grundgesetzes. Manfred Kehr (2.v.l.) moderierte. Foto: Peter Schniederjürgen

Zeitzeugen, Grundgesetz-Grundkurs und Kabarett, gewürzt mit Diskussionen – das alles setzte sich am Mittwoch zusammen zur siebten Demokratiekonferenz. „Zu 70 Jahren Grundgesetzt haben wir diese Konferenz als Feier ausgelegt“, begrüßte Lisa Kalendruschat , Koordinatorin der Ahlener „Partnerschaft für Demokratie“, rund 40 Gäste in der Familienbildungsstätte. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Manfred Kehr hatte sie ein wirkliches Festprogramm zusammengestellt.

Zusammen mit Lisa Kalendruschat eröffnete Bürgermeister Dr. Alexander Berger die Feier – und warf ein Zitat in den Raum: „Demokratie braucht Demokraten.“ Dass die Demokratie in seiner Stadt sehr lebendig sei, beweise die leidenschaftliche Diskussion um das Rathaus.

Doch Berger blieb nicht in den Stadtgrenzen. Er hob den Wert von freier Meinungsäußerung und Pressefreiheit hervor und betonte den Wert der Menschenwürde – „auch am Mittelmeer“, wie Berger unterstrich. Er erinnerte an die Entstehung des Grundgesetzes nur vier Jahre nach dem Ende des Naziterrors in einem total zerstörten Land.

Zwar ist das Grundgesetz zurzeit ein Thema vieler Fernsehsendungen, doch die Kenntnisse über diese Basis aller Gesetze ist oft recht rudimentär. Lisa Kalendruschat gab deswegen sogleich ein „Update“ in Grundgesetzkunde. „Hatte das Grundgesetz nur Väter oder auch Mütter?“, wollte die Gastgeberin wissen. Antwort: Von den 65 Volksvertretern, die das Grundgesetz schufen, waren nur vier Frauen. Die aber hatten gegen heftigen Widerstand der Männer den Artikel drei, Absatz zwei durchgesetzt: Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Die Organisatoren banden die Gäste intensiv in das Gespräch ein und auch im anschließenden Zeitzeugengespräch war die Beteiligung der Gäste gefragt. Else Sewing, geboren 1942, Gerd Buller, geboren 1946, und der Ahlener Ehrenbürger und Ex-Parlamentarier, Horst Jaunich, geboren 1930, stellten sich den Fragen. Dabei kam besonders eines heraus: In Ahlen und wohl auch im Rest des noch in Trümmern liegenden Landes habe das Interesse mehr dem persönlichen Überleben als theoretischen Politikfragen gegolten. „Man muss das mit den Augen der Zeit sehen“, forderte Jaunich Verständnis, „damals gab es schlicht weniger Medien als heute.“ Gerd Buller erinnerte sich an seine Schulzeit, die zum Teil mit Lehrern stattfand, die ihre Karriere im Dritten Reich begonnen und nach dessen Ende fortgesetzt hatten. „Aber es gab ja nur ganz wenig ‚unbelastete‘ Lehrer“, erklärte der ehemaligen stellvertretende Schulleiter des St.-Michael-Gymnasiums.

Nach einer Pause hatte dann Anny Hartmann ihren großen Auftritt. Die Kabarettistin überzeugte das Publikum auf humorvoll-augenzwinkernde Weise mit Themen wie Gleichberechtigung, Religionsfreiheit und Überwachungsstaat. Dafür gab‘s viel Applaus.

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